Deutschland und die Afrikanische Union (AU) haben sich auf vier gemeinsame Ziele verständigt, um ihre Zusammenarbeit bei Handel, Sicherheit, Energie und Gesundheit zu vertiefen. Die Vereinbarung wurde beim Strategiedialog am 20. und 21. Oktober 2026 in Addis Abeba getroffen und am 29. Oktober veröffentlicht. Beide Seiten wollen insbesondere den afrikanischen Binnenmarkt stärken, Konflikte früher erkennen und die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents unterstützen. Neue Finanzzusagen oder verbindliche Fristen für die Umsetzung einzelner Vorhaben wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Deutschland will Afrikas Binnenmarkt und Handelswege stärken
Ein Schwerpunkt der Vereinbarung liegt auf der wirtschaftlichen Integration Afrikas. Deutschland will die Afrikanische Union weiterhin beim Aufbau der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) unterstützen und gleichzeitig die Voraussetzungen für einen gemeinsamen digitalen Binnenmarkt verbessern.
Damit sollen afrikanische Unternehmen Waren und Dienstleistungen leichter über Landesgrenzen hinweg anbieten können. Auch sogenannte grüne Wirtschaftskorridore, die Transportwege und nachhaltige Infrastruktur miteinander verbinden, gehören zu den vereinbarten Arbeitsfeldern.
Bereits bestehende Kooperationsprojekte haben nach Angaben der AU den Handel mit nahezu 100 Waren unter Freihandelsbedingungen zwischen acht afrikanischen Staaten erleichtert. Die beteiligten Märkte umfassen mehr als 330 Millionen Verbraucher. Dazu gehört beispielsweise der Handel mit pharmazeutischen Produkten zwischen Tunesien und Südafrika.
Auch den Ausbau regionaler Verkehrsverbindungen will Deutschland weiter unterstützen. Ein Beispiel ist der sogenannte Zentralkorridor in Ostafrika, der sieben Staaten und Märkte mit mehr als 300 Millionen Menschen mit dem tansanischen Hafen Daressalam verbindet. Deutsche Unterstützung hat dort bereits zur Vorbereitung von Investitionen in Häfen, Straßen, Eisenbahnen und Schifffahrtsinfrastruktur beigetragen.
Zusätzlich soll die AU dabei unterstützt werden, mehr eigene öffentliche Einnahmen zu mobilisieren und ihre institutionelle Finanzierung langfristig zu stärken.
Konfliktprävention und Sicherheit bleiben gemeinsame Prioritäten
Neben wirtschaftlichen Fragen wollen Berlin und Addis Abeba ihre Zusammenarbeit bei Frieden und Sicherheit ausbauen.
Dazu gehören die Früherkennung bewaffneter Konflikte, die Vermittlung zwischen Konfliktparteien und die Unterstützung friedensfördernder Maßnahmen. Auch die Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung und die Rückführung unrechtmäßig erworbener Vermögenswerte wurden als gemeinsame Aufgaben festgelegt.
Deutschland will dabei insbesondere afrikanische Institutionen stärken, damit diese Konflikte eigenständig bearbeiten und politische Lösungen entwickeln können.
Die AU und die Bundesregierung wollen außerdem stärker berücksichtigen, wie Klimaveränderungen bestehende Sicherheitsrisiken beeinflussen. Dazu gehören etwa Konflikte um Wasser, landwirtschaftliche Flächen und andere natürliche Ressourcen.
Moussa Mohamed Omar, stellvertretender Kabinettschef des Vorsitzenden der AU-Kommission, betonte die Bedeutung gemeinsamer afrikanischer Entwicklungsziele.

„Dieser Strategiedialog hat unser gemeinsames Bekenntnis zur Agenda 2063 und zu einer praktischen Zusammenarbeit bekräftigt, die Integration, Widerstandsfähigkeit, Frieden und Wohlstand zum Nutzen der Menschen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent fördert“, erklärte Omar.
Gemeinsamer Strommarkt und afrikanische Arzneimittelproduktion
Auch bei der Energieversorgung haben Deutschland und die AU weitere Kooperationsfelder vereinbart.
Beide Seiten unterstützen den Aufbau eines gemeinsamen afrikanischen Strommarkts. Dieser soll die grenzüberschreitende Versorgung verbessern und den Austausch von Elektrizität zwischen nationalen Stromnetzen erleichtern.
Grundlage dafür sind der Afrikanische Einheitliche Strommarkt (AfSEM) und ein kontinentaler Masterplan zur Entwicklung der Stromversorgung.
Nach Angaben der Afrikanischen Union haben gemeinsame Projekte bereits zur Vorbereitung erneuerbarer Energievorhaben mit insgesamt vier Gigawatt Erzeugungskapazität und rund 1.500 Kilometern Stromleitungen beigetragen. Dabei handelt es sich um eine Projektpipeline, nicht um vollständig errichtete Anlagen.
Zusätzlich wollen beide Seiten Investitionen in klimafeste Infrastruktur, erneuerbare Energien und eine sozial gerechte wirtschaftliche Transformation fördern. Angesichts der für Addis Abeba vorgesehenen UN-Klimakonferenz COP32 sollen auch Wasserversorgung, Ernährungssicherheit und klimaresistente Landwirtschaft stärker berücksichtigt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gesundheitsversorgung. Deutschland und die AU vereinbarten, afrikanische Gesundheitsinstitutionen zu stärken und die Herstellung medizinischer Produkte auf dem Kontinent auszuweiten.
Mehr als eine Milliarde Euro seit 2004 – keine neuen Finanzzusagen
Deutschland gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den Entwicklungspartnern der Afrikanischen Union. Nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums hat die Bundesregierung die Organisation seit 2004 mit insgesamt mehr als einer Milliarde Euro unterstützt.
„Gemeinsam wollen wir afrikanisch geführte Prioritäten unterstützen, von regionaler Integration und Friedensförderung bis hin zu klimaresilienter Entwicklung und stärkeren Gesundheitssystemen“, erklärte Ronald Meyer, Leiter des Referats für Grundsatzfragen der Zusammenarbeit mit Afrika und der Afrikanischen Union im Bundesentwicklungsministerium.
Meyer führte die deutsche Delegation beim Strategiedialog. Die Afrikanische Union wurde von Steve Patrick Lalande, Direktor für Partnerschaften und Ressourcenmobilisierung, vertreten.
Die Zusammenarbeit orientiert sich an der Agenda 2063, dem langfristigen Entwicklungsprogramm der Afrikanischen Union. Deutschland will seine Beiträge zudem weiterhin mit der Europäischen Union und anderen europäischen Mitgliedstaaten abstimmen und gemeinsame Vorhaben im Rahmen der Team-Europe-Initiativen unterstützen.
Die Vereinbarung legt die politischen Schwerpunkte der weiteren Zusammenarbeit fest. Sie enthält jedoch weder ein zusätzliches Finanzpaket noch neue verbindliche Umsetzungstermine für die einzelnen Projekte.
Der nächste Strategiedialog zwischen Deutschland und der Afrikanischen Union ist für 2027 in Addis Abeba vorgesehen.

