Nach Trumps „Drecksloch“-Äußerung: Libyen bestellt US-Diplomatin ein – US-Präsident reagiert

Trump bezeichnet Libyen im US-Wahlkampf als „terrorverseucht“ und als „Drecksloch-Land“. Tripolis bestellt die amerikanische Geschäftsträgerin ein und fordert eine Entschuldigung. Ungewöhnlich: Auch die rivalisierenden Kräfte im Osten Libyens protestieren.

Libyen hat die amerikanische Geschäftsträgerin in Tripolis wegen abwertender Äußerungen von US-Präsident Donald Trump einbestellt und verlangt eine offizielle Klarstellung sowie eine Korrektur seiner Aussagen. Die diplomatische Protestaktion erfolgte am Sonntag, dem 25. Oktober 2026. Trump hatte Libyen bei einer Wahlkampfveranstaltung in den USA als von Terrorismus durchsetzt bezeichnet und gemeinsam mit anderen Staaten als „Drecksloch-Länder“ beschimpft. Sowohl die international anerkannte Regierung in Tripolis als auch die rivalisierenden Institutionen im Osten Libyens verurteilten die Äußerungen.

Noch am Sonntagabend reagierte Trump mit einer Erklärung, in der er die Beziehungen zu Libyen würdigte. Gleichzeitig forderte er, das nordafrikanische Land müsse seine Rolle als Transitroute für irreguläre Migration beenden.

Libyen übergibt diplomatische Protestnote an die USA

Das Außenministerium der Regierung der Nationalen Einheit unter Ministerpräsident Abdulhamid Dabaiba bestellte die US-Geschäftsträgerin Inga Heemink in seinen Amtssitz in Tripolis ein.

Mit einer offiziellen Protestnote verlangt die libysche Regierung eine Erklärung der amerikanischen Seite und die Rücknahme beziehungsweise Korrektur der beanstandeten Aussagen.

Das Ministerium wies in seiner Stellungnahme jede Äußerung zurück, die die Würde des libyschen Volkes verletze oder das Ansehen des Landes herabsetze. Libyen dürfe nicht zum Gegenstand innenpolitischer Auseinandersetzungen und Wahlkampfdebatten anderer Staaten gemacht werden.

Gegenseitiger Respekt, die Wahrung nationaler Souveränität und die Einhaltung diplomatischer Regeln seien grundlegende Voraussetzungen zwischenstaatlicher Beziehungen, erklärte das Außenministerium.

Auch der libysche Präsidialrat verurteilte Trumps Aussagen. Er forderte ausdrücklich eine Entschuldigung und beauftragte das Außenministerium, den Protest auf diplomatischem Weg zu übermitteln.

Trump bezeichnet Libyen als „terrorverseucht“

Auslöser war eine Wahlkampfveranstaltung am Samstag in Perry im US-Bundesstaat Georgia.

Trump griff dort den demokratischen Senator Jon Ossoff an und warf ihm vor, die Einwanderung von Menschen aus Libyen, Jemen, Haiti und Somalia fördern zu wollen.

Dabei sprach der amerikanische Präsident von „Armeen von Migranten aus terrorverseuchten Ländern“ und nannte die vier Staaten ausdrücklich.

Anschließend griff er eine abwertende Bezeichnung auf, die bereits während seiner ersten Amtszeit internationale Kritik ausgelöst hatte.

„Erinnert ihr euch, wie ich sie genannt habe? Drecksloch-Länder“, sagte Trump vor seinen Anhängern.

Die Aussagen fielen während des amerikanischen Wahlkampfs vor den Kongresswahlen im November. Trump setzte dabei insbesondere auf das Thema Migration und die Kritik an den Einwanderungspositionen der Demokratischen Partei.

Auch die rivalisierenden Kräfte in Ostlibyen protestieren

Die Reaktionen auf Trumps Äußerungen gingen über die Regierung in Tripolis hinaus.

Auch die außenpolitische Kommission des libyschen Repräsentantenhauses, das seinen Sitz im Osten des Landes hat, verlangte eine Klarstellung der amerikanischen Regierung.

Die Abgeordneten bezeichneten die Aussagen als unvereinbar mit den Grundsätzen gegenseitigen Respekts und den diplomatischen Verpflichtungen zwischen Staaten.

Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten müssten auf gemeinsamen Interessen, nationaler Souveränität und einer ausgewogenen Zusammenarbeit beruhen.

Saddam Haftar, stellvertretender Befehlshaber der ostlibyschen Streitkräfte und Sohn des Militärführers Khalifa Haftar, wies die Äußerungen ebenfalls zurück.

„Libyen ist ein unabhängiger, souveräner Staat, und seine nationale Würde steht über allem“, erklärte Haftar in einer veröffentlichten Stellungnahme.

Er betonte, Beleidigungen oder Herabsetzungen könnten unter keinen politischen Umständen akzeptiert werden.

Auch Ministerpräsident Dabaiba erklärte, die Würde der libyschen Bevölkerung dürfe nicht für amerikanische Wahlkampfzwecke instrumentalisiert werden.

Die übereinstimmenden Reaktionen fallen in eine Phase anhaltender politischer Spaltung. Seit Jahren konkurrieren die Regierung in Tripolis und die von den östlichen Institutionen getragenen Machtstrukturen um die politische Kontrolle Libyens.

Trump reagiert und betont Partnerschaft mit Libyen

Nach den Protesten veröffentlichte der amerikanische Präsident am Sonntag eine weitere Stellungnahme auf seiner Plattform Truth Social.

Darin bezeichnete er die Libyer als stolz, widerstandsfähig und gastfreundlich. Sie verdienten Frieden und Wohlstand.

Trump hob zugleich die Zusammenarbeit beider Länder im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hervor.

„Wir respektieren das libysche Volk und die Opfer, die mutige Libyer im Kampf gegen den IS gebracht haben, den gemeinsamen Feind unserer beiden Völker“, schrieb er.

Allerdings verband der Präsident seine Erklärung mit einer neuen Forderung an Libyen.

„Libyen darf kein Korridor für illegale Migration bleiben, und das muss jetzt enden“, erklärte Trump.

Die Vereinigten Staaten seien weiterhin entschlossen, ihre bilateralen Beziehungen zu stärken, die Vereinigung der libyschen Institutionen zu unterstützen und den politischen Übergang zu nationalen Wahlen zu begleiten.

Eine ausdrückliche Entschuldigung für seine Äußerungen bei der Wahlkampfveranstaltung enthielt die Erklärung nicht.

USA unterstützen politische Wiedervereinigung Libyens

Washington gehört zu den internationalen Akteuren, die sich für eine politische Einigung und den Aufbau einheitlicher staatlicher Institutionen in Libyen einsetzen.

Das Land ist seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 von wiederkehrenden politischen und militärischen Konflikten geprägt.

Die Regierung der Nationalen Einheit unter Abdulhamid Dabaiba kontrolliert große Teile des westlichen Libyens einschließlich der Hauptstadt Tripolis. Im Osten verfügt das Repräsentantenhaus gemeinsam mit den Streitkräften unter Khalifa Haftar über eigene politische und militärische Machtstrukturen.

Die Vereinigten Staaten unterhalten Kontakte zu unterschiedlichen libyschen Akteuren. Zu den gemeinsamen Interessen gehören die Bekämpfung terroristischer Organisationen, regionale Sicherheit, Energiepolitik und Migration.

Libyen ist zugleich ein wichtiges Transitland für Menschen, die aus unterschiedlichen afrikanischen Staaten über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen.

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