Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa ist zum Russland-Afrika-Gipfel nach Moskau gereist, wo er ein bilaterales Treffen mit Wladimir Putin führen und als neuer Vorsitzender des ost- und südafrikanischen Wirtschaftsblocks COMESA auftreten will. Der Staatschef traf am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, in der russischen Hauptstadt ein. Der Gipfel am 28. und 29. Oktober soll Russlands wirtschaftliche, politische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten vertiefen. Mnangagwas Reise fällt zugleich in eine Phase verschärfter Machtkämpfe innerhalb seiner Regierungspartei ZANU-PF über die Verlängerung seiner Präsidentschaft bis 2030.
Mnangagwa wurde am Flughafen in Moskau von russischen Regierungsvertretern empfangen. Begleitet wird er unter anderem von Mitgliedern seiner Regierung und dem simbabwischen Außenministerium. Nach Angaben von Außenminister Amon Murwira stehen drei Programmpunkte auf der Agenda: die Teilnahme am Gipfel, ein persönliches Gespräch mit Putin und ein Treffen mit in Russland lebenden Staatsangehörigen Simbabwes.
Mnangagwa reist als Vorsitzender von 21 afrikanischen Staaten
Der simbabwische Präsident übernahm am 22. Oktober den turnusmäßigen Vorsitz des Gemeinsamen Marktes für das Östliche und Südliche Afrika (COMESA).
Dem Wirtschaftsblock gehören 21 Staaten mit insgesamt rund 640 Millionen Einwohnern an. Die Organisation setzt sich für den Abbau von Handelshemmnissen, die wirtschaftliche Integration und die Erleichterung grenzüberschreitender Investitionen ein.
Beim Russland-Afrika-Gipfel nimmt Mnangagwa deshalb nicht nur als Staatspräsident Simbabwes teil, sondern auch in seiner neuen Funktion an der Spitze einer der großen regionalen Wirtschaftsgemeinschaften Afrikas.
Außenminister Murwira erklärte, Simbabwe wolle seine internationalen Wirtschaftsbeziehungen ausbauen und eine stärkere Beteiligung afrikanischer Staaten am Welthandel erreichen.
Dabei gehe es um Handelsbeziehungen, Investitionen und technische Kooperation, aber auch um die Einbindung regionaler Wirtschaftsorganisationen in internationale Partnerschaften.
Persönliches Gespräch mit Putin vorgesehen
Das geplante Treffen zwischen Mnangagwa und Putin knüpft an eine Reihe hochrangiger Kontakte zwischen beiden Präsidenten an.

Bereits 2019 trafen sie beim ersten Russland-Afrika-Gipfel in Sotschi zusammen. Weitere Gespräche folgten beim zweiten Gipfel 2023 in St. Petersburg und beim Internationalen Wirtschaftsforum von St. Petersburg im Juni 2024.
Im Mai 2025 nahm Mnangagwa an den russischen Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland in Moskau teil und führte erneut Gespräche mit Putin.
Russlands Botschafter in Simbabwe, Sergej Berdnikow, bezeichnete die Beziehungen beider Länder Anfang September als langfristige strategische Partnerschaft.
Moskau bietet Simbabwe nach seinen Angaben unter anderem Technologien für den Bergbau, die Energieversorgung, Landwirtschaft und Medizin an. Zudem bestehen Kooperationen in der Hochschulbildung und bei der Ausbildung simbabwischer Fachkräfte in Russland.
Beide Regierungen beschäftigen sich außerdem mit Zahlungswegen und Finanzierungsmechanismen für den bilateralen Handel. Russland setzt angesichts westlicher Sanktionen verstärkt auf alternative internationale Handels- und Finanzbeziehungen.
Russland will Zusammenarbeit mit Afrika auf weitere Bereiche ausdehnen
Der dritte Russland-Afrika-Gipfel findet unter dem Motto „Gegenseitig vorteilhafte Zusammenarbeit entwickeln und das Potenzial aller afrikanischen Länder gemeinsam erschließen“ statt.
Parallel richtet Moskau ein Wirtschafts- und Humanitärforum aus. Geplant sind rund 40 Diskussionsveranstaltungen zu Handel, Investitionen, Ernährungssicherheit, Energieversorgung und technologischer Zusammenarbeit.
Zu den Schwerpunkten gehören die friedliche Nutzung der Kernenergie, künstliche Intelligenz, Digitalisierung und internationale Zahlungssysteme.
Besondere Aufmerksamkeit soll die Versorgung mit Wasser erhalten. Das Thema knüpft an den Schwerpunkt der Afrikanischen Union für 2026 an, der sich mit nachhaltiger Wasserverfügbarkeit und sicheren Sanitärsystemen beschäftigt.
Russland will während des Gipfels außerdem eine neue gemeinsame Erklärung und einen Aktionsplan für die weitere Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten verabschieden.
Die Plenarsitzung am 29. Oktober soll Putin gemeinsam mit Burundis Präsident Évariste Ndayishimiye leiten, der derzeit den turnusmäßigen Vorsitz der Afrikanischen Union innehat.
Für den Vortag sind unter anderem Gespräche von Außenminister Sergej Lawrow mit afrikanischen Amtskollegen vorgesehen.
In Simbabwe verschärft sich der Machtkampf um die Präsidentschaft
Während Mnangagwa in Moskau internationale Wirtschafts- und Sicherheitsfragen bespricht, bleibt seine politische Zukunft in Simbabwe umstritten.
Bereits zuvor hatte das simbabwische Parlament eine Verfassungsänderung verabschiedet, die die nächsten Wahlen von 2028 auf 2030 verschiebt und die Amtszeiten von Präsident und Abgeordneten von fünf auf sieben Jahre verlängert. Mnangagwa setzte die Änderungen anschließend in Kraft.
Das neue Verfahren schafft außerdem die direkte Wahl des Staatspräsidenten durch die Bevölkerung ab. Künftig soll das Parlament den Präsidenten bestimmen.
Juristen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Oppositionspolitiker kritisieren die Änderungen. Sie vertreten die Auffassung, dass eine Verlängerung der Amtszeiten eine Volksabstimmung vorausgesetzt hätte. Mehrere rechtliche Anfechtungen sind weiterhin Gegenstand gerichtlicher Verfahren.
Vizepräsident Chiwenga stellt Parteibeschlüsse infrage
Der Konflikt innerhalb der Regierungspartei konzentriert sich besonders auf das Verhältnis zwischen Mnangagwa und seinem Stellvertreter Constantino Chiwenga.
Chiwenga hatte 2017 als damaliger Militärchef eine zentrale Rolle beim Sturz des langjährigen Präsidenten Robert Mugabe gespielt. Anschließend übernahm Mnangagwa die Präsidentschaft.
Auf der jüngsten Parteikonferenz stellte Chiwenga öffentlich die Frage, ob die ZANU-PF erneut Fehler begehe, die bereits zum Machtwechsel von 2017 geführt hätten.
Er forderte eine kritische Überprüfung der Parteiführung und hinterfragte, ob die beschlossenen Reformen tatsächlich dem Willen der Parteibasis entsprächen.
Der südafrikanische Sicherheitsthinktank Institute for Security Studies (ISS) beschreibt die Auseinandersetzung als einen Machtkampf, bei dem Mnangagwa auf der Parteikonferenz seine Position festigen konnte, während Chiwenga weiterhin Widerstand gegen die verlängerte Amtszeit erkennen lässt.
Obwohl die beiden Politiker über die künftige Machtverteilung uneinig sind, verabschiedete Chiwenga den Präsidenten am Flughafen von Harare persönlich zu dessen Reise nach Russland. Auch Verteidigungsministerin Oppah Muchinguri-Kashiri und hochrangige Vertreter der Sicherheitskräfte waren anwesend.
Die ZANU-PF regiert Simbabwe seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1980. Mnangagwa übernahm die Staatsführung 2017 nach der Absetzung Robert Mugabes und wurde bei den Präsidentschaftswahlen 2018 und 2023 im Amt bestätigt.

