Wahlen in Nigeria: Tinubu startet Wahlkampf und gibt Opposition Schuld an Hunger und Armut

„Sie haben den Hunger verursacht“: Nigerias Präsident Tinubu eröffnet seinen Wahlkampf für eine zweite Amtszeit mit scharfen Angriffen auf die Opposition. Herausforderer Atiku Abubakar kontert und fordert Antworten auf die steigenden Lebenshaltungskosten und die wirtschaftliche Bilanz der Regierung.

Nigerias Präsident Bola Tinubu hat seinen Wahlkampf für eine zweite Amtszeit eröffnet und die Opposition für Hunger und Armut im bevölkerungsreichsten Land Afrikas verantwortlich gemacht. Der Wahlkampfauftakt fand am Samstag, dem 24. Oktober 2026, in der nordnigerianischen Stadt Kaduna statt. Vor Tausenden Anhängern seiner Regierungspartei All Progressives Congress (APC) verteidigte Tinubu seine Wirtschaftsreformen und versprach eine Fortsetzung seines Kurses. Sein wichtigster Herausforderer, der frühere Vizepräsident Atiku Abubakar, reagierte mit scharfer Kritik und machte die Regierung für die steigenden Lebenshaltungskosten verantwortlich.

Die Präsidentschaftswahl ist für den 16. Januar 2027 angesetzt. Tinubu bewirbt sich um eine zweite vierjährige Amtszeit. Neben Atiku gehört auch der frühere Gouverneur Peter Obi, der bei der Präsidentschaftswahl 2023 den dritten Platz belegte, zu seinen Herausforderern.

Tinubu macht politische Gegner für Wirtschaftskrise verantwortlich

Bei der Wahlkampfveranstaltung im Kaduna Township Stadium stellte Tinubu seine Wirtschaftspolitik als Voraussetzung für eine langfristige Erholung Nigerias dar.

Besonders deutlich wurde er bei der Frage nach den hohen Lebenshaltungskosten. „Ich höre meine Gegner über Hunger und Armut sprechen. Wer hat sie verursacht? Sie waren es! Sie haben den Hunger verursacht, sie haben die Armut verursacht. Wir versuchen, sie zu beseitigen“, erklärte der Präsident.

Tinubu verwies auf regelmäßige Gehaltszahlungen im öffentlichen Dienst, Infrastrukturprojekte und Maßnahmen gegen Korruption. Seine Regierung arbeite daran, wirtschaftliche Fehlentwicklungen früherer Jahre zu korrigieren.

Den Wählern versprach er bei einer erneuten Amtszeit Wohlstand, Kontinuität und Fortschritt. Gleichzeitig rief er die Bevölkerung auf, sich für die Wahl registrieren zu lassen und ihre Wählerkarten zu beantragen.

Die Veranstaltung war der offizielle Auftakt der landesweiten Präsidentschaftskampagne seiner Partei. Anwesend waren unter anderem Vizepräsident Kashim Shettima, der Gouverneur des Bundesstaates Kaduna, Uba Sani, sowie führende Vertreter der APC.

Streit über Abschaffung der Benzinsubventionen

Ein zentraler Konflikt zwischen Regierung und Opposition betrifft die wirtschaftlichen Reformen seit Tinubus Amtsantritt im Mai 2023.

Unmittelbar nach seiner Vereidigung schaffte der Präsident die staatlichen Benzinsubventionen ab. Zudem liberalisierte seine Regierung den Devisenmarkt, wodurch die nigerianische Währung Naira erheblich an Wert verlor.

Die Bundesregierung in Abuja begründet diese Maßnahmen mit der Notwendigkeit, Staatsausgaben zu reduzieren, Korruption zu bekämpfen und wirtschaftliche Investitionen zu fördern.

Tinubu bekräftigte in Kaduna, dass er die Subventionen nicht wieder einführen werde. Das frühere System habe Korruption, gefälschte Rechnungen und den Schmuggel staatlich verbilligten Treibstoffs begünstigt.

Die wirtschaftlichen Folgen belasten jedoch weiterhin zahlreiche Haushalte. Lebensmittel, Treibstoffe und Transportleistungen haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verteuert.

Zwar haben sich einzelne gesamtwirtschaftliche Kennzahlen inzwischen verbessert, darunter die Währungsreserven und das Wirtschaftswachstum. Die Kaufkraft vieler Nigerianer bleibt jedoch durch die hohen Preise eingeschränkt.

Der frühere Vizepräsident Atiku Abubakar hat angekündigt, bei einem Wahlsieg die Wiedereinführung der Benzinsubventionen zu prüfen.

Atiku wirft Tinubu politische Verantwortungslosigkeit vor

Die Reaktion der Opposition folgte noch am Tag des Wahlkampfauftakts.

Atiku Abubakar, Präsidentschaftskandidat des African Democratic Congress (ADC), wies Tinubus Behauptung zurück, die politischen Gegner hätten Hunger und Armut verursacht.

In einer Erklärung seines Wahlkampfteams warf er dem Präsidenten vor, die Verantwortung für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf andere abzuwälzen.

„Die APC hat Nigeria acht Jahre lang regiert, bevor Sie Ihr Amt antraten. Sie haben weitere dreieinhalb Jahre hinzugefügt. Die Nigerianer wissen, wer an der Macht war“, erklärte Atiku.

Seine Kritik richtet sich insbesondere gegen die Abschaffung der Benzinsubventionen, die Abwertung der Naira und die Entwicklung der Armut.

Außerdem verlangte Atiku Erklärungen zu staatlichen Ausgaben, Finanztransaktionen und der Sicherheitslage. Er verwies auf weiterhin bestehende Probleme durch bewaffnete Überfälle, Entführungen und die Vertreibung von Menschen.

Die Präsidentschaftswahl bezeichnete er als Abstimmung über die wirtschaftliche Bilanz der Regierung.

Auch die Inszenierung der Wahlkampfveranstaltung kritisierte die ADC. Parteivertreter warfen der APC vor, Teilnehmer für den Besuch der Kundgebung bezahlt zu haben. Unabhängig bestätigte Belege dafür wurden nicht vorgelegt.

Nordnigeria wird zum Schauplatz des Wahlkampfs

Mit Kaduna wählte Tinubu einen politisch bedeutsamen Ausgangspunkt für seine Kampagne.

Der Bundesstaat liegt im Nordwesten Nigerias, einer Region mit besonders vielen registrierten Wählern. Allein die sieben Bundesstaaten des Nordwestens zählen nach Angaben der Wahlbehörde rund 25 Millionen registrierte Wahlberechtigte.

Bei der Präsidentschaftswahl 2023 hatte Tinubu den Bundesstaat Kaduna allerdings gegen Atiku Abubakar verloren.

In seiner Rede dankte der Präsident der Bevölkerung dennoch für die Unterstützung, die zu seinem landesweiten Wahlsieg beigetragen habe.

Vizepräsident Kashim Shettima erinnerte an Tinubus langjährige politische Verbindungen nach Nordnigeria. Der Präsident habe in früheren Wahlkämpfen unter anderem Atiku Abubakar, Nuhu Ribadu und den späteren Präsidenten Muhammadu Buhari unterstützt.

Die APC setzt neben der Popularität einzelner Politiker auf ihre weitreichenden Parteistrukturen und die Unterstützung zahlreicher Gouverneure.

Im Norden gehören neben wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch die Sicherheitslage, bewaffnete Entführungen, Konflikte um landwirtschaftliche Flächen und die Versorgung ländlicher Gemeinden zu den zentralen politischen Themen.

Präsident eröffnet Straßenabschnitt bei Kaduna

Den Wahlkampfauftakt verband die Regierung mit der Vorstellung neuer Infrastrukturprojekte.

Bauminister David Umahi erklärte, die Bundesregierung habe im Nordwesten mehr als 348 Kilometer Straßen fertiggestellt. Weitere rund 1.800 Kilometer seien teilweise ausgebaut worden.

Zu den wichtigsten Vorhaben gehört die Verbindung Abuja–Kaduna–Zaria–Kano. Sie verbindet die Bundeshauptstadt mit bedeutenden Wirtschafts- und Handelszentren Nordnigerias.

Tinubu eröffnete bei der Veranstaltung einen 81 Kilometer langen Abschnitt des Straßenprojekts. Nach Angaben des Bauministers sollen weitere Teilstrecken folgen.

Die Regierung kündigte außerdem an, die rund 375 Kilometer lange Verbindung mit solarbetriebenen Straßenlaternen auszustatten.

Atiku kritisierte die Eröffnung aus dem Stadion heraus und verwies darauf, dass die gesamte Straßenverbindung noch nicht fertiggestellt sei.

Präsidentschaftswahl findet bereits im Januar statt

Nigeria wählt am 16. Januar 2027 einen neuen Präsidenten und die Mitglieder der Nationalversammlung. Die Wahlen zu den Gouverneursämtern und Parlamenten der Bundesstaaten sind für den 6. Februar vorgesehen.

Die unabhängige nationale Wahlkommission INEC hatte den Wahlkalender nach Änderungen des Wahlrechts angepasst und den ursprünglich später vorgesehenen Präsidentschaftstermin vorverlegt.

Bei der Wahl 2023 hatte Tinubu mit rund 8,8 Millionen Stimmen und einem Anteil von 36,6 Prozent gewonnen. Atiku Abubakar und Peter Obi belegten die weiteren Plätze.

Inzwischen treten beide Politiker erneut als Präsidentschaftskandidaten an. Atiku kandidiert für den ADC, Obi für den National Democratic Congress (NDC).

Mehrere Oppositionsparteien führen darüber hinaus Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit. Eine Einigung auf einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten liegt bislang nicht vor.

Die APC plant weitere Wahlkampfveranstaltungen in zwölf Bundesstaaten. Der Abschluss der Kampagne ist für den 9. Januar in Lagos vorgesehen.

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