Asyl in NRW: Somalia auf Platz vier der Herkunftsländer – über 56.000 Ausreisepflichtige

Somalia liegt unter den Herkunftsländern neuer Asylsuchender in NRW auf Platz vier – noch vor dem Irak.

Somalia gehört zu den vier wichtigsten Herkunftsländern neu erfasster Asylsuchender in Nordrhein-Westfalen, während auch Guinea, Angola und weitere afrikanische Staaten deutlich in der Statistik vertreten sind. Das zeigt ein am 21. Oktober 2026 dem Landtag zugeleiteter Bericht des nordrhein-westfälischen Integrationsministeriums mit Zahlen bis Ende Juli. Von insgesamt 8.927 im ersten Halbjahr und im Juli registrierten Zugängen entfielen 588 auf Somalia, womit das Land noch vor dem Irak lag. Zugleich meldet Nordrhein-Westfalen eine vergleichsweise geringe Belegung seiner staatlichen Flüchtlingsunterkünfte.

Somalia vor Irak auf Platz vier in Nordrhein-Westfalen

Zwischen Januar und Juli 2026 wurden in Nordrhein-Westfalen über das bundesweite Erstverteilungssystem EASY insgesamt 8.927 Zugänge von Asylerstantragstellenden registriert.

Die meisten Personen kamen aus Syrien mit 1.751 Zugängen, gefolgt von Afghanistan mit 1.524 und der Türkei mit 804.

Somalia erreichte mit 588 registrierten Personen den vierten Platz. Der Anteil an allen Zugängen betrug 6,6 Prozent.

Damit lag Somalia knapp vor dem Irak, für den 579 Zugänge erfasst wurden.

Auch bundesweit gehörte Somalia zu den wichtigsten Herkunftsländern. Mit 2.257 registrierten Personen belegte es unter insgesamt 42.471 Zugängen den vierten Platz und erreichte einen Anteil von 5,3 Prozent.

Die Zahlen beziehen sich auf die Erfassung im EASY-System. Sie sind nicht mit der Zahl positiv beschiedener Asylanträge oder mit einem vollständigen Bild aller Zuwanderungsformen gleichzusetzen.

Guinea, Angola und Eritrea ebenfalls stark vertreten

Neben Somalia erscheinen acht weitere afrikanische Länder unter den 20 wichtigsten Herkunftsstaaten in Nordrhein-Westfalen.

Aus Guinea wurden 330 Zugänge erfasst, aus Angola 221 und aus Eritrea 157.

Weitere Herkunftsländer waren Nigeria mit 155, Ghana mit 147, die Demokratische Republik Kongo mit 139, Marokko mit 133 und Algerien mit 105 registrierten Personen.

Zusammen entfallen damit mindestens 1.975 der 8.927 Zugänge auf die neun afrikanischen Staaten, die unter den 20 wichtigsten Herkunftsländern aufgeführt sind. Das entspricht rund 22 Prozent.

Die tatsächliche Gesamtzahl afrikanischer Herkunftsstaaten in der Statistik kann höher liegen, da Länder außerhalb der Top 20 in dieser Übersicht nicht einzeln ausgewiesen werden.

Auffällig ist die unterschiedliche Verteilung innerhalb Deutschlands. Bundesweit lag Guinea mit 665 erfassten Personen deutlich hinter Somalia, während es in Nordrhein-Westfalen das siebtwichtigste Herkunftsland war.

Auch Angola war in NRW mit 221 Zugängen unter den zehn wichtigsten Herkunftsstaaten vertreten, tauchte aber in der bundesweiten Top-20-Liste nicht auf.

Asylzugänge im Jahresverlauf niedriger

Die monatlichen EASY-Zugänge in Nordrhein-Westfalen lagen im Juli deutlich unter denen vom Jahresbeginn.

Im Januar waren noch 1.583 Personen registriert worden, im Februar 1.325 und im März 1.349.

Im Juni betrug die Zahl 1.141 und im Juli 1.073.

Auch die Zahl der neuen Asylanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die Nordrhein-Westfalen zugeordnet wurden, entwickelte sich im Jahresverlauf rückläufig.

Während im Januar rund 2.400 Neuanträge verzeichnet wurden, waren es im Juni und Juli jeweils rund 1.000.

Die Zahl der behördlichen Entscheidungen lag in sämtlichen Monaten über der Zahl der neuen Anträge. Im Juli wurden rund 2.700 Verfahren entschieden.

Nur 35 Prozent der aktiven Unterkunftsplätze belegt

Parallel zu den Zugängen veröffentlichte die Landesregierung neue Zahlen zur Unterbringung geflüchteter Menschen.

Anfang August betrieb Nordrhein-Westfalen 25.361 aktive Plätze in Erstaufnahme- und anderen staatlichen Unterbringungseinrichtungen.

Am 2. August waren dort 8.756 Geflüchtete untergebracht. Das entsprach einer durchschnittlichen Auslastung von 35 Prozent.

Bei den Erstaufnahmeeinrichtungen betrug die Belegung 25 Prozent, bei den zentralen Unterbringungseinrichtungen und Notunterkünften 37 Prozent.

Die Landesregierung will dennoch ausreichende Kapazitäten für mögliche zusätzliche Zugänge bereithalten und die Kommunen bei der Unterbringung entlasten.

Ihr längerfristiges Kapazitätskonzept sieht insgesamt 35.000 Plätze vor, darunter 7.000 Reserveplätze, die kurzfristig aktiviert werden können.

Mehr als ein Drittel seit über einem Jahr in Landeseinrichtungen

Neben den freien Unterkunftskapazitäten zeigen die Zahlen eine lange Aufenthaltsdauer für einen Teil der Asylsuchenden.

Von 8.633 zum Stichtag erfassten zuweisungsfähigen Asylsuchenden lebten 3.308 bereits länger als zwölf Monate in einer Landeseinrichtung.

Das entspricht rund 38 Prozent dieser Personengruppe.

Weitere 893 Personen waren länger als neun Monate und 807 länger als sechs Monate untergebracht.

Die Landesregierung verwies darauf, dass bei bestimmten Asylverfahren rechtliche und organisatorische Hindernisse bestehen können, die eine frühere Zuweisung in die Kommunen verzögern.

Bis Ende Juli wurden 7.128 Asylsuchende aus dem Landessystem kommunalen Einrichtungen zugewiesen. Hinzu kamen 3.477 Zuweisungen anerkannter Schutzberechtigter auf Grundlage aufenthaltsrechtlicher Regelungen.

Mehr als 56.000 Ausreisepflichtige in NRW registriert

Der Bericht enthält auch Zahlen über Rückführungen und ausreisepflichtige Personen.

Zum 30. Juni 2026 waren in Nordrhein-Westfalen 56.604 ausreisepflichtige Menschen im Ausländerzentralregister erfasst.

Davon verfügten 45.002 über eine Duldung. Eine Duldung bedeutet, dass die Abschiebung vorübergehend ausgesetzt ist, die Ausreisepflicht aber grundsätzlich bestehen bleibt.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden aus Nordrhein-Westfalen 1.931 Rückführungen einschließlich Dublin-Überstellungen registriert. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 2.494 gewesen.

Gleichzeitig stieg die Zahl der im Rahmen des Programms REAG/GARP geförderten freiwilligen Rückreisen aus Nordrhein-Westfalen von 1.336 im ersten Halbjahr 2025 auf vorläufig 1.428 im ersten Halbjahr 2026.

Eine Aufschlüsselung dieser Rückführungen und freiwilligen Rückreisen nach einzelnen afrikanischen Herkunftsländern enthält der Bericht nicht.

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