Eswatini fordert UN-Beteiligung von Taiwan – und warnt vor El Niño

„Wie viele Jahre noch?“ Eswatinis Staatsoberhaupt Mswati III fordert bei der UN ein Ende von Afrikas Ausschluss aus der ständigen Mitgliedschaft im Sicherheitsrat. Als neuer Vorsitzender des SADC-Sicherheitsorgans verlangt er zugleich mehr Unterstützung für afrikanisch geführte Friedensprozesse.

Eswatini fordert vor der UN-Generalversammlung eine ständige Vertretung Afrikas im Sicherheitsrat und drängt auf stärkere afrikanisch geführte Friedensprozesse. Die Rede hielt Staatsoberhaupt Mswati III am Mittwoch, 23. September 2026. Mehr als zwei Jahrzehnte nach Verabschiedung des Ezulwini-Konsenses verfüge der Kontinent weiterhin über keinen ständigen Sitz in dem Gremium. Eswatini hat seit August zugleich den Vorsitz im sicherheitspolitischen Organ der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika übernommen. 

Mswati III: Wie lange soll Afrika noch warten?

Mswati machte die Reform des UN-Sicherheitsrats zu einem Schwerpunkt seiner Rede. Afrika sei längst ein strategischer Akteur der Weltpolitik, bleibe aber von der ständigen Mitgliedschaft in dem wichtigsten UN-Gremium für Frieden und Sicherheit ausgeschlossen.

„Wie viele Jahre noch sollen afrikanische Staats- und Regierungschefs nach New York reisen und vor dieser Versammlung eine gerechte Vertretung im Sicherheitsrat fordern?“, fragte er.

Der Kontinent werde dadurch um die Möglichkeit gebracht, dauerhaft an zentralen Entscheidungen zur internationalen Sicherheit mitzuwirken, argumentierte Mswati. Vertrauen in die Vereinten Nationen könne nicht allein durch Erklärungen wiederhergestellt werden. Bereits eingegangene Verpflichtungen müssten umgesetzt und internationale Institutionen an die veränderten globalen Kräfteverhältnisse angepasst werden. 

Die gemeinsame Position der Afrikanischen Union geht noch weiter. Der 2005 verabschiedete Ezulwini-Konsens fordert mindestens zwei ständige afrikanische Sitze mit sämtlichen Rechten einschließlich des Vetorechts, solange dieses besteht. Hinzukommen sollen insgesamt fünf nichtständige Sitze für Afrika. Die AU bekräftigte diese Position im Mai 2026 erneut. 

Eswatini übernimmt sicherheitspolitische Rolle in der SADC

Die Forderung fällt mit einer neuen regionalen Aufgabe Eswatinis zusammen. Beim SADC-Gipfel am 17. August wurde Mswati III zum Vorsitzenden des Organs für Politik, Verteidigung und Sicherheitskooperation gewählt. Das Gremium koordiniert unter anderem Konfliktprävention, Vermittlung und sicherheitspolitische Zusammenarbeit im südlichen Afrika. 

Vor den Vereinten Nationen forderte Mswati stärkere afrikanisch geführte Friedensprozesse und zusätzliche Unterstützung für regionale Organisationen bei Konfliktprävention und Vermittlung.

Unterzeichnete Friedensabkommen müssten von allen Seiten eingehalten werden. Die Vereinten Nationen sollten deren Umsetzung stärker überwachen und regionale Entscheidungen gegen verfassungswidrige Machtwechsel unterstützen.

Eswatini wolle während seines SADC-Vorsitzes insbesondere präventive Diplomatie, Dialog und Vermittlung ausbauen. Die Gemeinschaft hatte bei ihrem Gipfel im August ihre Unterstützung für regionale und internationale Friedensbemühungen unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo bekräftigt. 

Afrika soll Rohstoffe stärker selbst verarbeiten

Mswati verband die Forderung nach politischer Mitsprache mit einer wirtschaftlichen Agenda. Afrikanische Staaten müssten sich stärker von der Ausfuhr unverarbeiteter Rohstoffe lösen.

„Wir müssen vom Export unverarbeiteter Rohstoffe zu Wertschöpfung, lokaler Industrialisierung und der Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze innerhalb unserer eigenen Grenzen übergehen“, sagte er. 

Eswatini fordert dabei internationale Unterstützung beim Aufbau afrikanischer Verarbeitungskapazitäten. Mswati brachte zudem die Schaffung eines afrikanischen Handelszentrums für Edelmetalle, Seltene Erden und andere Rohstoffe ins Gespräch.

Die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone AfCFTA soll nach seiner Darstellung helfen, Verarbeitung und Handel stärker innerhalb Afrikas zu organisieren. Zugleich warnte er davor, dass der technologische Fortschritt neue Unterschiede zwischen Staaten schaffen könnte, die künstliche Intelligenz entwickeln und kontrollieren, und jenen, die von dieser Entwicklung weitgehend ausgeschlossen bleiben.

Sorge vor starkem El Niño

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Mswati auf Ernährungssicherheit und Klimarisiken. Eswatini investiere verstärkt in Landwirtschaft, Bewässerung, moderne Anbaumethoden und die Unterstützung kleiner landwirtschaftlicher Betriebe.

Gleichzeitig warnte er vor einem außergewöhnlich starken El-Niño-Ereignis, das zusätzliche staatliche Mittel zum Schutz von Bevölkerung und Lebensgrundlagen erforderlich machen könne. 

Die Weltorganisation für Meteorologie sieht El Niño seit August 2026 als fest etabliert an. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen bis Februar 2027 anhält, liegt nach ihren aktuellen Prognosen bei nahezu 100 Prozent. Die außergewöhnlich hohen Wassertemperaturen im tropischen Pazifik könnten eine weitere Verstärkung begünstigen und Niederschlags- sowie Temperaturmuster weltweit erheblich verändern. 

Eswatini fordert deshalb verlässlichere Klimafinanzierung, Technologietransfer und zusätzliche Mittel für Anpassungsmaßnahmen. Das Land setzt zugleich auf neue Staudämme und Bewässerungssysteme, um die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Niederschlagsschwankungen zu machen.

Eswatini fordert stärkere Beteiligung Taiwans an der UN

Mswati griff bei den Vereinten Nationen auch die internationale Stellung Taiwans auf. Taiwan spiele eine bedeutende Rolle in globalen Lieferketten und verfüge über Kenntnisse, die in die internationale Zusammenarbeit einbezogen werden sollten.

Die Vereinten Nationen sollten deshalb Wege finden, Taiwan eine „substantielle Beteiligung“ an Sitzungen und Aktivitäten zu ermöglichen, sagte er. 

Eswatini ist Taiwans letzter Staat in Afrika mit formellen diplomatischen Beziehungen. Im Frühjahr 2026 hatte Taiwans Präsident Lai Ching-te das Land besucht. China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und lehnt staatliche diplomatische Beziehungen anderer Länder mit Taipeh ab, während die taiwanische Regierung diesen Anspruch zurückweist. 

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