Angola warnt vor „globaler Anarchie“ und kritisiert Großmächte

„Der Einsatz von Gewalt triumphiert über die Kraft des Rechts“: Angolas Präsident João Lourenço warnt bei der UN vor globaler Anarchie. Er fordert eine neue Machtverteilung im Sicherheitsrat und eine stärkere afrikanische Stimme bei Frieden, Finanzen, Klima und KI.

Angolas Präsident João Lourenço hat vor der UN-Generalversammlung vor einer „globalen Anarchie“ gewarnt und eine Neuordnung des Sicherheitsrats mit ständiger Vertretung Afrikas, Lateinamerikas und Asiens gefordert. Die Rede hielt er am Dienstag, 22. September 2026, in New York. Lourenço kritisierte insbesondere die Beteiligung ständiger Mitglieder des Sicherheitsrats an aktuellen Kriegen und erklärte, eine internationale Ordnung, in der militärische Gewalt stärker wiege als Recht und Diplomatie, führe die Welt in Richtung einer größeren Konfrontation. Für Afrika verlangte er zugleich mehr Einfluss auf Entscheidungen über Frieden, Finanzierung, Klima und künstliche Intelligenz. 

Lourenço sieht Gewalt an die Stelle des Rechts treten

„Wir leben heute in einem Umfeld globaler Anarchie, in dem der Einsatz von Gewalt über die Kraft der Vernunft und des Rechts triumphiert“, sagte Lourenço.

Versuche, ganze Staaten oder Regionen mit militärischen Mitteln zu beherrschen, führten die Welt aus seiner Sicht „in Richtung Katastrophe“. Neben dem weiterhin aktiven Terrorismus habe sich die internationale Sicherheitslage Jahr für Jahr verschlechtert.

Besonders Afrika bleibe von terroristischen Gruppen und bewaffneten Konflikten betroffen. Lourenço warnte zugleich davor, die gegenwärtigen Krisen als voneinander getrennte regionale Probleme zu betrachten. Die Häufung militärischer Auseinandersetzungen erhöhe das Risiko einer umfassenderen internationalen Konfrontation. 

Kritik an den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats

Ungewöhnlich deutlich kritisierte der angolanische Präsident die Rolle der bestehenden Großmächte im UN-Sicherheitsrat.

Die direkte Beteiligung einiger ständiger Mitglieder an den gegenwärtigen Konflikten in Europa und am Persischen Golf sei „ein Grund zur Sorge und ein schlechtes Beispiel für den Rest der Welt“, erklärte Lourenço. 

Der Sicherheitsrat wird von fünf ständigen Mitgliedern geprägt: China, Frankreich, Russland, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich. Alle fünf verfügen über ein Vetorecht.

Lourenço stellte diese Struktur grundsätzlich infrage. Eine Weltordnung könne nicht dauerhaft auf der besonderen Machtstellung eines kleinen Kreises von Staaten beruhen, deren Privilegien auf die Machtverhältnisse nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgingen.

Afrika, Lateinamerika und Asien sollen ständige Sitze erhalten

Angola fordert deshalb eine „tiefgreifende“ Reform des Sicherheitsrats. Afrika, Lateinamerika und Asien müssten dort angemessen als ständige Mitglieder vertreten sein und die damit verbundenen Rechte und Befugnisse erhalten, sagte Lourenço. 

Angola vertritt damit zugleich die gemeinsame afrikanische Position zur Reform des Sicherheitsrats. Diese verlangt mindestens zwei ständige Sitze für Afrika einschließlich aller Privilegien, die bestehenden ständigen Mitgliedern zustehen, solange das Vetorecht erhalten bleibt. Angola bekräftigte diese Forderung auch in den laufenden zwischenstaatlichen UN-Verhandlungen über die Reform des Rates. 

Afrikanische Stimme soll auch bei KI und Finanzfragen zählen

Lourenço beschränkte die Forderung nach stärkerem afrikanischem Einfluss nicht auf den Sicherheitsrat.

„Die Stimme der Afrikaner muss unter allen Umständen gehört werden“, sagte der Präsident. Das gelte für Entscheidungen über Frieden und internationale Sicherheit ebenso wie für globale Finanzierung, Klimapolitik und die internationale Steuerung künstlicher Intelligenz. 

Dabei verwies er auf die hohe Schuldenbelastung zahlreicher afrikanischer Staaten. Nach seiner Darstellung geben sie teilweise erheblich mehr für den Schuldendienst aus, als ihnen für Gesundheit, Bildung und den Ausbau ihrer Infrastruktur zur Verfügung steht.

Die Forderung nach einer veränderten internationalen Finanzordnung fügt sich damit in Angolas Ruf nach einer breiteren Neuverteilung politischer Entscheidungsgewalt innerhalb der multilateralen Institutionen ein.

Angola setzt auf „afrikanische Lösungen für afrikanische Konflikte“

Lourenço stellte zugleich Angolas eigene Rolle als Vermittler auf dem Kontinent heraus. Konflikte müssten möglichst durch Dialog, Annäherung der Parteien und tragfähige politische Vereinbarungen beendet werden.

„Keine Waffe ist mächtiger als die Diplomatie“, erklärte der Präsident. Sie könne verbinden, reparieren, aufbauen und Menschenleben retten. 

Angolas Ansatz beruhe auf „afrikanischen Lösungen für afrikanische Konflikte“. Luanda habe in den vergangenen Jahren versucht, Konfliktparteien zusammenzuführen und innerhalb Afrikas Konsenslösungen zu ermöglichen.

Lourenço verband dies mit der Forderung, afrikanische Staaten und Institutionen stärker dazu zu befähigen, Konflikte selbst zu verhindern und beizulegen. Investitionen in diese Fähigkeiten seien zugleich Investitionen in die internationale Friedens- und Sicherheitsordnung.

50 Jahre Angola bei den Vereinten Nationen

Die Rede fiel in das 50. Jahr der angolanischen Mitgliedschaft bei den Vereinten Nationen. Lourenço bezeichnete die damalige Aufnahme des kurz zuvor unabhängig gewordenen Landes als historischen Erfolg für die angolanische Bevölkerung. 

Angola hat seither zweimal als nichtständiges Mitglied dem Sicherheitsrat angehört. In den laufenden Reformverhandlungen gehört das Land zu den Staaten, die darauf drängen, Afrikas bisherige Unterrepräsentation dauerhaft zu beenden. 

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