Deutschland plant zügige Militärhilfe für Benin – Mission noch im Oktober

Deutschland baut seine Sicherheitskooperation mit Benin aus. Ausrüstung und Spezialausbildung sollen vor allem das militärische Pionierwesen stärken, während der Druck bewaffneter Gruppen auf Benins Norden wächst.

Deutschland will die Streitkräfte Benins mit logistischer Ausrüstung und spezialisierter Ausbildung unterstützen und dabei insbesondere das militärische Pionierwesen stärken. Die Gespräche fanden am 17. September in Cotonou statt, eine deutsche Expertenmission ist für den 7. bis 9. Oktober vorgesehen. Das Vorhaben fällt in eine Phase, in der Benin seine Verteidigungspartnerschaften ausbaut und wegen der Ausbreitung bewaffneter Gruppen aus dem zentralen Sahel vor allem die militärischen Fähigkeiten im Norden verstärkt. Einzelheiten zu Umfang und Wert der deutschen Ausrüstung wurden bislang nicht veröffentlicht. 

Der beninische Verteidigungsminister Gildas Agonkan empfing dazu eine deutsche Delegation unter Leitung von Rike Sohn, stellvertretende Leiterin der deutschen Botschaft und Leiterin der Zusammenarbeit in Cotonou. Begleitet wurde sie von Oberst Boris Bovekamp, dem für Benin zuständigen deutschen Verteidigungsattaché. 

Nach Angaben des beninischen Verteidigungsministeriums umfasst das geplante Programm zwei Schwerpunkte: die Bereitstellung logistischer Ausrüstung und technische sowie spezialisierte Ausbildung für Angehörige der beninischen Streitkräfte. Im Zentrum steht das Génie militaire, das militärische Pionierwesen. Die für Oktober angekündigte Expertenmission soll die konkreten Modalitäten ausarbeiten und bilaterale Vereinbarungen abschließen. 

Benins Norden steht unter wachsendem Sicherheitsdruck

Der Ausbau der Kooperation erfolgt vor dem Hintergrund einer verschärften Sicherheitslage im Norden Benins. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in weite Teile der Départements Atakora und Alibori sowie in Grenzgebiete zu Nigeria. Entlang der Grenzen zu Burkina Faso, Niger, Togo und Nigeria seien weiterhin terroristische Aktivitäten zu verzeichnen. Sicherheitskräfte und Zivilisten würden wiederholt Ziel tödlicher Angriffe. 

Benin hat dort die Operation Mirador aufgebaut, um die nördlichen Grenzregionen gegen das Vordringen bewaffneter Gruppen aus dem zentralen Sahel zu sichern. Auch die Europäische Union beschreibt die Sicherheitslage in den nördlichen Regionen Benins, Togos, Ghanas und der Elfenbeinküste als zunehmend von der Krise in Burkina Faso, Mali und Niger beeinflusst. 

Gerade Pioniereinheiten spielen unter diesen Bedingungen eine besondere Rolle. Zu ihren Aufgaben können unter anderem der Bau und die Sicherung militärischer Infrastruktur, Bewegungsunterstützung, technische Logistik sowie der Umgang mit Hindernissen und Sprengstoffgefahren gehören. Welche dieser Fähigkeiten Deutschland konkret fördern will, wurde bei den Gesprächen in Cotonou noch nicht im Einzelnen angegeben.

EU stellt zusätzlich zehn Millionen Euro bereit

Das bilaterale deutsche Vorhaben ergänzt eine bereits beschlossene europäische Unterstützung für Benins Streitkräfte. Die EU stellte 2026 über die Europäische Friedensfazilität zehn Millionen Euro bereit, nachdem Cotonou zusätzliche Ausrüstung und Ausbildung für seine im Norden eingesetzten Truppen beantragt hatte. 

Finanziert werden dabei ausdrücklich nicht-tödliche Ausrüstungsgegenstände. Vorgesehen sind unter anderem persönliche Schutzausrüstung, Tarnnetze, Funkgeräte und Metalldetektoren. Außerdem umfasst die EU-Maßnahme Spezialausrüstung zur Gewinnung und Auswertung militärisch relevanter Informationen sowie ein einmotoriges Schulungsflugzeug, einen Flugsimulator und die Ausbildung von Piloten und technischem Personal. Die Laufzeit beträgt 30 Monate. 

Die EU begründet das Programm mit dem Ziel, Benins territoriale Integrität zu schützen und die Streitkräfte gegen bewaffnete Gruppen zu stärken, die aus Burkina Faso und Niger in Richtung der Küstenstaaten wirken. 

Cotonou baut mehrere Verteidigungspartnerschaften parallel aus

Deutschland ist nicht der einzige Partner, mit dem Benin derzeit seine militärische Zusammenarbeit vertieft. Nur zwei Tage vor dem Treffen mit der deutschen Delegation empfing Agonkan den amerikanischen Brigadegeneral Mitchell Johnson von der Nationalgarde North Dakotas. Beide Seiten sprachen über Sicherheitskooperation, Krisenvorsorge und die operativen Fähigkeiten der beninischen Streitkräfte. 

Die Zusammenarbeit mit den USA reicht bis auf die Ebene der militärischen Führung. Ende August traf Benins Generalstabschef Fructueux Gbaguidi im Pentagon den stellvertretenden Vorsitzenden der US-Generalstabschefs, Christopher Mahoney. Das Pentagon verwies anschließend auf Sicherheitsunterstützung und gemeinsame Initiativen über das US-Afrika-Kommando AFRICOM. 

Auch Italien sucht eine breitere militärische Kooperation. Der neue italienische Botschafter Roberto Mengoni besprach mit Agonkan Mitte September mögliche zusätzliche Bereiche der Zusammenarbeit. Benin drängt dabei auf eine Kooperation, die über bisherige Ausbildungsmaßnahmen hinausgeht. 

Deutschland ist seit Jahrzehnten Partner Benins

Die sicherheitspolitische Zusammenarbeit fügt sich in eine breitere deutsch-beninische Partnerschaft ein. Deutschland unterhält seit 1960 ununterbrochen diplomatische Beziehungen mit Benin. Das laufende deutsche Portfolio der Entwicklungszusammenarbeit beziffert das Auswärtige Amt auf 454 Millionen Euro. Schwerpunkte sind unter anderem nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, berufliche Ausbildung, Wasser- und Sanitärversorgung, erneuerbare Energien sowie die Reform staatlicher Strukturen. 

Mit dem geplanten Militärprojekt kommt nun ein stärker sichtbarer bilateraler Sicherheitsbaustein hinzu. Über Art und Zahl der deutschen Ausrüstungsgegenstände, den finanziellen Umfang des Projekts und den Zeitpunkt der ersten Lieferungen liegen bislang keine veröffentlichten Angaben vor. Die für Anfang Oktober geplante Expertenmission soll nach Angaben aus Cotonou die Vereinbarungen für die Umsetzung abschließen.

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