Die US-Delegation hat auf der Welt-Aids-Konferenz in Brasilien eine fehlerhafte Karte Afrikas präsentiert, auf der sechs Staaten falsch eingezeichnet oder beschriftet waren. Die Folie wurde während der vom 26. bis 31. Juli in Rio de Janeiro veranstalteten AIDS 2026 gezeigt. Eine Untersuchung der Nachrichtenagentur Reuters entdeckte auf dem Bild ein Wasserzeichen, das auf den Einsatz eines KI-Werkzeugs von OpenAI hindeuten soll. Das US-Außenministerium übernahm die Verantwortung für die fehlerhafte Darstellung.
Die Karte gehörte zu einer Präsentation über neue bilaterale Gesundheitsabkommen der Vereinigten Staaten. Jeff Graham, der führende US-Sondergesandte für globale Gesundheit, stellte darin die neue gesundheitspolitische Zusammenarbeit des Außenministeriums vor.
Sechs afrikanische Staaten falsch dargestellt
Auf der projizierten Karte befand sich Nigeria im Inneren der Sahara und besaß keinen Zugang zum Meer. Tatsächlich liegt das westafrikanische Land am Golf von Guinea und verfügt über eine mehr als 800 Kilometer lange Küste.
Mosambik war weit nach Norden verschoben und erschien auf Höhe des Horns von Afrika. Das Land liegt jedoch im Südosten des Kontinents am Indischen Ozean.
Auch die Elfenbeinküste war falsch positioniert. Sie wurde in den Südosten Afrikas verlegt, obwohl sie an der westafrikanischen Atlantikküste liegt. Bei Uganda und Malawi stimmten die dargestellten Grenzverläufe nicht.
Darüber hinaus enthielt die Karte ein nicht identifiziertes Territorium. Die Bezeichnung Kamerun ließ sich keiner eindeutig eingezeichneten Fläche zuordnen.
Die Aids-Autorin Emily Bass veröffentlichte die Aufnahme der Folie zunächst auf ihrer Plattform bei Substack. Anschließend verbreitete sich das Bild in sozialen Netzwerken. Reuters sichtete später eine Videoaufzeichnung der Präsentation und bestätigte, dass die fehlerhafte Karte tatsächlich auf der Konferenz gezeigt worden war.
US-Außenministerium übernimmt Verantwortung
Das US-Außenministerium erklärte gegenüber Reuters, ein Mitglied des Teams habe die Präsentation kurz vor der Veranstaltung unter Zeitdruck überarbeitet. Die Behörde übernehme „die volle Verantwortung für die Verwirrung und die falsche Darstellung, die dadurch bei den Teilnehmern einschließlich unserer afrikanischen Partner entstanden ist“.
Ob und mit welchem Programm die Karte erstellt wurde, blieb zunächst offen. Reuters entdeckte auf der Grafik jedoch ein Wasserzeichen, das auf ein Werkzeug von OpenAI hinweisen soll. Das Unternehmen erklärte, es prüfe den Vorgang.
Matt Petit, Experte für künstliche Intelligenz und Geopolitik beim Atlantic Council, kritisierte die fehlende Kontrolle der Folie. Die Person, die sie erstellt habe, „wusste nicht, wo die afrikanischen Länder liegen“, und habe das Ergebnis nicht überprüft, schrieb er in den sozialen Medien.
Senatorin kritisiert Einsatz von KI
Auch im US-Senat löste die Präsentation Kritik aus. Jeanne Shaheen, führende demokratische Vertreterin im Ausschuss für auswärtige Beziehungen, bezeichnete den Vorfall als blamabel.

„Was für eine Peinlichkeit. Das passiert, wenn das Außenministerium erfahrene Fachleute entlässt und versucht, Diplomatie von künstlicher Intelligenz erledigen zu lassen“, schrieb Shaheen auf der Plattform X.
Ob personelle Kürzungen unmittelbar zur Entstehung der fehlerhaften Karte beitrugen, ist nicht belegt. Das Außenministerium nannte als Ursache lediglich die kurzfristige Bearbeitung der Präsentation durch ein Teammitglied.
Konferenz befasst sich mit Einschnitten bei der Aids-Hilfe
Der Vorfall ereignete sich während einer der weltweit wichtigsten Konferenzen zur Bekämpfung von HIV und Aids. Wissenschaftler, Regierungen, internationale Organisationen und Hilfswerke beraten bei der AIDS 2026 über medizinische Fortschritte und die Finanzierung von Präventions- und Behandlungsprogrammen.
Die Präsentation der US-Delegation sollte neue bilaterale Gesundheitsabkommen des Außenministeriums vorstellen. Die fehlerhafte Karte rückte jedoch stärker in den öffentlichen Fokus als die angekündigten Programme.
Die Konferenz findet vor dem Hintergrund deutlicher Kürzungen der amerikanischen Entwicklungshilfe statt. Die Regierung von Präsident Donald Trump hat Mittel für internationale HIV- und Aids-Programme reduziert. Von diesen Programmen sind zahlreiche afrikanische Staaten abhängig, in denen ein großer Teil der weltweit mit HIV lebenden Menschen versorgt wird.
Die Vereinigten Staaten gehörten über Jahrzehnte zu den wichtigsten Geldgebern im weltweiten Kampf gegen HIV und Aids. Einen zentralen Bestandteil bildet das 2003 gestartete Notfallprogramm des US-Präsidenten zur Aids-Bekämpfung, bekannt unter der englischen Abkürzung PEPFAR. Es finanziert unter anderem HIV-Tests, Medikamente, Präventionsmaßnahmen und die medizinische Versorgung von Millionen Menschen.
Die AIDS 2026 in Rio de Janeiro befasst sich deshalb auch mit den Folgen sinkender internationaler Mittel. Die falsch dargestellte Afrika-Karte wurde ausgerechnet während einer Präsentation gezeigt, in der Washington seine neue Form der gesundheitspolitischen Zusammenarbeit mit Partnerstaaten erläuterte.

