König Mohammed VI bald in Paris: Frankreich stellt sich klar hinter Marokko

Frankreich und Marokko wollen ihre Beziehungen neu ordnen: Ein Freundschaftsvertrag, ein umfassendes Sicherheitsabkommen und neue Energieprojekte sind geplant.

Frankreich und Marokko wollen ihre Beziehungen mit einem umfassenden Freundschaftsvertrag auf eine neue Stufe heben. Am Donnerstag, 16. Juli 2026, kamen die Regierungen beider Länder in Rabat erstmals seit 2019 wieder zu hochrangigen Konsultationen zusammen. Neue Vereinbarungen betreffen unter anderem Sicherheit, Energie, Verkehr, Wasser, Bildung, Kultur und Verteidigung. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu bekräftigte zugleich die Unterstützung von Paris für die marokkanische Souveränität über das umstrittene Gebiet Westsahara.

Die 15. französisch-marokkanische Regierungskonferenz wurde von Lecornu und dem marokkanischen Regierungschef Aziz Akhannouch geleitet. Zwölf französische Minister reisten nach Rabat und führten Gespräche mit ihren marokkanischen Amtskollegen.

Beide Regierungen bezeichneten das Treffen als nächste Etappe der Annäherung, die mit dem Staatsbesuch von Präsident Emmanuel Macron im Oktober 2024 begonnen hatte. Damals vereinbarten Frankreich und Marokko eine „verstärkte Ausnahmepartnerschaft“ und unterzeichneten 22 strategische Abkommen mit einem Gesamtvolumen von fast zehn Milliarden Euro.

Freundschaftsvertrag soll Partnerschaft erweitern

Lecornu kündigte an, dass der geplante Staatsbesuch von König Mohammed VI. in Frankreich in einen neuen Freundschaftsvertrag münden soll. Das Abkommen werde über die 2024 beschlossene Partnerschaft hinausgehen und die Zusammenarbeit langfristig ordnen.

Der französische Premierminister sprach von einem Vertrag „außerhalb des üblichen Rahmens“. Nach seinen Angaben wäre es der erste Vertrag dieser Art, den Frankreich mit einem Staat außerhalb der Europäischen Union schließen würde. Ein französisch-marokkanisches Expertengremium arbeitet bereits an dem Text.

„Diese Zusammenarbeit muss jetzt eine neue Größenordnung erreichen“, sagte Lecornu. Der Vertrag solle nicht nur die historischen Beziehungen würdigen, sondern auch eine gemeinsame politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Grundlage für die kommenden Jahrzehnte schaffen.

Die Wiederaufnahme der Regierungskonsultationen beendet eine längere Unterbrechung. Das letzte Treffen dieses Formats in Marokko fand 2017 statt, die bislang jüngste französisch-marokkanische Regierungskonferenz 2019.

Seit Macrons Staatsbesuch haben sich die politischen Kontakte deutlich verdichtet. Nach Angaben beider Regierungen reisten rund 20 marokkanische Minister zu Gesprächen nach Frankreich. Französische Regierungsmitglieder absolvierten 16 Besuche in Marokko. Insgesamt fanden seit Oktober 2024 mehr als 40 politische Treffen und hochrangige Besuche statt.

Neue Projekte bei Energie, Verkehr und Wasser

Die in Rabat unterzeichneten Vereinbarungen decken mehrere Bereiche der bilateralen Zusammenarbeit ab. Dazu gehören die Finanzierung des Regionalbahnnetzes im Großraum Rabat und ein französisches Darlehen zur Unterstützung der marokkanischen Wasserpolitik.

Weitere Dokumente betreffen die zivile Luftfahrt, die maritime Ausbildung, wissenschaftliche Kooperationen, den Austausch zwischen Postunternehmen sowie die Zusammenarbeit bei Infrastruktur- und Bauprojekten.

Auch im Energiesektor wollen Frankreich und Marokko gemeinsame Vorhaben beschleunigen. Während des Treffens wurde ein Interessenbekundungsverfahren für eine Stromverbindung zwischen Europa und Nordafrika eingeleitet. Beide Länder wollen ihre Unternehmen stärker in gemeinsame Wertschöpfungsketten bei Energie, Verkehr, Industrie und Hochtechnologie einbinden.

Akhannouch erklärte, die neuen Vereinbarungen sollten die 2024 begonnenen Projekte ergänzen und ihre Umsetzung beschleunigen. Gemeinsame Kommissionen, Arbeitsgruppen und Fachausschüsse sollen den Fortschritt kontrollieren und weitere Vorhaben entwickeln.

Umfassendes Sicherheitsabkommen geplant

Frankreich und Marokko wollen ihre Zusammenarbeit gegen Terrorismus, Drogenhandel, Menschenhandel, organisierte Kriminalität und irreguläre Migration vertiefen. Lecornu sprach von einer bereits engen Kooperation zwischen Polizei, Justiz und Sicherheitsdiensten beider Länder.

In den vergangenen Wochen habe die gemeinsame Arbeit zu außergewöhnlichen operativen Erfolgen gegen organisierte Kriminalität und Drogenschmuggel geführt, erklärte der französische Premierminister, ohne Einzelheiten zu nennen.

Paris und Rabat arbeiten nun an einem umfassenden Sicherheitsabkommen. Dieses soll die bisherige Zusammenarbeit bündeln und in den kommenden Monaten auf weitere Bereiche ausweiten.

Auch die Verteidigungskooperation wird ausgebaut. Beide Regierungen beschlossen Grundlagen für einen bilateralen Ausschuss zur Verteidigungsindustrie und ein technisches Abkommen über den Zugang zu militärischen Archiven.

Paris bezeichnet Sahara-Position als unveränderlich

Lecornu bekräftigte in Rabat ausdrücklich die französische Position im Westsahara-Konflikt. Frankreich stehe „loyal und treu“ an der Seite Marokkos. Die Haltung von Paris sei „unveränderlich“ und werde sich nicht mehr ändern.

Präsident Macron hatte König Mohammed VI. am 30. Juli 2024 mitgeteilt, dass Frankreich Gegenwart und Zukunft der Westsahara im Rahmen marokkanischer Souveränität sehe. Der marokkanische Autonomieplan bilde aus französischer Sicht die Grundlage für eine politische Lösung des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts.

Die französische Neupositionierung hatte die zuvor belasteten Beziehungen zwischen Paris und Rabat deutlich verbessert. Akhannouch bezeichnete sie als Grundlage für die neue politische Dynamik zwischen beiden Ländern.

Gemeinsame Interessen in Europa und Afrika

Frankreich will Marokkos Beziehungen zur Europäischen Union stärker unterstützen. Lecornu bezeichnete Frankreich als möglichen „Ankerpunkt“ für die Zusammenarbeit zwischen Rabat und Brüssel.

Beide Länder streben zudem gemeinsame Initiativen in Afrika an. Im Vordergrund stehen Sicherheit und Stabilität im Sahel, wirtschaftliche Investitionen sowie demografische und ökologische Herausforderungen.

Die Zusammenarbeit soll auch den Austausch von Studierenden, Wissenschaftlern, Unternehmern und Menschen mit französischer und marokkanischer Staatsangehörigkeit erleichtern. Marokkanische Studierende bilden bereits die größte Gruppe ausländischer Studierender in Frankreich.

Zu den neuen Vereinbarungen gehören außerdem Kooperationen beim Arabischunterricht und beim Geschichts- und Geografieunterricht an französischen Schulen in Marokko. Hinzu kommen Partnerschaften in der Kulturförderung, bei Künstlerprogrammen und bei der Unterstützung afrikanischer Autoren und Filmproduzenten.

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