Macky Sall kehrt für ein Gespräch mit Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye nach Dakar zurück. Der Besuch ist für Freitag, den 17. Juli, vorgesehen. Das Treffen fällt in eine intensive diplomatische Kampagne des früheren Staatschefs für das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen. Zuletzt führte Sall Gespräche mit Vertretern mehrerer Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und mit dem somalischen Präsidenten Hassan Sheikh Mohamud.
Sall kündigte an, Senegal unmittelbar nach dem Gespräch mit Faye wieder zu verlassen. Sein internationaler Terminkalender lasse zunächst keine Treffen mit Parteimitgliedern und politischen Unterstützern zu.
Der frühere Präsident dankte Faye für die geplante Unterredung sowie religiösen und traditionellen Autoritäten für ihre Unterstützung. Auch an die senegalesische Bevölkerung richtete er seinen Dank für die Reaktionen auf seine Kandidatur.
Treffen mit Faye gewinnt politische Bedeutung
Die Begegnung ist das erste öffentlich angekündigte Gespräch zwischen Sall und seinem Nachfolger im Zusammenhang mit der Bewerbung um das höchste Amt der Vereinten Nationen.
Sall regierte Senegal von 2012 bis 2024. Seine Kandidatur wurde nicht von Dakar, sondern vom Burundi eingebracht. Eine geschlossene Unterstützung der Afrikanischen Union kam bislang nicht zustande. Rund 20 Mitgliedstaaten sollen sich gegen einen entsprechenden Beschluss gestellt haben.
Damit blieb offen, ob die senegalesische Regierung die Bewerbung ihres früheren Präsidenten aktiv unterstützt. Das angekündigte Gespräch mit Faye deutet auf eine direkte Abstimmung zwischen beiden Politikern hin, ohne dass Dakar bislang eine förmliche Position bekannt gegeben hat.
Das Verhältnis zwischen Sall und den heutigen Machthabern ist von der politischen Auseinandersetzung der vergangenen Jahre geprägt. Faye gewann die Präsidentschaftswahl 2024 als Kandidat des damaligen Oppositionslagers, dessen führende Vertreter unter Sall mehrfach strafrechtlich verfolgt oder inhaftiert worden waren.
Diplomatische Gespräche mit drei Vetomächten
Sall konzentriert seine Kampagne zunehmend auf Staaten, die über die Auswahl des nächsten UN-Generalsekretärs entscheiden können. Innerhalb weniger Wochen traf er Vertreter Chinas, der Vereinigten Staaten und Frankreichs.
Am 29. Juni führte er in Peking Gespräche mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi. Sall erklärte anschließend, beide Seiten hätten über den Multilateralismus und die künftige Führung der Vereinten Nationen gesprochen. Er dankte Präsident Xi Jinping für die Unterstützung bei der Organisation des Besuchs.

Am 6. Juli traf der senegalesische Kandidat in New York den chinesischen UN-Botschafter Fu Cong. Am selben Tag sprach er mit dem amerikanischen UN-Botschafter Michael Waltz über seine Bewerbung und mögliche Reformen der Weltorganisation.
Auch mit dem französischen UN-Botschafter Jérôme Bonnafont beriet Sall über die Krise des Multilateralismus und die institutionelle Erneuerung der Vereinten Nationen.
Zuvor hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Sall am 2. Juni im Élysée-Palast empfangen. Paris hat sich dennoch noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt.
Frankreich will erst im Oktober entscheiden
Frankreichs Botschafterin im Senegal, Christine Fages, erklärte gegenüber der senegalesischen Zeitung L’Observateur, Paris wolle seine Entscheidung voraussichtlich im Oktober treffen.
Macron habe alle Kandidaten empfangen, die um ein Gespräch gebeten hätten. Die Treffen seien Teil der üblichen diplomatischen Konsultationen mit den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats.
Frankreich verfügt gemeinsam mit China, Russland, den Vereinigten Staaten und Großbritannien über ein Vetorecht. Bereits die Ablehnung eines dieser Staaten kann eine Kandidatur verhindern.
Die französische Zurückhaltung zeigt, dass Salls Gespräche mit Vertretern der Vetomächte bislang nicht mit einer öffentlichen Unterstützungszusage verbunden sind.
Sall sucht Unterstützung in Afrika und darüber hinaus
Neben den Vetomächten wirbt Sall bei afrikanischen, europäischen, asiatischen und arabischen Regierungen um Unterstützung.

Am 13. Juli traf er den somalischen Präsidenten Hassan Sheikh Mohamud. Sall sprach anschließend von einer Übereinstimmung bei der Stärkung des Multilateralismus und beim Schutz der Souveränität und territorialen Integrität von Staaten.
Er bekräftigte zugleich seine Unterstützung für die nationale Einheit Somalias. Das Land verteidigt seinen Anspruch auf Somaliland, das seit 1991 weitgehend unabhängig verwaltet wird, international jedoch überwiegend als Teil Somalias gilt.
Bereits am 2. Juli hatte Sall in Athen den griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis und Außenminister Giórgos Gerapetrítis getroffen. Die Gespräche behandelten die Entwicklungszusammenarbeit, internationale Krisen und die Rolle der Vereinten Nationen.
Weitere Stationen waren Manama und Islamabad. In Bahrain sprach Sall mit Außenminister Abdullatif bin Rashid Alzayani über die Reform der Vereinten Nationen, die Prävention von Konflikten und den Dialog zwischen Kulturen. In Pakistan traf er Ministerpräsident Shehbaz Sharif.
Sechs Kandidaten offiziell im Rennen
Derzeit sind sechs Kandidaturen registriert. Neben Macky Sall bewerben sich die frühere chilenische Präsidentin und ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet sowie der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, Rafael Grossi.
Hinzu kommen die Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung, Rebeca Grynspan, die frühere Präsidentin der UN-Generalversammlung María Fernanda Espinosa und die Diplomatin Carolyn Rodrigues-Birkett aus Guyana.
Mehrere Bewerberinnen stammen aus Lateinamerika und der Karibik. Die Region verweist auf das informelle Prinzip der geografischen Rotation. Zugleich fordern zahlreiche Staaten, erstmals eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen zu wählen.
Sall stellt dem seine Erfahrung als früherer Vorsitzender der Afrikanischen Union und als ehemaliger Staatschef entgegen. Seine Kampagne konzentriert sich auf eine Reform des multilateralen Systems und eine stärkere Repräsentation Afrikas in internationalen Institutionen.
Sicherheitsrat trifft die Vorentscheidung
António Guterres beendet seine zweite Amtszeit am 31. Dezember 2026. Der neue Generalsekretär soll sein Amt am 1. Januar 2027 antreten.
Nach den öffentlichen Anhörungen der Kandidaten beginnen im Sicherheitsrat informelle Beratungen. Das Gremium muss sich schließlich auf einen Namen verständigen und diesen der UN-Generalversammlung empfehlen.
Ein Kandidat benötigt mindestens neun Stimmen im 15 Mitglieder umfassenden Sicherheitsrat. Zugleich darf keiner der fünf ständigen Mitglieder sein Veto einlegen.
Die Generalversammlung ernennt anschließend den empfohlenen Kandidaten. Formal entscheiden alle 193 Mitgliedstaaten. Die politische Auswahl fällt jedoch weitgehend im Sicherheitsrat.

