Das US-Afrika-Kommando schließt eine Stationierung amerikanischer Truppen in der Demokratischen Republik Kongo sowie den Aufbau einer Militärbasis in Angola aus. Die Aussagen machte AFRICOM-Kommandeur Dagvin Anderson am 30. Juni 2026 in Luanda. Washington setzt bei der Stabilisierung der Region der Großen Seen stattdessen auf regionale Zusammenarbeit, wirtschaftliche Investitionen und Unterstützung gegen grenzüberschreitende Bedrohungen. Anlass war die Eröffnung der African Chiefs of Defense Conference mit Vertretern aus 35 Staaten.
Die dreitägige Konferenz wird gemeinsam vom US-Afrika-Kommando und den angolanischen Streitkräften ausgerichtet. Bis zum 2. Juli beraten hochrangige zivile und militärische Vertreter über regionale Sicherheitsrisiken, Desinformation, neue Technologien und den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Stabilität.
Keine US-Soldaten für die DR Kongo geplant
Anderson wies Spekulationen zurück, wonach die von US-Präsident Donald Trump vermittelten Vereinbarungen zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda eine amerikanische Militärpräsenz nach sich ziehen könnten.
„Wir planen keine amerikanischen Truppen vor Ort. Darüber wird derzeit nicht diskutiert“, sagte der General im Gespräch mit der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa.
Die sogenannten Washingtoner Vereinbarungen für Frieden und Wohlstand verbinden sicherheitspolitische Verpflichtungen mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Dazu zählen nach Darstellung von Lusa eine dauerhafte Waffenruhe zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda, die Entwaffnung bewaffneter Gruppen sowie Abkommen über Investitionen in kritische Rohstoffe.
US-Unternehmen sollen dabei bevorzugten Zugang zu bestimmten Rohstoffvorkommen erhalten. Anderson widersprach jedoch der Darstellung, Frieden und Rohstoffzugang seien unmittelbar gegeneinander ausgetauscht worden.
„Ich würde nicht sagen, dass es sich um eine direkte Gegenleistung handelt“, sagte er. Die Vereinbarungen schafften vielmehr Voraussetzungen für Investitionen und Entwicklung, von denen sowohl die beteiligten Staaten als auch investierende Unternehmen profitieren könnten.
Angola bleibt Vermittler in der Region
Anderson würdigte die Rolle des angolanischen Präsidenten João Lourenço bei den Vermittlungsbemühungen zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda. Angola hatte über längere Zeit versucht, beide Regierungen und weitere Akteure des Konflikts an einen Verhandlungstisch zu bringen.
Das US-Afrika-Kommando sehe Möglichkeiten, regionale Staaten durch Erfahrungsaustausch und sicherheitspolitische Zusammenarbeit zu unterstützen. Dazu zählte Anderson insbesondere Erkenntnisse aus der Bekämpfung terroristischer Organisationen.
Eine Entsendung amerikanischer Kampftruppen oder eine direkte Übernahme von Sicherheitsaufgaben kündigte er nicht an. Die Staaten der Region sollten enger zusammenarbeiten, während AFRICOM Ausbildung, Kontakte und fachliche Unterstützung anbieten könne.
Keine direkte Militärrolle am Lobito-Korridor
Auch beim Lobito-Korridor plant das US-Afrika-Kommando nach Angaben Andersons keine direkte Sicherheitsaufgabe. Das Eisenbahn- und Infrastrukturprojekt verbindet den angolanischen Hafen Lobito mit der Demokratischen Republik Kongo und besitzt für die Vereinigten Staaten eine hohe wirtschaftliche Bedeutung.
Die Route soll den Transport von Rohstoffen erleichtern und Investitionen entlang der Verbindung fördern. Washington betrachtet den Korridor als einen zentralen Bestandteil seiner wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Angola und der zentralafrikanischen Region.

„Investitionen tragen dazu bei, Stabilität und allgemeinen Wohlstand aufzubauen, und das führt letztlich zu mehr Sicherheit“, sagte Anderson. AFRICOM werde den Korridor jedoch nicht unmittelbar militärisch schützen.
Die Aussage ordnet die Rolle des Kommandos auf unterstützende militärische Zusammenarbeit ein, während zivile Behörden, Unternehmen und Partnerstaaten für Investitionen, Infrastruktur und den Betrieb der Route zuständig bleiben.
Anderson verneint US-Militärbasis in Angola
Der AFRICOM-Kommandeur schloss zugleich die Einrichtung einer permanenten amerikanischen Militärbasis in Angola aus. Ein zwischen beiden Ländern unterzeichnetes Abkommen über gegenseitige Beschaffung und Dienstleistungen schaffe lediglich einen rechtlichen Rahmen für zeitlich begrenzte logistische Unterstützung.
Solche Vereinbarungen ermöglichen Streitkräften unter anderem, bei gemeinsamen Aktivitäten Treibstoff, Transportleistungen oder andere logistische Güter bereitzustellen und abzurechnen. Eine dauerhafte Stationierung amerikanischer Soldaten sei damit nicht verbunden, erklärte Anderson.
Die militärischen Beziehungen zwischen Angola und den Vereinigten Staaten haben sich in den vergangenen Jahren dennoch vertieft. Am Vortag der Konferenz unterzeichneten Angola und die Nationalgarde des US-Bundesstaates Ohio eine Partnerschaft im Rahmen des amerikanischen State Partnership Program.
Das Programm verbindet Streitkräfte einzelner US-Bundesstaaten mit Partnerländern. Anderson erklärte, solche Beziehungen könnten sich über die militärische Zusammenarbeit hinaus auf Hochschulen, gesellschaftliche Institutionen und Investitionsmöglichkeiten erstrecken.
Militärchefs beraten über grenzüberschreitende Gefahren
Die Konferenz in Luanda befasst sich mit Sicherheitsbedrohungen, die sich nicht auf einzelne Staatsgebiete begrenzen lassen. Dazu gehören gewalttätige extremistische Gruppen, organisierter Drogenhandel, Desinformation und Angriffe auf internationale Verkehrs- und Kommunikationsräume.
„Viele der Bedrohungen, denen wir gegenüberstehen, respektieren keine Grenzen“, sagte Anderson. Extremistische Gruppen und Drogenkartelle arbeiteten über Staaten hinweg und hätten eigene internationale Netzwerke aufgebaut. Deshalb müssten auch Regierungen und Streitkräfte ihre Zusammenarbeit verstärken.
Arbeitsgruppen und Podiumsdiskussionen behandeln unter anderem die Sicherheit international genutzter Räume, den Umgang mit Desinformation, die Verbindung zwischen Wirtschaft und Sicherheit sowie den verantwortungsvollen Einsatz neuer Technologien. Dazu zählen auch Drohnen in modernen Militäroperationen.
Angolas Staatsminister und Leiter des Militärkabinetts des Präsidenten, João Ernesto dos Santos, bezeichnete die Konferenz als Forum für Gespräche über Sicherheit, Stabilität und Wohlstand. Frieden sei kein dauerhafter Zustand, sondern verlange Einsatz, Opferbereitschaft und Zusammenarbeit.
AFRICOM-Zentrale bleibt vorerst in Deutschland
Eine kurzfristige Verlegung des AFRICOM-Hauptquartiers von Deutschland auf den afrikanischen Kontinent erwartet Anderson nicht. Er verwies auf die hohen Kosten einer solchen Entscheidung und auf die gegenwärtige Haushaltslage der Vereinigten Staaten.
Die Entscheidung über einen möglichen neuen Standort liege letztlich bei der politischen Führung in Washington. Konkrete Planungen für einen Umzug seien derzeit nicht erkennbar.
AFRICOM koordiniert seine militärischen Beziehungen mit afrikanischen Staaten weiterhin von seinem Hauptquartier in Deutschland aus. Die Zusammenarbeit vor Ort erfolgt über Botschaften, zeitlich begrenzte Einsätze, Ausbildungsprogramme, gemeinsame Übungen und Partnerschaften mit nationalen Streitkräften.

