Deutschlands humanitäre Hilfe in der Welt sinkt um zwei Drittel

Weltweit waren 294 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Gleichzeitig sanken Deutschlands humanitäre Ausgaben von 3,28 auf 1,06 Milliarden Euro. Afrika erhielt seit 2022 rund 2,3 Milliarden Euro.

Deutschlands Ausgaben für humanitäre Hilfe im Ausland sind innerhalb von drei Jahren von 3,28 Milliarden auf 1,06 Milliarden Euro gesunken. Die Bundesregierung übermittelte die Bilanz nun als Unterrichtung an den Bundestag. Gleichzeitig stieg die Zahl der weltweit auf Unterstützung angewiesenen Menschen von 274 Millionen im Jahr 2022 auf 294 Millionen im Jahr 2025. Afrika erhielt im gesamten Berichtszeitraum rund 2,3 Milliarden Euro und damit knapp ein Viertel der deutschen Mittel.

Der Rückgang der deutschen Ausgaben setzte nach dem bisherigen Höchststand von 2022 ein. Im Jahr 2023 stellte das Auswärtige Amt noch 2,72 Milliarden Euro bereit, 2024 waren es 2,26 Milliarden Euro. Bis 2025 verringerte sich der Betrag auf 1,06 Milliarden Euro. Gegenüber 2022 entspricht dies einem Minus von knapp 68 Prozent.

Weltweiter Hilfsbedarf steigt

Die Kürzungen fallen in eine Phase wachsender humanitärer Notlagen. Kriege, Vertreibung, Hunger und klimabedingte Katastrophen haben den Bedarf in zahlreichen Regionen erhöht. Die Zahl bewaffneter Konflikte hat sich nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz innerhalb von 15 Jahren verdoppelt.

Auch die Arbeit der Hilfsorganisationen wurde gefährlicher. Zwischen 2022 und 2025 wurden weltweit 1.129 humanitäre Helferinnen und Helfer im Einsatz getötet. Zugleich erschwerten Angriffe auf die Zivilbevölkerung, Zugangsbeschränkungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht die Versorgung notleidender Menschen.

Die Finanzierungslücke wuchs auch auf internationaler Ebene. Weltweit standen 2023 rund 37,5 Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfe zur Verfügung. Zwei Jahre später waren es nach vorläufigen Berechnungen nur noch 27 Milliarden US-Dollar. Die Vereinten Nationen hatten den tatsächlichen Bedarf für 2025 auf rund 47 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Die Bundesregierung führt die Verschärfung der Finanzierungskrise auch auf die Kürzungen der Vereinigten Staaten zu Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump zurück. Deutschland gehörte zuvor über Jahre nach den USA zu den größten staatlichen Gebern.

Afrika erhält knapp ein Viertel der Mittel

Von den insgesamt rund 9,3 Milliarden Euro, die Deutschland zwischen 2022 und 2025 für humanitäre Hilfe ausgab, flossen 24,6 Prozent nach Afrika. Das entspricht rund 2,3 Milliarden Euro. Einen größeren Anteil erhielt nur der Nahe und Mittlere Osten mit 33,8 Prozent.

Europa kam auf 15,6 Prozent der Mittel. Weitere 14,6 Prozent entfielen auf globale Fonds, thematische Programme und länderübergreifende Maßnahmen. Asien erhielt 9,1 Prozent, Amerika 2,2 Prozent. Rund ein Prozent wurde in Ozeanien eingesetzt.

Unter den 20 Ländern und Gebieten mit den höchsten deutschen Ausgaben befanden sich zehn afrikanische Staaten. Dazu gehörten Äthiopien, Sudan, Südsudan, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, Ägypten, Nigeria, Niger, Mali und die Zentralafrikanische Republik.

Die höchsten Einzelbeträge flossen im Vierjahreszeitraum nach Syrien und in die Ukraine. Es folgten die palästinensischen Gebiete, Afghanistan, Libanon und Jemen. Äthiopien war das afrikanische Land mit den höchsten deutschen Ausgaben.

Sudan wird zum Schwerpunkt der deutschen Hilfe

Seit Beginn des Krieges zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces im April 2023 entwickelte sich Sudan zum größten humanitären Krisengebiet weltweit. Mehr als 20 Millionen Menschen waren nach Darstellung der Bundesregierung auf Unterstützung angewiesen.

Deutschland finanzierte Hilfsmaßnahmen innerhalb Sudans und unterstützte zugleich Nachbarstaaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Die Bundesregierung beteiligte sich außerdem als Ko-Gastgeberin an internationalen Geberkonferenzen. Im Jahr 2024 kamen dabei weltweite Zusagen von rund 2,5 Milliarden US-Dollar zusammen.

Neben der Finanzierung konzentrierte sich die deutsche Diplomatie auf den Zugang zu den betroffenen Gebieten, den Schutz der Zivilbevölkerung und die Sicherung des humanitären Handlungsspielraums. Lokale Nothilfegruppen spielten dabei eine zentrale Rolle, weil internationale Organisationen viele Regionen nur eingeschränkt erreichen konnten.

Hilfe am Horn von Afrika und in der Region der Großen Seen

In Äthiopien unterstützte Deutschland während und nach dem Krieg in Tigray die Versorgung vertriebener Menschen. Nach dem Ende der größeren Kampfhandlungen finanzierten deutsche Mittel unter anderem die Rückkehr und Grundversorgung von Hunderttausenden Binnenvertriebenen.

In Somalia richtete sich die Hilfe vor allem gegen die Folgen der schweren Dürre von 2022 und 2023. Die Bundesregierung führt die Abwendung einer prognostizierten Hungersnot auch auf die Mobilisierung weiterer Geber und die Verbindung von akuter Nothilfe mit frühzeitigen Schutzmaßnahmen zurück.

In der Demokratischen Republik Kongo finanzierte Deutschland über den gesamten Zeitraum Programme gegen die Folgen des langjährigen Konflikts im Osten des Landes. Nach dem Vorrücken der M23-Miliz und der Ausweitung der Kämpfe im Jahr 2025 unterstützte das Auswärtige Amt die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, Wasser und Hygieneartikeln.

Die Hilfen bezogen auch die Nachbarstaaten ein, die Flüchtlinge aus den Konfliktgebieten aufnahmen. Deutschland setzte sich zugleich gegenüber den beteiligten Staaten für den Schutz von Hilfsorganisationen und den Zugang zu den betroffenen Menschen ein.

Neues Finanzierungsmodell für Westafrika

In Westafrika richtete sich die deutsche Unterstützung gegen die Folgen von Terrorismus, politischer Instabilität und klimatischen Extremereignissen. Ein Schwerpunkt lag auf dem Tschadseebecken, wo Gewalt und Vertreibung mehrere Staaten gleichzeitig betreffen.

Im Rahmen der Tschadsee-Konferenz kündigte die Bundesregierung 2023 eine sogenannte Nexus Funding Facility an. Das Finanzierungsmodell soll humanitäre Hilfe enger mit Entwicklungszusammenarbeit und Stabilisierung verbinden.

Eine erste Förderrunde über rund sechs Millionen Euro wurde für Projekte in Kamerun und Tschad begonnen. Lokale und internationale Organisationen sollen dort akute Hilfe mit längerfristigen Maßnahmen zur Sicherung von Lebensgrundlagen verbinden.

Mehr Verantwortung für lokale Organisationen

Die Bundesregierung reagierte auf die sinkenden Budgets mit einer stärkeren Konzentration der Mittel. Internationale Reformprozesse sehen vor, Hilfen auf besonders schwere Krisen zu fokussieren, Entscheidungswege zu verkürzen und gemeinsame Verwaltungsleistungen zu bündeln.

Mehr Geld soll außerdem lokale Organisationen erreichen. Das Auswärtige Amt hatte sich vorgenommen, 25 Prozent seiner humanitären Mittel mit höchstens einer zwischengeschalteten Organisation an lokale Akteure weiterzugeben. Im Jahr 2024 lag dieser Anteil bei 21,9 Prozent.

Auch die Verteilung nach Partnerorganisationen veränderte sich. Internationale Organisationen erhielten 2022 noch 78 Prozent der deutschen Mittel. Bis 2025 sank ihr Anteil auf 51 Prozent. Der Anteil der Nichtregierungsorganisationen stieg im selben Zeitraum von 13 auf 39 Prozent. Weitere zehn Prozent gingen 2025 an die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung.

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