Nigerianische Truppen haben nach Militärangaben 360 entführte Menschen aus einem Stützpunkt der Dschihadistengruppe JAS in den Mandara-Bergen im Süden des Bundesstaates Borno befreit. Die Operation wurde von der Joint Task Force North East unter Operation HADIN KAI durchgeführt. Sie richtete sich gegen eine befestigte Enklave von Jama’atu Ahlis Sunna Lidda’awati wal-Jihad, einer Fraktion des Boko-Haram-Umfelds. Unter den Befreiten befanden sich Männer, Frauen und Kinder, die aus mehreren Gemeinden verschleppt worden waren, besonders aus dem Gebiet um Ngoshe.
Spezialkräfte greifen nach wochenlanger Aufklärung an
Der Einsatz wurde nach Angaben des Hauptquartiers von Operation HADIN KAI über mehrere Wochen vorbereitet. Der amtierende Medienoffizier der Truppe, Oberstleutnant Haruna M. Sani, erklärte, die Operation habe auf Informationen aus mehreren Quellen beruht. Diese hätten den Aufenthaltsort der Geiseln und das Unterstützungsnetzwerk der Aufständischen in dem Gebiet bestätigt.
Die Einsatzkräfte kombinierten menschliche Quellen, technische Aufklärung, Drohnenüberwachung und weiträumige Erkundungspatrouillen. Dadurch konnten sie nach Militärangaben das Gelände, Bewegungsmuster, Verteidigungsstellungen und mögliche Fluchtwege der Kämpfer erfassen.
Ein entscheidender Punkt sei die Infiltration des Netzwerks durch nachrichtendienstliche Quellen gewesen. Diese hätten Angaben zu den Standorten der Entführten, zu Kommandeuren der Aufständischen, internen Sicherheitsmaßnahmen und geplanten Verlegungsrouten geliefert. Parallel hätten Informations- und psychologische Operationen Misstrauen innerhalb der Gruppe verstärkt und deren Kommunikation beeinträchtigt.
Angriff in den Mandara-Bergen
Spezialkräfte und Einheiten des Sektors 1 starteten anschließend einen koordinierten Einsatz aus mehreren Richtungen. Ziel war es, das Gebiet zu isolieren, wichtige Geländepunkte zu kontrollieren und Verstärkung oder Rückzug der Kämpfer zu verhindern.
Nach Angaben des Militärs drangen die Angriffskräfte unter dem Schutz der Dunkelheit in das Zielgebiet ein. Sperrkräfte bezogen Positionen entlang möglicher Fluchtwege. Die Truppen hätten die Aufständischen überrascht, bevor diese eine geordnete Gegenreaktion aufbauen konnten.
Mehrere Kämpfer sollen ihre Stellungen verlassen und in das bergige Gelände geflohen sein. Andere hätten sich ergeben. Die befreiten Geiseln wurden gesichert, medizinisch untersucht und aus dem Einsatzgebiet gebracht.
Unterschiedliche Angaben zu gestorbenen Kindern

Das Militär erklärte, zwei Säuglinge seien an Erschöpfung gestorben. Als Grund nannte die Armee die schwierigen Bedingungen im bergigen Gelände und die Belastungen der langen Gefangenschaft.
Die Borno South Youth Alliance erklärte gegenüber Channels Television, alle Entführten aus Ngoshe seien am Samstagabend freigekommen. Der Präsident der Gruppe, Samaila Ibrahim-Kaigama, sprach von vier in Gefangenschaft geborenen Babys, die an Infektionen gestorben seien. Ihre Mütter würden in einer staatlichen Einrichtung behandelt.
Die Organisation begrüßte die Freilassung und bezeichnete sie als Ergebnis anhaltender Vermittlungen, Gespräche und öffentlicher Appelle. Zugleich forderte sie die Bundesregierung, die Regierung des Bundesstaates Borno und die zuständigen lokalen Behörden auf, die befreiten Menschen sorgfältig zu überprüfen.
Zulum lobt Militär und erinnert an Ngoshe
Bornos Gouverneur Babagana Zulum lobte die beteiligten Soldaten und die Führung von Operation HADIN KAI. In einer Erklärung seines Medienberaters Dauda Iliya bezeichnete er den Einsatz als Ausdruck von Mut, Professionalität und wachsender Wirksamkeit nachrichtendienstlich geführter Militäroperationen im Nordosten Nigerias.
Zulum hatte Ngoshe am 6. März 2026 besucht. Zwei Wochen später verbrachte er die Nacht bei Betroffenen in Pulka im Verwaltungsgebiet Gwoza. Dort hatte er zugesichert, dass die Bundesregierung und die Regierung des Bundesstaates Borno an der Freilassung der noch festgehaltenen Menschen arbeiteten.
Der Gouverneur hatte außerdem Ngoshe besucht und eine sofortige Bewertung sowie den Wiederaufbau zerstörter Häuser angeordnet. Ziel war es, Bewohnern, die in Pulka Zuflucht gesucht hatten, eine Rückkehr in ihre Herkunftsorte zu ermöglichen.
OPERATION HADIN KAI EXECUTES UNPRECEDENTED INTELLIGENCE-LED RESCUE OPERATION, FREES 360 ABDUCTEES FROM JAS STRONGHOLD IN THE MANDARA MOUNTAINS
— Nigerian Army (@HQNigerianArmy) June 7, 2026
In one of the most significant hostage rescue operations conducted in the North East Theatre in recent times, troops of the Joint Task… pic.twitter.com/czITHDCMEg
„Die Rettung von 360 Entführten aus der Boko-Haram-Hochburg ist ein bedeutender Erfolg“, erklärte Zulum. Der Einsatz zeige die Wirksamkeit behördenübergreifender Zusammenarbeit und den Willen der Sicherheitskräfte, Bürger nicht in den Händen von Aufständischen und Terroristen zurückzulassen.
Weitere Operationen laufen
Das militärische Oberkommando würdigte die Disziplin und Professionalität der beteiligten Einheiten. Die Rettung zeige die Wirkung nachrichtendienstlich geführter Operationen und die wachsende Abstimmung zwischen Sicherheitsakteuren.
Nach Angaben der Militärführung laufen Folgeoperationen zur Auswertung, Räumung und Verfolgung verbliebener Kämpfer. Dabei sollen Reststrukturen der Gruppe ausgeschaltet, Unterstützungsnetzwerke zerschlagen und weitere Entführungen verhindert werden.
Zulum forderte die Bewohner Bornos auf, wachsam zu bleiben und Sicherheitsbehörden weiterhin Hinweise zu geben. An die Menschen in Mussa im Verwaltungsgebiet Askira Uba richtete er die Zusicherung, die Regierung arbeite weiter an der Freilassung verschleppter Schulkinder.

