Deutschland unterstützt einen internationalen Fonds für Frauenorganisationen und Gleichstellungsinitiativen in Afrika, Asien und Lateinamerika mit 18 Millionen Euro. Die Zusage erfolgt bei der Global Partnerships Conference in London. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan verbindet die Förderung mit einer Neuaufstellung der internationalen Zusammenarbeit. Berlin setzt dabei auf neue Allianzen mit Staaten des Globalen Südens, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Berlin setzt auf neue Allianzen mit dem Globalen Süden
Alabali Radovan warb in London für eine Entwicklungspolitik, die stärker strategische Interessen, wirtschaftliche Zusammenarbeit und partnerschaftliche Strukturen verbindet. Die Ministerin stellte die deutsche Linie in den Zusammenhang internationaler Reformdebatten über Vereinte Nationen, Weltbank und neue Finanzierungsmodelle.
„Kein Land kann die großen Herausforderungen unserer Zeit allein bewältigen. Frieden, Wohlstand und Klimaschutz brauchen verlässliche internationale Partnerschaften“, erklärte Alabali Radovan. Mit Ländern des Globalen Südens wolle Deutschland „neue strategische Allianzen aufbauen – partnerschaftlich, wirtschaftlich und im gemeinsamen Interesse“.

Die Ministerin verknüpfte diese Ausrichtung ausdrücklich mit deutschen Interessen. Wer in starke Partnerschaften investiere, investiere „auch immer in die politische, wirtschaftliche und geostrategische Stärke und Sicherheit Deutschlands“.
Equality Fund bündelt öffentliche Mittel und Privatkapital
Der Equality Fund kombiniert Privatkapital, staatliche Förderung und Erlöse aus Unternehmensbeteiligungen. Mit den Mitteln sollen zivilgesellschaftliche Organisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt werden. Ein Schwerpunkt liegt auf Frauenorganisationen und Gleichberechtigungsinitiativen.
Die deutsche Zusage von 18 Millionen Euro fällt in eine Phase, in der Gleichstellungsprogramme international unter Druck geraten. Das Bundesentwicklungsministerium stellt die Förderung auch als Gegenposition zur veränderten Förderpolitik der US-Regierung dar. Washington streicht demnach Organisationen und Ländern, die Gleichstellung fördern, Mittel oder erschwert ihnen den Zugang zu Finanzierung.
Für Berlin verbindet der Fonds klassische Entwicklungsfinanzierung mit privatem Kapital. Damit folgt die Bundesregierung einer breiteren Verschiebung in der internationalen Entwicklungspolitik: Öffentliche Mittel sollen stärker private Investitionen mobilisieren und langfristigere Finanzierungsstrukturen ermöglichen.
London-Konferenz bringt Staaten, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen
Die Global Partnerships Conference findet am 19. und 20. Mai in London statt. Großbritannien richtet das Treffen gemeinsam mit Südafrika, der Children’s Investment Fund Foundation und British International Investment aus. Unter den rund 500 Teilnehmenden sind Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Etwa die Hälfte stammt aus dem Globalen Süden.
Die britische Regierung beschreibt die Konferenz als Versuch, internationale Entwicklungspolitik stärker auf Investitionen, Technologie und lokale Führung auszurichten. London spricht dabei von einem Übergang von klassischer Hilfe zu Partnerschaften, die wirtschaftliches Wachstum, Eigenständigkeit und widerstandsfähige Institutionen fördern sollen.
Die britische Entwicklungsministerin Jenny Chapman erklärte im Vorfeld, viele Entwicklungsländer wollten mehr Kontrolle über eigene Prioritäten, mehr Investitionen und stärkere eigene Gesundheits- und Bildungssysteme. Der neue Ansatz solle Mittel wirksamer einsetzen, da Entwicklungsbudgets in mehreren Geberstaaten unter Druck stehen.
Hormus-Krise verschärft Debatte über Versorgungssicherheit
Die Konferenz steht auch im Zeichen internationaler Krisen, die Lieferketten, Energiepreise und Ernährungssicherheit belasten. Die britische Außenministerin Yvette Cooper verwies in London auf die Krise in der Straße von Hormus. Dort seien nach ihrer Darstellung Transporte von Energie, Düngemitteln und Gütern massiv eingeschränkt.

Cooper nannte besonders die Folgen für Länder des Globalen Südens. Düngemittel für Afrika seien betroffen, zugleich wachse der Druck auf Pflanzsaisons, Ernteerträge und Nahrungsmittelpreise. Das Welternährungsprogramm warne vor dem Risiko, dass in diesem Jahr 45 Millionen Menschen im Globalen Süden in akuten Hunger gedrängt werden könnten.
Die britische Regierung will Entwicklungsfinanzierung, Diplomatie und Investitionen enger verbinden. Cooper kündigte zusätzliche Investitionen von British International Investment für Klimavorhaben in Schwellenländern an. Die Mittel sollen den Übergang zu sauberer Energie und mehr Energiesicherheit unterstützen.
Hamburg-Konferenz wird nächster Reformtermin
Alabali Radovan will die Ergebnisse aus London, der OECD-Konferenz zur Zukunft der Entwicklungspolitik in Paris und den UN80-Diskussionen zur Reform der Vereinten Nationen in die Hamburg Sustainability Conference einbringen. Die Konferenz findet am 29. und 30. Juni statt und wird vom Bundesentwicklungsministerium mitinitiiert.
Damit rückt Deutschland seine Entwicklungspolitik in eine Abfolge internationaler Reformformate. Im Zentrum stehen neue Finanzierungswege, stärkere Beteiligung privater Akteure und Partnerschaften mit Staaten des Globalen Südens. Die Londoner Konferenz liefert dafür einen weiteren politischen Rahmen.

