Bewaffnete Drohnen sind im Sudan-Krieg nach Einschätzung des UN-Menschenrechtsbüros zur wichtigsten Ursache ziviler Todesfälle geworden. Am 11. Mai veröffentlichte das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte die Warnung in Genf. Zwischen Januar und April gingen mindestens 880 zivile Todesfälle auf Drohnenangriffe zurück, mehr als 80 Prozent aller konfliktbedingten zivilen Todesfälle in diesem Zeitraum. UN-Menschenrechtschef Volker Türk warnte vor einer weiteren Ausweitung der Gewalt, während der Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces in sein viertes Jahr gegangen ist.
Kordofan besonders stark betroffen
Die meisten durch Drohnenangriffe verursachten zivilen Todesfälle wurden im ersten Quartal in der Region Kordofan registriert. Am 8. Mai wurden bei Angriffen auf Al Quz in Südkordofan und nahe El Obeid in Nordkordofan nach UN-Angaben 26 Zivilisten getötet, weitere Menschen wurden verletzt.
Türk verurteilte den zunehmenden Einsatz bewaffneter unbemannter Fluggeräte im Sudan. „Bewaffnete Drohnen sind inzwischen bei Weitem zur führenden Ursache ziviler Todesfälle geworden“, sagte der UN-Menschenrechtschef.
Der Krieg wird von den Sudanese Armed Forces, der regulären Armee des Landes, und den paramilitärischen Rapid Support Forces geführt. Beide Seiten setzen Drohnen ein. Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros breitet sich diese Kriegsführung über Kordofan und Darfur hinaus auf Blue Nile, White Nile und Khartum aus.
Märkte, Kliniken und Versorgungswege unter Beschuss
Die Kriegsparteien haben wiederholt zivile Einrichtungen und Infrastruktur getroffen. Märkte wurden mindestens 28 Mal angegriffen, jeweils mit zivilen Opfern. Gesundheitseinrichtungen wurden in den ersten vier Monaten des Jahres mindestens zwölf Mal getroffen.

Einige Kliniken mussten schließen. Zivilisten müssen dadurch lange Wege zur Behandlung zurücklegen oder bleiben ohne medizinische Versorgung. Auch Treibstofflager und Versorgungsrouten wurden in den vergangenen Wochen wiederholt angegriffen.
Am 4. Mai führte ein Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen von Khartum zur Unterbrechung aller Flüge. Zwischen dem 28. April und dem 5. Mai gab es mehrere gezielte Drohnenangriffe in Khartum und der Nachbarstadt Omdurman.
„Die Intensität dieser Angriffe hat die relative Ruhe der vergangenen Monate erschüttert“, sagte Türk. In dieser Zeit seien wieder mehr Zivilisten in die Hauptstadt zurückgekehrt. Die Angriffe hätten Ängste vor einer Rückkehr der Kämpfe nach Khartum ausgelöst.
UN warnt vor neuer Eskalation
Türk warnte, der Konflikt könne in eine weitere, noch tödlichere Phase eintreten. Die zunehmende Abhängigkeit von Drohnen ermögliche es den Konfliktparteien, die Kämpfe auch in der bevorstehenden Regenzeit fortzusetzen. In früheren Jahren hatte diese Phase Bodenoperationen häufig verlangsamt.
Eine Ausweitung der Kämpfe könnte nach Einschätzung des UN-Menschenrechtsbüros weitere Vertreibungen auslösen und die Versorgung mit humanitärer Hilfe behindern. Besonders gefährdet seien Städte wie El Obeid und Dilling in Südkordofan, die unter belagerungsähnlichen Bedingungen stehen.
„Die internationale Gemeinschaft ist gewarnt“, sagte Türk. Ohne rasches Handeln stehe der Konflikt an der Schwelle zu einer neuen, noch tödlicheren Phase.
Hungerkrise verschärft Lage der Bevölkerung
Die Gewalt trifft Regionen, in denen sich die humanitäre Lage bereits verschlechtert hat. Große Teile des Landes, darunter Kordofan, sind nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros von einem erhöhten Risiko für Hungersnot und akute Ernährungsunsicherheit betroffen.

Türk verwies auf erwartete Verzögerungen oder Engpässe bei Düngemitteln infolge der Golfkrise. Die wiederholten Angriffe auf Kliniken verschärfen zusätzlich die Lage von Menschen, die aus umkämpften Gebieten fliehen mussten.
Der UN-Menschenrechtschef forderte robuste Maßnahmen, um Waffenlieferungen an die Kriegsparteien zu verhindern. Dies gelte auch für zunehmend fortgeschrittene bewaffnete Drohnen. Drohnenangriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen würden weiter zunehmen, wenn sie straflos blieben und als Mittel der Kriegsführung normalisiert würden.
Türk rief alle Konfliktparteien erneut auf, Zivilisten zu schützen und sichere Fluchtwege aus aktiven Kampfzonen zu ermöglichen. Zivilisten müssten auch vor Vergeltung, außergerichtlichen Hinrichtungen, sexueller Gewalt, willkürlicher Inhaftierung und Entführungen geschützt werden.

