Deutschland ist 2025 zum viertgrößten Militärfinanzierer der Welt aufgestiegen und liegt nur noch hinter den USA, China und Russland. Die neuen SIPRI-Daten wurden am Montag, 27. April 2026, veröffentlicht. Mit 114 Milliarden US-Dollar lagen die deutschen Militärausgaben fast doppelt so hoch wie die gesamten Ausgaben Afrikas mit 58,2 Milliarden US-Dollar. Weltweit stiegen die Militärausgaben auf 2,887 Billionen US-Dollar, den höchsten von SIPRI erfassten Wert.
Deutschland rückt in die Spitzengruppe auf
Deutschland erhöhte seine Militärausgaben 2025 um 24 Prozent auf 114 Milliarden US-Dollar. Damit überholte die Bundesrepublik Großbritannien und rückte auf Platz vier der weltweiten Rangliste. Der Anteil der deutschen Militärausgaben am Bruttoinlandsprodukt lag bei 2,3 Prozent und damit erstmals seit 1990 wieder über der Marke von zwei Prozent.
SIPRI ordnet Deutschland damit in eine kleine Gruppe von Staaten ein, die den größten Teil der weltweiten Militärausgaben tragen. Die fünf größten Militärfinanzierer – USA, China, Russland, Deutschland und Indien – kamen 2025 zusammen auf 1,686 Billionen US-Dollar. Das entsprach 58 Prozent der weltweiten Ausgaben.

Die Bundesregierung finanziert den höheren Verteidigungsaufwand auch über Änderungen an den deutschen Haushaltsregeln. Militärausgaben oberhalb von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden demnach von der Schuldenbremse ausgenommen. Deutschland hat zugesagt, bis 2029 eine Quote von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen.
Afrikas Ausgaben steigen, bleiben aber weit unter Europas Niveau
Afrika gab 2025 insgesamt 58,2 Milliarden US-Dollar für Militär aus. Das waren 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr und 45 Prozent mehr als 2016. Dennoch entfielen nur zwei Prozent der weltweiten Militärausgaben auf den Kontinent. Europa kam auf 864 Milliarden US-Dollar und damit auf 30 Prozent der globalen Ausgaben.
In Nordafrika stiegen die Ausgaben auf 35 Milliarden US-Dollar. Algerien blieb mit 25,4 Milliarden US-Dollar der größte Militärfinanzierer Afrikas. Das Land erhöhte seine Ausgaben um elf Prozent und wendete 8,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für das Militär auf. Nur die Ukraine lag weltweit höher. Marokko folgte mit 6,3 Milliarden US-Dollar und einem Plus von 6,6 Prozent.
SIPRI verweist bei Algerien und Marokko auf die anhaltenden Spannungen zwischen beiden Staaten, insbesondere um die Westsahara. Nordafrika trug damit deutlich mehr zu den afrikanischen Militärausgaben bei als Subsahara-Afrika.
Nigeria, Kongo und Somalia spiegeln Sicherheitskrisen
Subsahara-Afrika kam 2025 auf 23,3 Milliarden US-Dollar. Das waren 7,4 Prozent mehr als 2024. Nigeria erhöhte seine Militärausgaben um 55 Prozent auf 2,1 Milliarden US-Dollar. SIPRI verbindet diesen Anstieg mit der verschlechterten Sicherheitslage durch Aufstände und extremistische Gewalt.
Südafrika blieb mit 3,2 Milliarden US-Dollar der größte Militärfinanzierer südlich der Sahara. Die Ausgaben sanken jedoch um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lagen 19 Prozent unter dem Niveau von 2016.
In der Demokratischen Republik Kongo stiegen die Militärausgaben um 20 Prozent auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Hintergrund war die Eskalation des Konflikts mit einer von Ruanda unterstützten nichtstaatlichen bewaffneten Gruppe in der ersten Jahreshälfte 2025. Somalia gab 199 Millionen US-Dollar aus. Das war weniger als im Vorjahr, aber 173 Prozent mehr als 2016.
USA bleiben mit Abstand an der Spitze
Die USA blieben 2025 der größte Militärfinanzierer der Welt. Mit 954 Milliarden US-Dollar entfiel ein Drittel der weltweiten Militärausgaben auf Washington. Gegenüber 2024 sanken die US-Ausgaben um 7,5 Prozent. SIPRI erklärt den Rückgang vor allem damit, dass 2025 keine neuen Mittel für militärische Finanzhilfen an die Ukraine beschlossen wurden.
Gleichzeitig investierten die USA weiter in nukleare Modernisierung und konventionelle Hochtechnologie. Dazu gehörten Programme für nuklear bewaffnete Columbia-U-Boote und konventionell bewaffnete Virginia-U-Boote. SIPRI verknüpft diese Ausrichtung mit dem Ziel, militärische Dominanz in der westlichen Hemisphäre zu halten und China im Indopazifik abzuschrecken.
Der Abstand zwischen den USA und China schrumpfte dennoch. Washington gab 2025 noch 2,8 Mal so viel für das Militär aus wie Peking. Im Jahr zuvor lag das Verhältnis bei 3,2 zu eins.
China erhöht seit 31 Jahren seine Militärausgaben
China blieb mit geschätzten 336 Milliarden US-Dollar der zweitgrößte Militärfinanzierer der Welt. Die Ausgaben stiegen 2025 um 7,4 Prozent. SIPRI registriert damit das 31. Jahr in Folge mit steigenden chinesischen Militärausgaben, die längste solche Serie in der Datenbank des Instituts.

Der Anteil Chinas am Bruttoinlandsprodukt lag bei geschätzten 1,7 Prozent. Der Anteil an den weltweiten Militärausgaben betrug zwölf Prozent. China verfolgt eine Modernisierung der Volksbefreiungsarmee über alle militärischen Bereiche hinweg. Dazu gehörten 2025 Tests neuer Kampfflugzeuge und Fortschritte beim strategischen Bomber H-20.
Die chinesische Rolle reicht damit über Ostasien hinaus. Höhere Ausgaben Pekings beeinflussen auch die Militärplanung der USA und ihrer Partner. SIPRI verweist außerdem auf steigende Ausgaben in Asien und Ozeanien, unter anderem in Japan, Taiwan und Australien.
Russland trägt hohe Kriegskosten
Russland erhöhte seine Militärausgaben 2025 um 5,9 Prozent auf geschätzte 190 Milliarden US-Dollar. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt lag bei 7,5 Prozent. Der Anteil am Staatshaushalt erreichte 20 Prozent und damit den höchsten von SIPRI für Russland erfassten Wert.
Moskau blieb damit drittgrößter Militärfinanzierer der Welt. Der Anstieg war der schwächste seit Beginn der umfassenden russischen Invasion in der Ukraine 2022. SIPRI beschreibt zugleich eine sinkende Haushaltstransparenz. Ein wachsender Teil des russischen Verteidigungshaushalts wurde als klassifiziert ausgewiesen.
Russland beschafft nach SIPRI-Angaben verstärkt größere Mengen günstigerer Waffensysteme. Der Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge nahm zu. Zugleich erschweren westliche Sanktionen den Zugang zu Technologiekomponenten und verändern Lieferketten der russischen Rüstungsindustrie.
Linke kritisiert deutsche Aufrüstung
In Deutschland lösten die SIPRI-Zahlen politische Kritik aus. Sören Pellmann, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Bundestag, sprach von einer bereits laufenden Aufrüstungsspirale. „Deutschland gab 2025 rund 114 Milliarden Euro für die Aufrüstung aus. Nach den USA, China und Russland belegen wir Platz 4 laut aktuellem SIPRI-Bericht“, erklärte Pellmann.

Pellmann verband die höheren Militärausgaben mit Kritik an der Haushaltspolitik der Bundesregierung. Er warf dem Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz vor, soziale Leistungen zu kürzen, während hohe Beträge in Rüstungsverträge flössen. Zudem kritisierte er die Vergabepraxis bei der Bundeswehr und verwies auf mehr als 47.000 Rüstungsverträge in vier Jahren mit einem Volumen von rund 111 Milliarden Euro.
Militärische Gewichte verschieben sich global
Die SIPRI-Daten zeigen eine doppelte Verschiebung. Deutschland rückt in die Spitzengruppe der weltweiten Militärfinanzierer auf, während Afrikas Ausgaben trotz deutlicher Zuwächse in einer anderen Größenordnung bleiben. Zugleich bestimmen die USA, China und Russland weiter die globale Militärstruktur. Zusammen kamen die drei Staaten 2025 auf 1,48 Billionen US-Dollar und damit auf 51 Prozent der weltweiten Militärausgaben.

