Kreditkosten für afrikanische Staaten um 91 Prozent gestiegen

Afrikanische Staaten zahlen immer mehr für Kredite, während globale Krisen den Finanzdruck weiter erhöhen: Bei der Frühjahrstagung von Weltbank und IWF in Washington wird die Frage dringlicher, wie Entwicklung noch finanziert werden soll.

Bei der Frühjahrstagung von Weltbank und IWF in Washington rückt die Finanzierungskrise vieler afrikanischer Staaten in den Mittelpunkt. Seit 2020 sind die Kreditkosten für afrikanische Länder laut einer neuen Analyse von ONE und der Rockefeller Foundation um 91 Prozent gestiegen. Die Daten wurden am Dienstag, 14. April 2026, zum Auftakt der Tagung veröffentlicht. Damit verschärft sich der Druck auf Staaten, die gleichzeitig mit hohen Zinsen, globalen Krisen und wachsendem Finanzierungsbedarf kämpfen.

Vor allem Länder wie Kenia und Ghana geraten dabei zwischen die Fronten. Sie haben keinen umfassenden Schutz vor globalen Zinsschocks, können die Folgen aber auch nicht aus eigener Kraft abfedern. Kredite multilateraler Entwicklungsbanken wie der Weltbank bleiben zwar deutlich günstiger als Geld vom Kapitalmarkt, stehen nach Angaben der Analyse aber bislang nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung.

Bei der Weltbank stiegen die Finanzierungskosten für die kreditwürdigsten afrikanischen Länder zwischen 2020 und 2024 von 1,4 auf 5,2 Prozent. Auch chinesische Kredite verteuerten sich spürbar. Der durchschnittliche Zinssatz für afrikanische Länder lag 2020 noch bei 2,5 Prozent und erreichte 2024 bereits 5,7 Prozent.

William Asiko, Senior Vice President und Leiter des Afrika-Regionalbüros der Rockefeller Foundation, sagte, viele Staaten verlören nicht nur den Zugang zu Kapital, sondern auch die Möglichkeit, in ihre Zukunft zu investieren. In einer Phase wachsender Konflikte und steigender Preise für Lebensmittel und Energie würden viele Länder von genau der Finanzierung abgeschnitten, die sie zum Schutz von Bevölkerung und Wirtschaft benötigten.

Weltbank warnt vor Folgen neuer Krisen

Auch die Bundesregierung verweist bei der Tagung auf die wirtschaftlichen Folgen neuer geopolitischer Erschütterungen. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan ist zur Frühjahrstagung nach Washington gereist und will dort bis Donnerstag mit internationalen Partnern über die Konflikte im Nahen Osten, den Krieg am Persischen Golf sowie deren Auswirkungen auf Entwicklungsländer beraten.

Das BMZ verweist dabei auf Prognosen der Weltbank, wonach ein schwächeres Wachstum sowie steigende Preise für Erdöl und Düngemittel die Lage weiter verschärfen könnten. Höhere Lebensmittelpreise, wachsende Ernährungsunsicherheit und Arbeitsplatzverluste träfen vor allem besonders verwundbare Länder. Alabali Radovan kündigte an, im Kreis der Gouverneurinnen und Gouverneure auch darüber zu beraten, wie die Weltbank Menschen in besonders betroffenen Staaten gezielt unterstützen kann.

Die Ministerin sagte, die Weltwirtschaft wanke und besonders der Globale Süden leide unter den dramatischen Auswirkungen der aktuellen Konflikte. Millionen Menschen kämpften in Ländern wie Sudan oder Somalia ums Überleben, während Grundnahrungsmittel und Dünger für viele unerschwinglich würden.

Afrikanische Staaten werben in Washington um Spielraum und Investitionen

Mehrere afrikanische Regierungen nutzen die Frühjahrstagung, um ihre wirtschaftlichen Prioritäten in Washington zu platzieren. Somalia sprach bei einem Treffen mit Weltbank-Vizepräsident Ndiame Diop über die Folgen globaler Krisen, sicherheitspolitische Belastungen und den Einfluss des Klimawandels auf die eigene Wirtschaft. Finanzminister Bihi Iman Egeh warb zugleich für weitere Unterstützung bei Finanzreformen, höheren Staatseinnahmen und widerstandsfähigeren Institutionen.

Nigeria stellt bei den Gesprächen nach Regierungsangaben die Folgen wirtschaftlicher Schocks in den Vordergrund. Die Regierung verbindet ihr Reformprogramm mit dem Ziel, makroökonomische Stabilität herzustellen und Investitionen anzuziehen.

Ghana präsentiert in Washington seine wirtschaftliche Erholung als Beispiel für eine Stabilisierung nach schweren Krisenjahren. Finanzminister Cassiel Ato Forson verwies auf ein Wachstum von 6 Prozent im Jahr 2025, sinkende Inflation und einen deutlichen Rückgang der Schuldenquote. Gerade Ghana zählt zugleich zu den Ländern, die nach der Analyse von ONE und Rockefeller besonders stark unter den gestiegenen Kreditkosten leiden.

Auch Sambia rückt bei der Tagung den Übergang von Stabilisierung zu Wachstum in den Mittelpunkt. Finanzminister Situmbeko Musokotwane wirbt in Washington für Investitionen in Bergbau, Infrastruktur, Energie und Wassersysteme. Die Regierung will nach Jahren von Umschuldung und Haushaltskonsolidierung wieder stärker als Investitionsstandort wahrgenommen werden.

Streit um bezahlbare Entwicklungskredite

ONE fordert von Entwicklungsbanken, Kredite stärker an den Bedürfnissen der betroffenen Länder auszurichten. Europa-Direktor Stephan Exo-Kreischer sagte, kein Land solle sich zwischen Zinszahlungen und der Rettung von Menschenleben entscheiden müssen. Nötig seien bezahlbare Kredite, schnellere Umschuldungen und mehr finanzieller Spielraum für Länder in der Schuldenfalle.

Aus deutscher Sicht spielt dabei auch die Weltbanktochter IDA eine zentrale Rolle. Sie gilt als eine der wichtigsten Finanzierungsquellen für ärmere Staaten. Parallel setzt Berlin bei der Frühjahrstagung eigene Schwerpunkte bei Wasser, Mütter- und Kindergesundheit sowie Regenwaldschutz. Für einen Weltbank-Fonds zur Förderung der Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen stellt das BMZ 45 Millionen Euro bereit. Für die brasilianisch angestoßene Waldschutz-Initiative Tropical Forest Forever Facility hat Deutschland über zehn Jahre eine Milliarde Euro zugesagt.

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