Nach dem tödlichen Angriff auf zwei Goldminenstandorte im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat die Regierung in Kinshasa die Tat scharf verurteilt und den Kampf gegen bewaffnete Gruppen bekräftigt. In der Nacht vom 11. auf den 12. März wurden die Standorte Muchacha und Mavuvu im Gebiet Mambasa in der Provinz Ituri angegriffen. Am 15. März erklärte die kongolesische Regierung, die Attacke habe mehrere Todesopfer gefordert, Anlagen zerstört und Zivilisten in die Flucht getrieben. Der Islamische Staat reklamierte den Angriff für sich.
Im Zentrum der neuen Entwicklung steht damit nicht nur die Gewalt gegen die Minenstandorte selbst, sondern auch die Zuordnung der Täter. Sicherheits- und traditionelle Quellen aus Bapere in Nord-Kivu führen die Attacke auf Kämpfer der Allied Democratic Forces, kurz ADF, zurück, die dem Islamischen Staat zugerechnet werden. Kinshasa verweist zugleich auf laufende Militäroperationen gegen diese Gruppe in Ituri.
Angriff traf Minenstandorte in Muchacha und Mavuvu
Betroffen waren zwei Standorte des Goldabbaus im Gebiet Mambasa. Dort werden Minen nach den vorliegenden Angaben von dem chinesischen Unternehmen Kimia Mining betrieben. Bilder, die vom Islamischen Staat verbreitet wurden, sollen brennende Fahrzeuge, darunter Lastwagen und Traktoren, sowie zerstörte Lager zeigen.

Die Regierung spricht von mehreren Toten, zerstörten Einrichtungen und Vertriebenen. Lokale Quellen aus Bapere berichten darüber hinaus von mehr als einem Dutzend Getöteten, von rund hundert entführten Zivilisten und von einem Hinterhalt gegen eine Einheit der kongolesischen Armee. Diese weitergehenden Angaben sind besonders schwerwiegend, wurden aber nicht unabhängig bestätigt.
Spur führt laut lokalen Quellen in das Gebiet Bapere
Nach Darstellung von Sicherheits- und traditionellen Autoritäten aus dem Sektor Bapere kamen die Angreifer aus den Gruppierungen Batike und Bapaitumba im Territorium Lubero in der Provinz Nord-Kivu. Dort sollen sich ADF-Kämpfer seit mehr als einem Jahr festgesetzt haben.
Ein Verwaltungsvertreter aus Bapere schilderte, ein größerer Teil der Kämpfer habe in den vergangenen Tagen die Richtung Matombi eingeschlagen. Viele hätten vermutet, ihr Ziel sei Ilota. Tatsächlich seien sie dem Fluss Lenda gefolgt, hätten die Grenze zwischen Nord-Kivu und Ituri überquert und schließlich Muchacha angegriffen.
Militäroffensive könnte Bewegung der ADF ausgelöst haben
Die Berichte aus Bapere stellen den Angriff in einen direkten Zusammenhang mit jüngsten Militäroperationen. Anfang März hatte der stellvertretende Chef der kongolesischen Armee, General Jacques Ychaligonza, bei einem Besuch in Manguredjipa eine intensivere Verfolgung der ADF angekündigt.

Seit dem 5. März wurden daraufhin kongolesische und ugandische Soldaten sowie Wazalendo-Späher in den betroffenen Zonen eingesetzt. Ein traditioneller Führer aus Bandulu sagte, die Kämpfer hätten Muchacha womöglich angegriffen, um neue Rückzugsräume zu erkunden, falls der Druck in den Wäldern von Bapere weiter zunehme. Zugleich warnte er, die ADF hielten ihre Stellungen in Bapere weiterhin.
Regierung verweist auf Einsätze der FARDC
Die Regierung in Kinshasa würdigte in ihrer Erklärung den Einsatz der Streitkräfte der Demokratischen Republik Kongo, der FARDC. Sie erklärte, die Armee setze ihre Operationen fort, um die in der Region aktiven terroristischen Gruppen zu neutralisieren und die staatliche Kontrolle wiederherzustellen.
Le Gouvernement condamne avec la plus grande fermeté l’attaque terroriste perpétrée contre des sites miniers à Muchacha, en territoire de Mambasa (Ituri).
— Ministère de la Communication et Médias/RDC (@Com_mediasRDC) March 15, 2026
Il salue l’engagement des FARDC dans la lutte contre les groupes terroristes et réaffirme sa détermination à rétablir… pic.twitter.com/KT5FyVjRxX
Dabei verwies sie auf jüngste Einsätze in Ituri. In Mambasa hätten FARDC mehrere Stützpunkte der ADF zerstört und größere Mengen Sprengstoff sichergestellt. Im Gebiet Djugu seien außerdem Kämpfer der Miliz Convention pour la Révolution Populaire, die mit Thomas Lubanga in Verbindung gebracht wird, bekämpft und Waffen beschlagnahmt worden.
Strategisch wichtiger Raum über den Angriffsort hinaus
Die Region um Muchacha ist nicht nur wegen des Goldabbaus sensibel. Sie führt auch in Richtung Badengaido, Niania und zu Waldgebieten der Okapi-Wildtierreserve an der Achse Mambasa-Kisangani.
Dieser Raum gilt als strategisch wichtig, weil er Teil eines Korridors ist, über den Kisangani und auch Kinshasa mit landwirtschaftlichen Produkten versorgt werden. Damit reicht die Bedeutung des Angriffs über die unmittelbaren Opfer und Schäden hinaus und berührt auch eine wichtige Versorgungsroute im Landesinneren.

