Ägypten und die Europäische Union bauen ihre Beziehungen weiter aus. Bei einem Treffen in Kairo würdigte Präsident Abdel Fattah al-Sisi die jüngste Aufwertung der Beziehungen zu einer umfassenden strategischen Partnerschaft und unterstrich die Bedeutung einer vertieften politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt der Gespräche mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas standen regionale Krisen, Migration, Sicherheit sowie Handel und Investitionen.
Strategische Aufwertung der Beziehungen zwischen Ägypten und der EU
Bei dem Treffen mit Abdel Fattah al-Sisi betonte die ägyptische Seite, dass die Entwicklung der Beziehungen zur Europäischen Union eine neue Phase erreicht habe. Die im Oktober 2025 in Brüssel abgehaltene erste EU-Ägypten-Spitzenkonferenz habe den politischen Rahmen für eine umfassende strategische Partnerschaft geschaffen. Diese solle nun durch konkrete Projekte und eine engere Abstimmung in zentralen Politikfeldern mit Leben gefüllt werden.

An dem Gespräch nahmen unter anderem Außenminister Badr Abdelatty, die Leiterin der EU-Delegation in Kairo, Angelina Eichhorst, sowie weitere hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Union teil. Auch der EU-Sonderbeauftragte für den Nahost-Friedensprozess, Christophe Bigot, war anwesend.
Finanzielle Unterstützung und wirtschaftliche Zusammenarbeit
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hob die Bedeutung Ägyptens als zentralen Partner der Europäischen Union hervor. Die strategische Partnerschaft liefere bereits konkrete Ergebnisse in Bereichen wie Handel, Investitionen, Sicherheit und Wissenschaft. In diesem Zusammenhang verwies sie auf das europäische Finanzpaket für Ägypten, das unter anderem Kredite in Höhe von fünf Milliarden Euro zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Unterstützung der grünen Transformation vorsieht. Die zweite Tranche dieser Unterstützung soll nach EU-Angaben in den kommenden Tagen ausgezahlt werden.
HR/VP @kajakallas is currently in Egypt, where she held a bilateral meeting with Egyptian Foreign Minister Badr Abdelatty.
— European External Action Service – EEAS 🇪🇺 (@eu_eeas) January 8, 2026
Watch HR/VP Kaja Kallas press remarks following today’s meeting here: https://t.co/0hoATzqLx1
Präsident al-Sisi unterstrich die Bedeutung einer weiteren Intensivierung der Handels- und Investitionsbeziehungen. Ägypten verfüge über vielfältige Investitionsmöglichkeiten, die sowohl ägyptischen als auch europäischen Interessen dienten. Die EU-Seite signalisierte ihre Bereitschaft, die wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter auszubauen und europäische Investitionen zu fördern, unter anderem durch begleitende Reformunterstützung und Fachberatung.
Sicherheitspolitische Abstimmung und Migration
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche lag auf der sicherheitspolitischen Kooperation. Beide Seiten vereinbarten, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Terrorismus, organisierter Kriminalität und irregulärer Migration zu vertiefen. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung regionaler Stabilität hervorgehoben, insbesondere angesichts anhaltender Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika.
Für März 2026 ist erstmals ein formeller EU-Ägypten-Dialog zu Sicherheits- und Verteidigungsfragen in Kairo geplant. Dabei sollen unter anderem maritime Sicherheit im Roten Meer, Cybersicherheit und Maßnahmen gegen terroristische Bedrohungen thematisiert werden.
Gaza, Nahost und regionale Krisen

Breiten Raum nahmen die regionalen Entwicklungen ein. Beide Seiten bekräftigten ihre Unterstützung für eine Waffenruhe im Gazastreifen und betonten die Notwendigkeit, humanitäre Hilfe ungehindert und regelmäßig in das Gebiet zu ermöglichen. Präsident al-Sisi würdigte die Unterstützung der Europäischen Union für ägyptische Vermittlungsbemühungen und unterstrich gemeinsam mit der EU-Außenbeauftragten die Ablehnung jeglicher Versuche, Palästinenser gewaltsam von ihrem Land zu vertreiben.
Zugleich wurde die Bedeutung einer politischen Lösung auf Grundlage der Zwei-Staaten-Perspektive hervorgehoben. Die Gespräche befassten sich auch mit der Verwaltung und dem Wiederaufbau des Gazastreifens sowie mit der Rolle internationaler Akteure bei der Stabilisierung der Lage.
Darüber hinaus tauschten sich beide Seiten über die Situation in Libyen, Sudan, Syrien, Libanon, Iran und der Ukraine aus. In allen Fällen wurde die Notwendigkeit betont, Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen und die Souveränität sowie territoriale Integrität der betroffenen Staaten zu wahren.
Rolle Ägyptens aus europäischer Sicht
Die EU-Außenbeauftragte würdigte Ägyptens diplomatische Rolle bei der Eindämmung regionaler Spannungen. Aus Sicht der Europäischen Union sei Ägypten ein zentraler Stabilitätsfaktor in einer zunehmend fragilen Nachbarschaft. Dies gelte sowohl für die Vermittlung im Nahostkonflikt als auch für Fragen der regionalen Sicherheit und Migration.
Auch die europäische Unterstützung für Reformen der Palästinensischen Autonomiebehörde und für den Aufbau palästinensischer Sicherheitsstrukturen wurde angesprochen. Die EU signalisierte Bereitschaft, ihre Missionen vor Ort auszubauen und enger mit Ägypten zu kooperieren.