USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen zurück – Konsequenzen für UN-Arbeit in Afrika

Die Regierung der Vereinigte Staaten hat am 7. Januar 2026 ihren Rückzug aus 66 internationalen Organisationen angekündigt. Betroffen sind darunter 31 Einrichtungen und Programme der Vereinte Nationen. Die Entscheidung geht auf eine Überprüfung nach der Executive Order 14199 von Präsident Donald Trump zurück und wurde vom US-Außenminister Marco Rubio öffentlich gemacht. Die Vereinten Nationen erklärten, dass alle betroffenen UN-Einheiten ihre Mandate weiterhin erfüllen werden.

Entscheidung der US-Regierung und offizielle Begründung

Außenminister Rubio erklärte, die betroffenen Organisationen seien aus Sicht der US-Regierung ineffizient, schlecht verwaltet oder nicht mehr mit amerikanischen Interessen vereinbar. Die Vereinigten Staaten wollten keine finanziellen Mittel und kein politisches Gewicht mehr in Institutionen investieren, die ihrer Einschätzung nach weder zur nationalen Sicherheit noch zum wirtschaftlichen Wohlstand des Landes beitrügen.

Nach US-Definition bedeutet der Rückzug, dass sich die Vereinigten Staaten nicht mehr an der Arbeit dieser Organisationen beteiligen und ihre Finanzierung einstellen, soweit dies rechtlich zulässig ist. Die Überprüfung weiterer internationaler Organisationen dauert nach Angaben des US-Außenministeriums an.

Reaktion der Vereinten Nationen

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, ließ über seinen Sprecher erklären, dass die Entscheidung der US-Regierung bedauert werde. Zugleich stellte die UN klar, dass alle betroffenen Einrichtungen ihre Arbeit auf Grundlage der von den Mitgliedstaaten beschlossenen Mandate fortsetzen.

Die Vereinten Nationen wiesen darauf hin, dass Pflichtbeiträge zum regulären UN-Haushalt und zu Friedensmissionen gemäß der UN-Charta verbindlich sind. Nach Angaben des UN-Sprechers ist bislang keine formelle Mitteilung der US-Regierung bei den Vereinten Nationen eingegangen. Eine solche Mitteilung wäre erforderlich, um rechtlich wirksame Schritte einzuleiten.

Bedeutung der Entscheidung für Afrika

Für afrikanische Staaten ist besonders relevant, dass mehrere der betroffenen UN-Einrichtungen zentrale Aufgaben in den Bereichen Wirtschaft, Handel und Entwicklung wahrnehmen. Dazu zählt die Wirtschaftskommission für Afrika, die Regierungen des Kontinents bei wirtschaftspolitischen Strategien, regionaler Integration und Industriepolitik unterstützt.

Auch die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung ist betroffen. Sie berät Entwicklungs- und Schwellenländer zu Handelsregeln, Schuldenfragen, Investitionen und technologischem Wandel. Viele afrikanische Staaten nutzen diese Expertise bei der Ausgestaltung nationaler Entwicklungsstrategien.

Das International Trade Centre, das ebenfalls auf der US-Liste steht, arbeitet mit afrikanischen Unternehmen an Exportförderung, Marktanalysen und dem Zugang zu internationalen Lieferketten.

Klima- und Umweltpolitik

Der Rückzug der USA betrifft zudem die UN-Klimarahmenkonvention. Über dieses Rahmenwerk werden internationale Klimaverhandlungen koordiniert und nationale Klimaziele überprüft. Afrikanische Staaten nutzen diese Plattform unter anderem, um Finanzierungsfragen, Anpassungsmaßnahmen und die Folgen des Klimawandels zu adressieren.

Die UN-Klimarahmenkonvention erklärte, dass ihre Arbeit fortgesetzt werde und dass die Tür für eine spätere Rückkehr der Vereinigten Staaten offen bleibe.

Soziale Programme und Gesundheit

Im sozialen Bereich betrifft der US-Rückzug unter anderem den UN-Bevölkerungsfonds. UNFPA ist in zahlreichen afrikanischen Ländern in der Gesundheitsversorgung von Müttern, in der Datenerhebung sowie in humanitären Krisen aktiv. Die Organisation arbeitet häufig mit freiwilligen Beiträgen einzelner Staaten.

Auch Programme zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten sowie zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gehören zu den betroffenen UN-Einheiten.

Finanzielle Auswirkungen noch offen

Viele der betroffenen Organisationen werden sowohl aus dem regulären UN-Haushalt als auch aus freiwilligen Beiträgen finanziert. Während die Mandate formell bestehen bleiben, könnte der Wegfall amerikanischer Mittel insbesondere Programme treffen, die stark von freiwilliger Finanzierung abhängen.

Für das Jahr 2026 wurde der reguläre Haushalt der Vereinten Nationen bereits deutlich gekürzt. Vor diesem Hintergrund bleibt offen, ob andere Mitgliedstaaten entstehende Finanzierungslücken schließen oder ob einzelne Programme reduziert werden müssen.

Multilaterale Zusammenarbeit unter Druck

Die Entscheidung der US-Regierung stellt eine weitere Abkehr von multilateraler Zusammenarbeit dar. Für afrikanische Staaten, die multilaterale Foren zur wirtschaftlichen, entwicklungspolitischen und sicherheitspolitischen Abstimmung nutzen, verändert sich damit der institutionelle Rahmen, in dem internationale Kooperation stattfindet.

Die Vereinten Nationen erklärten, dass sie ihre Aufgaben unabhängig von einzelnen nationalen Entscheidungen weiter wahrnehmen werden.

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