USA justieren Afrika-Strategie neu

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump richtet ihre Afrikapolitik strategisch neu aus. Statt eines flächendeckenden Engagements will Washington künftig gezielt in ausgewählten Sektoren und Ländern Einfluss nehmen, insbesondere dort, wo Rohstoffe, Lieferketten und Sicherheitsinteressen berührt sind. Das erläuterte Nick Checker, Leiter des Büros für afrikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium, in einem Interview mit Semafor am 2. Februar 2026.

Keine flächendeckende Konkurrenz zu China

Nach Darstellung der US-Regierung verfolgt Washington nicht das Ziel, Chinas Einfluss in ganz Afrika zurückzudrängen. Stattdessen sollen sogenannte Prioritätssektoren identifiziert werden, in denen die Vereinigten Staaten gezielt konkurrieren wollen. Dazu zählt vor allem der Rohstoffsektor, insbesondere mit Blick auf Lieferkettenresilienz und strategische Mineralien.

Checker betonte, die USA würden nicht versuchen, mit China „Dollar für Dollar“ bei Großprojekten wie Straßenbau mitzuhalten. Wettbewerb solle dort stattfinden, wo wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen der Vereinigten Staaten unmittelbar betroffen seien. Ähnliche Ansätze verfolge Washington auch in anderen Weltregionen.

Neue Schwerpunkte der US-Afrikapolitik

Zu den aktuellen Fokusbereichen der US-Regierung in Afrika zählen nach Angaben Checkers die wirtschaftliche Diplomatie, eine stärkere Betonung nationaler Eigenverantwortung der Partnerstaaten sowie neue Formen der Entwicklungszusammenarbeit. Ergänzend bleibe die Prävention und Eindämmung von Konflikten ein zentrales Element der US-Politik auf dem Kontinent.

Praktisch bedeutet das auch Umbauten in Botschaften. Personal werde auf wirtschaftliche Themen ausgerichtet und in kommerzieller Diplomatie geschult, um US-Unternehmen beim Markteintritt zu unterstützen.

Rückgang klassischer Entwicklungshilfe

Parallel zur strategischen Neuausrichtung hat die US-Regierung im vergangenen Monat neue Abkommen mit mehreren afrikanischen Staaten geschlossen. Diese sehen über fünf Jahre hinweg Gesundheitsausgaben in Höhe von rund 11 Milliarden US-Dollar vor. Das Volumen liegt unter dem früherer Programme. Die Regierung begründet dies mit dem Anspruch, Entwicklungszusammenarbeit stärker an US-Interessen auszurichten.

Im Kontext der „America First Global Health Strategy“ wird zudem beschrieben, dass bilaterale Abkommen mit 13 Regierungen in Subsahara-Afrika abgeschlossen wurden, darunter Eswatini, Kenia, Liberia, Mosambik, Nigeria, Ruanda, Uganda, Lesotho, Botswana, Madagaskar, Sierra Leone, Äthiopien und Côte d’Ivoire. In Kenia habe ein Gericht die Vereinbarung nach Kritik an Datenschutzfragen ausgesetzt. Für Äthiopien wird in einem Kommentar eine Abwägung von Nutzen und möglichen Verpflichtungen genannt, etwa bei Datenteilung und Leistungskennziffern.

Kritik an der stärkeren Konzentration auf andere Weltregionen weist das US-Außenministerium zurück. Checker erklärte, Afrika bleibe Teil der US-Außenpolitik, auch wenn sich Form und Schwerpunkt des Engagements veränderten.

Sicherheit und Wirtschaft statt normativer Agenda

Nach Einschätzung der US-Regierung stoße der neue Ansatz in vielen afrikanischen Staaten auf Zustimmung. Checker verwies darauf, dass frühere US-Politik häufig als belehrend wahrgenommen worden sei. Themen wie Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum stünden aus Sicht vieler afrikanischer Regierungen im Vordergrund.

US-Außenminister Marco Rubio habe einen „Back-to-basics“-Ansatz in der Diplomatie klar formuliert. Dabei gehe es weniger um normative Fragen, sondern um Felder, in denen gemeinsame Interessen bestünden.

Kritische Mineralien als strategisches Bindeglied

Ein zentraler Bestandteil der neuen Afrikastrategie ist der Zugang zu kritischen Rohstoffen. In dieser Woche richtet das US-Außenministerium erstmals ein Ministertreffen zu strategischen Mineralien in Washington aus. Eingeladen sind Vertreter rohstoffreicher afrikanischer Staaten, darunter die Demokratische Republik Kongo, Guinea, Kenia und Sambia.

Erwartet wird die Teilnahme des kongolesischen Präsidenten Félix Tshisekedi. Ziel der Gespräche ist eine Vertiefung von Partnerschaften entlang der Wertschöpfungsketten, einschließlich Verarbeitung und Raffinierung. Checker verwies auf wachsendes Interesse US-amerikanischer Unternehmen an Investitionen in Afrika. Um diese zu erleichtern, habe Washington Personal an Botschaften gezielt im Bereich wirtschaftlicher Diplomatie geschult.

Diplomatie über Sondergesandte und Wirtschaftsdeals

Die US-Afrika-Politik wird zunehmend über Sondergesandte, präsidiale Initiativen und wirtschaftsbasierte Vereinbarungen umgesetzt. Eine zentrale Rolle spielt dabei Massad Boulos, der unter anderem in Konfliktfragen in Sudan sowie im Verhältnis zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda aktiv ist. Auch Außenminister Marco Rubio hat sich mehrfach öffentlich zu sicherheitspolitischen Entwicklungen auf dem Kontinent geäußert.

Parallel zur strategischen Neuausrichtung ist die personelle Präsenz der USA in Afrika ausgedünnt. Zahlreiche Botschafterposten sind unbesetzt, mehrere Schlüsselpositionen im Außenministerium werden kommissarisch geführt. Dies betrifft auch die Leitung des Afrika-Büros im US-Außenministerium.

Zunehmende militärische Aktivitäten

Sicherheitspolitisch verzeichnen die USA eine Zunahme militärischer Operationen in Afrika, insbesondere in Somalia sowie punktuell in Nigeria und der Sahelzone. Das African Center for Strategic Studies weist auf eine anhaltend hohe Zahl tödlicher Angriffe militanter Gruppen in Regionen wie dem Sahel, Somalia, Mosambik und dem Tschadseebecken hin.

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