Russland will seine Beziehungen zu afrikanischen Staaten stärker auf Handel, Investitionen und konkrete Wirtschaftsprojekte ausrichten. Bei Gesprächen mit Tschads Außenminister Abdoulaye Sabre Fadoul räumte Moskau ein, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit deutlich hinter dem politischen und sicherheitspolitischen Verhältnis zurückbleibt. Tschad fordert deshalb eine Partnerschaft, die nicht auf Militär, Ausbildung und Terrorismusbekämpfung beschränkt bleibt. Bis zum Russland-Afrika-Gipfel im Oktober sollen neue Vereinbarungen vorbereitet werden.
Außenminister Sergej Lawrow und Fadoul berieten in Moskau über Projekte in geologischer Erkundung, Bergbau, Energie, Landwirtschaft, Düngemittelproduktion und Gesundheitswirtschaft.
Beide Seiten wollen laufende Vertragsverhandlungen beschleunigen. Weitere Abkommen sollen möglichst während des dritten Russland-Afrika-Gipfels unterzeichnet werden.
Tschad verlangt mehr Investitionen
Fadoul formulierte die Erwartungen der afrikanischen Seite deutlich. Die Zusammenarbeit mit Russland dürfe nicht auf Sicherheit und Verteidigung begrenzt bleiben.
Russland sei auch eine Wirtschaftsmacht und müsse seine Unternehmen stärker auf afrikanischen Märkten positionieren. Die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Moskau und N’Djamena seien kaum sichtbar und entsprächen nicht dem vorhandenen Potenzial.
„Die wirtschaftlichen Beziehungen, die wir mit Russland unterhalten, entsprechen nicht dem bestehenden Potenzial“, sagte der tschadische Außenminister. Tschad wolle deshalb Projekte voranbringen, die Investitionen auslösen und konkrete wirtschaftliche Ergebnisse schaffen.
Die Forderung reicht über das bilaterale Verhältnis hinaus. Auch andere afrikanische Staaten erwarten von Russland stärker sichtbare Beiträge zu Wertschöpfung, Beschäftigung, Infrastruktur und Technologie.
Moskau erkennt den wirtschaftlichen Rückstand an
Auch Lawrow räumte ein, dass Handel und Investitionen bislang nicht mit dem engen politischen Dialog Schritt halten.
„Hier gibt es viel zu tun“, sagte der russische Außenminister. Der wirtschaftliche Bereich liege deutlich hinter den freundschaftlichen politischen Beziehungen und der humanitären Zusammenarbeit zurück.
Diese Diskrepanz prägt Russlands Beziehungen zu vielen afrikanischen Staaten. Moskau verfügt über politische Kontakte, militärische Kooperationen und wachsenden Einfluss in Teilen der Sahelzone. Der Umfang russischer Investitionen, industrieller Projekte und Handelsbeziehungen bleibt jedoch in vielen Ländern begrenzt.
Afrikanische Regierungen drängen deshalb zunehmend auf eine Partnerschaft, die Arbeitsplätze, Infrastruktur, Verarbeitungskapazitäten und Technologietransfer schafft. Politische Nähe allein reicht vielerorts nicht mehr aus, um Russlands Rolle dauerhaft abzusichern.

Im Gespräch mit Tschad standen vor allem Rohstoffe, Energie und Landwirtschaft im Vordergrund. N’Djamena verfügt über Öl, Gold und weitere Vorkommen, benötigt jedoch Kapital, Technik und Infrastruktur für Förderung und Verarbeitung.
Auch bei Düngemitteln und Agrarproduktion sieht Moskau Möglichkeiten. Russland versucht, seine Rolle als wichtiger Exporteur von Getreide und Düngemitteln stärker mit langfristigen Partnerschaften in Afrika zu verbinden.
Konkrete Investitionssummen, beteiligte Unternehmen oder Zeitpläne nannten beide Seiten nicht.
Der Afrika-Gipfel wird zum wirtschaftlichen Prüfstein
Der dritte Russland-Afrika-Gipfel im Oktober soll zeigen, ob Moskau seine politischen Beziehungen in belastbare Wirtschaftsprojekte überführen kann.
Tschad will laufende Verhandlungen bis dahin abschließen. Präsident Mahamat Idriss Déby plant nach russischen Angaben seine persönliche Teilnahme in Moskau.
Für Russland wächst damit der Druck, neben politischen Erklärungen auch Finanzierungen, Unternehmensbeteiligungen und umsetzbare Projekte vorzulegen. Seit dem ersten Gipfel 2019 präsentiert sich Moskau als Alternative zu westlichen Partnern. Viele afrikanische Regierungen verlangen inzwischen jedoch stärker nach wirtschaftlichen Ergebnissen.
Der Gipfel dürfte deshalb daran gemessen werden, ob neue Vereinbarungen über Handel, Energie, Rohstoffe und Investitionen tatsächlich abgeschlossen werden.
Sicherheit bleibt ein zentraler Teil der Partnerschaft
Russland will seine sicherheitspolitische Rolle in Afrika zugleich fortsetzen. Lawrow sagte weitere Unterstützung bei der Ausbildung von Soldaten und Sicherheitskräften sowie bei der Stärkung nationaler Streitkräfte zu.
Moskau ist bereits in mehreren Staaten der Sahelzone sicherheitspolitisch aktiv. Der russische Afrikakorps ist bereits in Mali und Niger tätig.
Tschad begrüßt die Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung, lehnt jedoch eine einseitige Konzentration auf Militärfragen ab. Fadoul erklärte, afrikanische Staaten benötigten keine Konkurrenz ausländischer Mächte, sondern eine Ergänzung ihrer Beiträge.
Die künftige Partnerschaft soll deshalb Sicherheit und Wirtschaft enger verbinden. Russland will seinen Einfluss im Sicherheitsbereich halten, während Tschad auf Investitionen und breitere wirtschaftliche Zusammenarbeit drängt.

