Tschad wirft Zentralafrikanischer Republik Militärangriff vor – mit russischen Söldnern

Militärschläge an der Grenze zwischen Tschad und der Zentralafrikanischen Republik lösen einen diplomatischen Konflikt aus. N’Djamena meldet schwer verletzte Soldaten und Zivilisten und bestellt den Botschafter ein.

Der Tschad hat der Armee der Zentralafrikanischen Republik einen bewaffneten Grenzübertritt mit mehreren Schwerverletzten vorgeworfen und den zentralafrikanischen Botschafter einbestellt. Anlass ist ein Militäreinsatz am Samstag, 10. Oktober, im Grenzgebiet zwischen dem Tschad, Sudan und der Zentralafrikanischen Republik. Während Bangui von einem Präventivschlag gegen ausländische Söldner spricht, wirft die Regierung in N’Djamena dem Nachbarland die Verletzung ihrer Souveränität vor. An den zentralafrikanischen Militäroperationen sind nach Regierungsangaben auch russische Söldner beteiligt.

Tschad spricht von schweren Verletzungen bei Soldaten und Zivilisten

Der tschadische Außenminister Ahmed Kogri bestellte am Sonntag, 11. Oktober, den Botschafter der Zentralafrikanischen Republik ein und übermittelte ihm eine offizielle Protestnote.

Nach Darstellung des Außenministeriums drangen zentralafrikanische Soldaten am Vortag in das Dorf Abnabak in der tschadischen Provinz Salamat ein. Bei dem Vorfall seien mehrere Menschen schwer verletzt worden, darunter Angehörige der Streitkräfte und Zivilisten.

Kogri bezeichnete den Vorfall als schwerwiegend und warnte davor, ihn als isoliertes Ereignis zu betrachten. Bereits seit 2021 habe der Tschad mehrere militärische Grenzverletzungen durch zentralafrikanische Kräfte registriert.

„Die Wiederholung solcher Handlungen ist inakzeptabel und kann nicht ohne Konsequenzen bleiben“, erklärte das tschadische Außenministerium.

N’Djamena verlangt von der Regierung in Bangui präzise Angaben zu den Umständen des Vorfalls sowie eine Erklärung für das Vorgehen ihrer Streitkräfte. Der Außenminister beauftragte den Botschafter, der zentralafrikanischen Regierung eine „entschiedene Warnung“ zu übermitteln.

Gleichzeitig bekräftigte der Tschad seine Entschlossenheit, die staatliche Souveränität, territoriale Integrität und Sicherheit seiner Bevölkerung zu verteidigen.

Bangui meldet Präventivschlag gegen ausländische Söldner

Die zentralafrikanische Regierung schildert den Militäreinsatz anders. Ihr Verteidigungsministerium erklärte am Samstag, die Streitkräfte hätten in der nordöstlichen Präfektur Vakaga eine unmittelbar bevorstehende Offensive bewaffneter Gruppen verhindert.

Geheimdienste hätten Vorbereitungen für einen Angriff im Dreiländereck zwischen der Zentralafrikanischen Republik, dem Tschad und Sudan festgestellt. Die Regierung bezeichnet die mutmaßlichen Angreifer als „ausländische Söldner“, ohne deren Nationalität oder Zugehörigkeit näher zu benennen.

Daraufhin habe die Armee einen koordinierten Einsatz mit Luftangriffen und Bodenoperationen eingeleitet. Die feindlichen Kräfte seien neutralisiert worden, teilte das Ministerium mit.

Bangui erklärte, die Lage sei inzwischen unter Kontrolle und stabil. Weitere Sicherheitsoperationen würden gemeinsam mit russischen Söldnern fortgesetzt, um die Grenzregion zu sichern.

Die Regierung machte keine Angaben zur Zahl getöteter oder verletzter Kämpfer. Auch unabhängige Bestätigungen über den Umfang und die Ergebnisse des Militäreinsatzes liegen bislang nicht vor.

Ob die von N’Djamena gemeldeten Verletzten unmittelbar durch die zentralafrikanischen Luftangriffe oder durch Bodentruppen getroffen wurden, ist nicht geklärt. Eine Stellungnahme Banguis zu den konkreten Vorwürfen des tschadischen Außenministeriums liegt bislang nicht vor.

Russische Söldner an Grenzoperation beteiligt

Die Beteiligung russischer Söldner unterstreicht die Rolle Moskaus bei den Sicherheitsoperationen der zentralafrikanischen Streitkräfte.

Russland unterstützt die Regierung in Bangui seit Jahren militärisch, unter anderem durch Ausbildung, Beratung und die Zusammenarbeit bei Operationen gegen bewaffnete Gruppen. Dabei kamen auch Kämpfer der russischen Wagner-Gruppe zum Einsatz.

Das zentralafrikanische Verteidigungsministerium bestätigte ausdrücklich, dass die laufenden Einsätze in der Vakaga in Abstimmung mit russischen Kräften erfolgen. Ob diese auch unmittelbar an den gemeldeten Luftangriffen oder den Bodenoperationen vom 10. Oktober beteiligt waren, teilte das Ministerium nicht mit.

Die Behörden versicherten zugleich, der Schutz der Zivilbevölkerung habe oberste Priorität. Einwohner der betroffenen Gebiete wurden aufgerufen, Ruhe zu bewahren, ihren gewöhnlichen Tätigkeiten nachzugehen und verdächtige Beobachtungen den Sicherheitskräften zu melden.

Grenzregion durch Sudankrieg und bewaffnete Gruppen belastet

Die Präfektur Vakaga gehört zu den instabilsten Regionen der Zentralafrikanischen Republik. Sie grenzt an den Sudan und liegt nahe dem tschadischen Staatsgebiet. Bewaffnete Gruppen nutzen seit Jahren die schwer kontrollierbaren Grenzräume für Bewegungen zwischen den drei Ländern.

Der Krieg im Sudan hat die Sicherheitslage zusätzlich verschärft. Seit Beginn der Kämpfe zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces im April 2023 sind Menschen in die Nachbarstaaten geflohen. Zugleich haben grenzüberschreitende Bewegungen bewaffneter Gruppen und der illegale Waffenhandel die Lage belastet.

Bereits am 30. Juni 2026 war die zentralafrikanische Grenzstadt Am-Dafock Ziel eines größeren bewaffneten Angriffs geworden. Die Regierung in Bangui hatte daraufhin ihre militärischen Aktivitäten in der Region verstärkt.

Im September äußerte auch die Afrikanische Union Besorgnis über die anhaltende Unsicherheit in mehreren Grenzregionen der Zentralafrikanischen Republik, darunter die Vakaga.

Die aktuelle Auseinandersetzung zwischen Bangui und N’Djamena betrifft damit eine Region, in der die Auswirkungen des sudanesischen Bürgerkriegs auf bereits bestehende Konflikte treffen.

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