Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, in Berlin empfangen und der Afrikanischen Union eine stärkere Rolle in den Vereinten Nationen zugesichert. Merz sprach sich dabei für zwei ständige afrikanische Sitze im UN-Sicherheitsrat aus und bezeichnete die AU als strategischen Partner Deutschlands. Das Treffen fand am Dienstagabend im Bundeskanzleramt statt. Im Mittelpunkt standen außerdem der Krieg im Sudan, die Folgen der Krise im Nahen und Mittleren Osten für Afrika sowie die wirtschaftliche und energiepolitische Zusammenarbeit.
Berlin will den Dialog mit der AU ausbauen
Merz kündigte an, Deutschland wolle die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union vertiefen. Er erinnerte daran, dass Deutschland lange auf die Aufnahme der AU in die G20 gedrängt habe, und warb für engere Handelsbeziehungen zwischen Afrika und Europa. Perspektivisch brachte er auch ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen der Afrikanischen Union und der Europäischen Union ins Spiel.
Zugleich rückte Merz Afrika stärker ins Zentrum der deutschen Außenpolitik. Der Kontinent wachse schnell, spiele international eine immer wichtigere Rolle und bekomme dennoch oft zu wenig Aufmerksamkeit, sagte der Kanzler in Berlin.
Sudan-Konferenz in Berlin stand im Zentrum der Gespräche
Breiten Raum nahm die Lage im Sudan ein. Merz sprach von der größten humanitären Krise der Gegenwart und verwies darauf, dass mehr als 20 Millionen Menschen dort Hunger litten. Deutschland gehöre zu den größten Gebern humanitärer Hilfe und unterstütze die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges.

Youssouf dankte Deutschland für die Ausrichtung der Sudan-Konferenz in Berlin. Er sagte, die internationale Aufmerksamkeit dürfe nicht allein auf andere Krisen gerichtet bleiben, während der Sudan weiter aus dem Blick gerate. Die Afrikanische Union wolle sich weiter in Vermittlungsbemühungen einbringen und auf einen Waffenstillstand hinarbeiten.
Sorge über die Folgen der Nahost-Krise für Afrika
Auch die Spannungen im Nahen und Mittleren Osten spielten bei dem Treffen eine wichtige Rolle. Merz verwies auf Risiken für die Versorgung mit Öl, Treibstoffen und Düngemitteln. Für viele afrikanische Länder könne das steigende Preise, Inflationsdruck, Ernteausfälle und neue Belastungen bei der Lebensmittelversorgung nach sich ziehen.
Deutschland und Europa wollten deshalb mit afrikanischen Partnern darüber sprechen, wie sich wirtschaftliche und energetische Abhängigkeiten verringern lassen. Merz stellte dabei vor allem die Frage in den Mittelpunkt, wie afrikanische Staaten widerstandsfähiger gegen externe Schocks werden können.
Energie und Handel als gemeinsame Themen

Beim Blick auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit setzte Merz vor allem auf Energie und Handel. Afrika verfüge über 60 Prozent der weltweiten Solarressourcen, sagte er. Die Europäische Union unterstütze die Energiewende auf dem Kontinent deshalb mit mehr als 500 Millionen Euro.
Merz verband das mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Beziehungen breiter aufzustellen. Mehr Handel, mehr Investitionen und engere Kooperation sollten dazu beitragen, Abhängigkeiten auf beiden Seiten des Mittelmeers zu verringern.
Youssouf betont Eigenständigkeit des Kontinents
Youssouf hob die langjährige Partnerschaft zwischen Deutschland und der Afrikanischen Union hervor. Die Zusammenarbeit beruhe auf Frieden, Sicherheit, Entwicklung und globaler Solidarität. Zugleich machte er deutlich, dass die AU in Krisenzeiten stärker auf eigene Ressourcen und eigene Handlungsspielräume setzen wolle.
Der Kontinent habe die Kapazitäten, seine Programme selbst zu finanzieren, sagte Youssouf. Er dankte Deutschland zugleich für die Unterstützung bei Entwicklungsfragen, bei der Energiewende und bei Initiativen rund um Frieden und Stabilität auf dem Kontinent.
Treffen auch mit Außenminister Wadephul
Schon vor dem Gespräch im Bundeskanzleramt hatte Youssouf in Berlin den deutschen Außenminister Johann Wadephul getroffen. Nach Angaben der Afrikanischen Union ging es dabei ebenfalls um Frieden und Sicherheit, regionale Integration, erneuerbare Energien und die weitere Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa.
Die #AfrikanischeUnion ist ein Schlüsselpartner für uns. Deswegen haben der AU-Kommissionsvorsitzende @ymahmoudali & ich bei meinem Besuch im Januar in #Addis einen strategischen Dialog gestartet. Die Rolle der AU bei den Friedensbemühungen in #Sudan ist entscheidend. pic.twitter.com/XvePW8V32V
— Johann Wadephul (@AussenMinDE) April 14, 2026

