Lesotho wirbt in Berlin um deutsche Investoren – Wasser, Energie und Textilindustrie im Fokus

Lesotho sucht neue Wirtschaftspartner in Deutschland: In Berlin wirbt die Regierung um Investitionen in Wasserwirtschaft, erneuerbare Energien und Industrie. Zugleich will das Land seine Textilwirtschaft weiterentwickeln – von der Auftragsfertigung für internationale Unternehmen hin zu eigenen Marken.

Lesotho will seine Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland ausbauen und wirbt um Investitionen in Wasserwirtschaft, erneuerbare Energien und die Weiterentwicklung seiner Textilindustrie. Die Gespräche fanden vom 20. bis 23. Oktober 2026 am Rande des Berlin Global Dialogue und bei mehreren deutsch-lesothischen Wirtschaftsveranstaltungen statt. Vizepremierministerin Nthomeng Majara und Außenminister Limpho Tau stellten deutschen Wirtschaftsvertretern konkrete Kooperationsfelder vor. Neben Investitionen und beruflicher Qualifizierung standen eine engere Zusammenarbeit bei der Nutzung der Wasserressourcen sowie der Aufbau eigener Textilmarken im Mittelpunkt.

Lesotho gehört zu den kleineren Volkswirtschaften des südlichen Afrikas. Das vollständig von Südafrika umschlossene Königreich verfügt über umfangreiche Wasserressourcen, Potenzial für Wind- und Solarenergie sowie eine exportorientierte Bekleidungsindustrie.

Deutsche Unternehmen sollen in sechs Wirtschaftsbereiche investieren

Bei einem Wirtschaftsroundtable in Berlin stellte Vizepremierministerin Majara Investitionsmöglichkeiten in sechs Bereichen vor: erneuerbare Energien, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Textilindustrie, verarbeitendes Gewerbe und Tourismus.

Die Regierung in Maseru will durch engere Unternehmenspartnerschaften zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, die industrielle Entwicklung fördern und neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen.

Außenminister Tau verwies insbesondere auf die Wasserressourcen des Landes, günstige Voraussetzungen für Wind- und Solarenergie sowie das vorhandene Arbeitskräftepotenzial.

Auf deutscher Seite beteiligte sich unter anderem Claus Mayer vom Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) an den Gesprächen.

Mayer hob die technischen Kompetenzen deutscher Unternehmen hervor, insbesondere in der industriellen Produktion, beim Aufbau nachhaltiger Infrastruktur und in der beruflichen Bildung. Der Verband erklärte seine Bereitschaft, Kontakte zwischen Unternehmen beider Länder zu vermitteln und Investitionsmöglichkeiten zu erschließen.

Konkrete Investitionssummen oder verbindliche Unternehmenszusagen wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Wasserpartnerschaft zwischen Lesotho und Deutschland im Gespräch

Ein weiterer Schwerpunkt des Berliner Besuchs war ein deutsch-lesothischer Dialog zur Wasserwirtschaft.

Unter dem Motto „Wasserressourcen erhalten, wirtschaftliche Potenziale erschließen“ erörterten Vertreter beider Länder Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit bei Wasserversorgung, Infrastruktur und nachhaltigem Ressourcenmanagement.

An den Gesprächen nahmen Vizepremierministerin Majara und Außenminister Tau teil.

Lesotho verfügt aufgrund seiner gebirgigen Landschaft und seiner Niederschlagsverhältnisse über erhebliche Wasserressourcen. Diese spielen sowohl für die Versorgung der Bevölkerung als auch für Landwirtschaft, Energieerzeugung und regionale Wirtschaftsbeziehungen eine zentrale Rolle.

Besonders deutlich wird dies am Lesotho Highlands Water Project. Über das grenzüberschreitende Infrastrukturprojekt liefert Lesotho Wasser an Südafrika und nutzt Teile des Systems zur Stromerzeugung.

Die Zusammenarbeit mit Deutschland könnte nach den bisherigen Gesprächen insbesondere den Austausch technischer Kenntnisse, die Modernisierung von Infrastruktur und die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasserressourcen umfassen.

Dabei stehen auch Fragen des Umweltschutzes, der Finanzierung und des Zugangs zu Trinkwasser im Vordergrund.

Vereinbarungen über konkrete neue Bauprojekte oder deutsche Finanzierungsbeiträge wurden bislang nicht veröffentlicht.

Lesotho will von der Textilproduktion zu eigenen Marken wechseln

Neben der Wasserwirtschaft beschäftigten sich Vertreter beider Länder mit der Zukunft der lesothischen Textilindustrie.

Bei einer Veranstaltung der Carl Duisberg Gesellschaft in Berlin diskutierten Außenminister Limpho Tau, die lesothische Botschafterin Mafelile Christina Molala und deutsche Fachleute über den wirtschaftlichen Umbau des Sektors.

Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Lesotho 2036 – Transformationspotenziale für eigene Textilmarken“.

Lesotho produziert seit Jahren Bekleidung für internationale Auftraggeber. Ein erheblicher Teil der industriellen Tätigkeit besteht dabei in der Fertigung für ausländische Unternehmen.

Die Diskussion in Berlin konzentrierte sich auf die Frage, wie sich das Land von der reinen Auftragsproduktion zu einer stärkeren eigenen Wertschöpfung entwickeln kann.

Dazu gehören der Aufbau eigener Marken, die Entwicklung von Produkten, zusätzliche unternehmerische Kompetenzen und ein besserer Zugang zu internationalen Absatzmärkten.

Prof. Dr. Ingo Rollwagen, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Carl Duisberg Gesellschaft, stellte die Bedeutung industrieller Innovation, beruflicher Qualifizierung und stärkerer afrikanischer Wertschöpfungsketten heraus.

Angesichts unsicherer internationaler Handelspräferenzen müsse Lesotho seine wirtschaftliche Entwicklung breiter aufstellen. Die Textilindustrie solle nicht allein davon abhängig bleiben, für welche internationalen Marken sie produziere, sondern selbst stärker an der Wertschöpfung beteiligt werden.

Merz fordert stärkere Beteiligung Afrikas an der G20

Die Wirtschaftsinitiative Lesothos fiel mit dem Berlin Global Dialogue zusammen, bei dem internationale Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über neue Partnerschaften und die Veränderungen der Weltwirtschaft berieten.

Bundeskanzler Friedrich Merz warb in seiner Rede am 21. Oktober für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Staaten, die sich für offene Märkte und verlässliche internationale Regeln einsetzen.

Deutschland müsse neue Partnerschaften aufbauen, um seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und strategische Abhängigkeiten zu verringern.

Merz nannte private Investitionen, Innovationen, neue Technologien und künstliche Intelligenz als wesentliche Faktoren wirtschaftlicher Entwicklung.

Zugleich verlangte er eine stärkere Beteiligung Afrikas an internationalen wirtschaftspolitischen Entscheidungen.

„Afrika gehört selbstverständlich an den Tisch“, erklärte der Bundeskanzler mit Blick auf den G20-Gipfel im Dezember in Miami.

Er verwies darauf, dass sowohl die Afrikanische Union als auch Südafrika Mitglieder der G20 sind, und sprach sich ausdrücklich für eine Teilnahme Südafrikas an dem Gipfel aus.

Lesothos Außenminister Tau begrüßte diese Position und hob die Bedeutung einer stärkeren afrikanischen Mitsprache bei internationalen Wirtschaftsfragen hervor.

Lesotho verweist auf seine Tradition internationaler Bündnisse

Vizepremierministerin Majara nutzte den Berlin Global Dialogue auch, um die außenpolitischen Vorstellungen ihres Landes darzustellen.

Sie verwies auf König Moshoeshoe I., der im 19. Jahrhundert durch Diplomatie, Bündnisse und die Zusammenführung verschiedener Gemeinschaften die Grundlagen des heutigen Basotho-Staates schuf.

Majara zog eine Verbindung zwischen dieser historischen Erfahrung und den gegenwärtigen Bemühungen Lesothos um internationale Partnerschaften.

Nach ihrer Darstellung sollten wirtschaftliche und politische Kooperationen nicht einseitig ausgerichtet sein, sondern allen beteiligten Ländern konkrete Vorteile eröffnen.

Lesothos natürliche Ressourcen und wirtschaftliche Erfahrungen könnten dabei ebenso einen Beitrag leisten wie deutsche Investitionen, industrielle Technologien und berufliche Ausbildung.

Der Berlin Global Dialogue stand in diesem Jahr unter dem Motto „Allianzen für eine neue Ära voranbringen“. Zu den diskutierten Themen gehörten internationale Sicherheit, Handel, Klimapolitik, technologischer Wandel und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Staaten und Unternehmen.

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