Während Somalia im Januar turnusgemäß den Vorsitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen innehat, sieht sich das Land mit einer außenpolitisch heiklen Situation konfrontiert. Auslöser ist die Entscheidung Israels, die abtrünnige Region Somaliland als souveränen Staat anzuerkennen, sowie der anschließende Besuch des israelischen Außenministers Gideon Saar in Hargeisa. Der Schritt fällt in eine Phase, in der Somalia erstmals seit mehr als fünf Jahrzehnten den Vorsitz im mächtigsten UN-Gremium führt.
Somalias Rolle im Sicherheitsrat

Somalia hat im Januar 2026 die rotierende Präsidentschaft des Sicherheitsrates übernommen. Den Vorsitz führt der somalische UN-Botschafter Abukar Dahir Osman. Für Mogadischu ist dies ein symbolisch wie politisch bedeutender Moment, da das Land zuletzt 1971–1972 den Ratsvorsitz innehatte. Im Mittelpunkt des Programms steht unter anderem eine hochrangige Debatte zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit als Grundlage internationaler Friedenssicherung.
Parallel dazu sieht sich Somalia jedoch gezwungen, erhebliche diplomatische Ressourcen auf die Verteidigung seiner territorialen Integrität zu verwenden.
Anerkennung Somalilands durch Israel
Am 26. Dezember 2025 hatte Israel als bislang einziger Staat die seit 1991 de facto autonome Region Somaliland als unabhängigen Staat anerkannt. Wenige Tage später reiste Außenminister Gideon Saar nach Hargeisa und traf dort den Präsidenten der Region, Abdirahman Mohamed Abdullahi. Es handelte sich um den ersten hochrangigen israelischen Besuch in Somaliland seit der Anerkennung.
We deeply appreciate H.E. @gidonsaar for this historic visit, the first by a foreign minister to Somaliland in 34 years. His commitment to strengthening ties between Somaliland and Israel marks the beginning of a promising partnership grounded in mutual respect, shared values,… https://t.co/gy3sXfTeJ0
— Abdirahman Dahir Adam (@min_abdirahman) January 6, 2026
Die somalische Bundesregierung betrachtet Somaliland weiterhin als integralen Bestandteil des Staatsgebiets. Entsprechend wurde der israelische Schritt in Mogadischu als Verletzung der Souveränität und territorialen Einheit gewertet.
Reaktionen im Sicherheitsrat und in Afrika
Im Sicherheitsrat stieß Israels Vorgehen auf deutliche Kritik. Bei einer Dringlichkeitssitzung kurz vor dem Jahreswechsel äußerte eine Mehrheit der Ratsmitglieder, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, Bedenken hinsichtlich möglicher destabilisierender Folgen für die gesamte Region am Horn von Afrika. Besonders Staaten mit starkem Fokus auf das Prinzip der territorialen Unversehrtheit warnten vor einem Präzedenzfall.
Auch innerhalb Afrikas fiel die Reaktion klar aus. Der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union verurteilte die Anerkennung Somalilands als einseitigen Akt ohne rechtliche Grundlage. Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Dschibuti, bekräftigten ihre Unterstützung für die Souveränität Somalias und warnten vor Risiken für die regionale Stabilität.
Somalias diplomatische Gegenoffensive
Botschafter Abukar Dahir Osman erklärte zu Beginn der somalischen Ratspräsidentschaft, die territoriale Integrität seines Landes sei „nicht verhandelbar“. Mogadischu bemühe sich, die Angelegenheit sowohl auf UN-Ebene als auch innerhalb der Afrikanischen Union politisch einzuhegen. Gleichzeitig betonte Osman, dass der Dialog zwischen der Bundesregierung und Vertretern Somalilands seit Jahren laufe und ohne externe Eingriffe geführt werde.

Somalia weist zudem Berichte zurück, wonach Somaliland im Gegenzug zur israelischen Anerkennung Zusagen gemacht habe, etwa zur Aufnahme umgesiedelter Palästinenser oder zur Bereitstellung militärischer Infrastruktur. Präsident Hassan Sheikh Mohamud erklärte, sein Land werde sich an keinerlei Arrangements beteiligen, die dem Völkerrecht widersprechen oder die palästinensische Frage externalisieren.
Belastungsprobe für die Ratspräsidentschaft
Die israelische Initiative trifft Somalia in einer Phase, in der das Land den Sicherheitsrat in sensiblen Debatten moderieren soll. Analysten sehen darin eine zusätzliche Belastung für die somalische Präsidentschaft, da Mogadischu einerseits Neutralität und Führungsfähigkeit demonstrieren muss, andererseits aber unmittelbar von der Frage der Anerkennung Somalilands betroffen ist.
Gleichzeitig unterstreicht der Fall die Bedeutung grundlegender UN-Prinzipien wie Souveränität und territoriale Unversehrtheit, die Somalia während seines Vorsitzes besonders betont. Ob es Mogadischu gelingt, diese Herausforderung diplomatisch zu nutzen, ohne die Arbeitsfähigkeit des Sicherheitsrates zu beeinträchtigen, gilt als zentrale Bewährungsprobe der aktuellen Ratspräsidentschaft.