Fremdenfeindlichkeit in Südafrika eskaliert: Nigeria reagiert auf zwei getötete Staatsbürger

Nigeria bestellt Südafrikas Gesandten ein: Nach dem Tod von zwei Nigerianern wächst der diplomatische Druck auf Pretoria. Die neue Gewaltwelle trifft Migranten aus mehreren afrikanischen Staaten.

Nigeria bestellt den südafrikanischen Hochkommissar in Abuja wegen tödlicher Angriffe auf nigerianische Staatsbürger ein. Das Treffen ist für den 4. Mai angesetzt. Außenministerin Bianca Odumegwu-Ojukwu reagiert damit auf eine neue Welle fremdenfeindlicher Gewalt in Südafrika. Mindestens zwei Nigerianer kamen dabei ums Leben.

Abuja verlangt Erklärung von Pretoria

Der südafrikanische Hochkommissar Thamsanqa Mseleku soll im nigerianischen Außenministerium die Sorgen der Regierung in Abuja entgegennehmen. Ministeriumssprecher Kimiebi Ebienfa erklärte, Nigeria werde seine „tiefe Besorgnis“ über Misshandlungen nigerianischer Bürger und Angriffe auf deren Unternehmen formell übermitteln.

Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich bei einem der Todesopfer um Ekpenyong Andrew. Er sei zunächst festgenommen worden, bevor seine Leiche im Stadtteil Booysens in Pretoria entdeckt wurde. Der zweite Nigerianer, Amaramiro Emmanuel, starb demnach an Verletzungen nach einem Angriff.

Die nigerianische Regierung spricht von wachsendem Unmut unter ihren Staatsbürgern in Südafrika. Zugleich betont Abuja, die seit Langem bestehenden diplomatischen Beziehungen zu Pretoria erhalten zu wollen.

Angriffe treffen Migranten aus mehreren afrikanischen Staaten

Südafrika erlebt seit Ende März eine Zunahme von Gewalt gegen afrikanische Migranten. Besonders betroffen sind die Provinzen Ostkap und KwaZulu-Natal. Die Angriffe richten sich gegen Menschen aus Nigeria, Ghana, Simbabwe und weiteren afrikanischen Staaten.

Mehrere Gruppen beteiligen sich an den Übergriffen, darunter die Bewegung Operation Dudula. In Armenvierteln führen Aktivisten informelle Ausweiskontrollen durch. Geschäfte von Ausländern werden geplündert und beschädigt.

Die Gewalt knüpft an ein seit Jahren wiederkehrendes Muster an. Migranten werden in Südafrika immer wieder für Arbeitslosigkeit, Kriminalität oder Druck auf öffentliche Dienstleistungen verantwortlich gemacht. Solche Vorwürfe treffen häufig Menschen aus anderen afrikanischen Ländern, die in Handel, Dienstleistungen oder informeller Arbeit tätig sind.

Wirtschaftskrise verschärft Spannungen

Die Angriffe fallen in eine Phase hoher wirtschaftlicher Belastung. Die Arbeitslosenquote in Südafrika liegt zwischen 32 und 35 Prozent. Gleichzeitig zählt das Land zu den Staaten mit den größten sozialen Ungleichheiten weltweit.

Die Behörden verschärften zuletzt auch den migrationspolitischen Kurs. Im Fiskaljahr 2025/2026 registrierte Südafrika 57.784 Abschiebungen von Migranten. Das entspricht einem Anstieg von 46 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

Zahlen der Universität Witwatersrand zeigen das Ausmaß früherer fremdenfeindlicher Gewalt seit dem Ende der Apartheid. Seit 1994 wurden demnach 669 Menschen getötet, mehr als 5.310 Geschäfte geplündert und über 127.000 Menschen vertrieben.

Beziehungen zwischen Abuja und Pretoria unter Druck

Nigeria und Südafrika gehören zu den politisch und wirtschaftlich einflussreichsten Staaten des Kontinents. Wiederholte Angriffe auf Nigerianer in Südafrika haben die Beziehungen beider Länder bereits mehrfach belastet.

Abuja verbindet die Einbestellung des südafrikanischen Gesandten mit der Forderung nach Schutz für seine Bürger und deren Unternehmen. Pretoria steht damit erneut vor der Aufgabe, Gewalt gegen Migranten einzudämmen und zugleich die diplomatischen Spannungen mit einem wichtigen afrikanischen Partner zu begrenzen.

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