UN-Generalsekretär António Guterres hat beim 39. Gipfel der Afrikanischen Union eine Reform des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen gefordert und das Fehlen eines ständigen afrikanischen Sitzes als „unhaltbar“ bezeichnet. Am 14. Februar 2026 sagte er in Addis Abeba, die globale Ordnung müsse die politische Realität des 21. Jahrhunderts widerspiegeln.
Vor den Staats- und Regierungschefs der Afrikanische Union erklärte Guterres: „Es ist 2026 – nicht 1946.“ Wann immer Entscheidungen über Afrika und die Welt getroffen würden, müsse Afrika mit am Tisch sitzen. Der Generalsekretär verwies auf die langjährige Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen und der AU, die auf „Respekt, konstantem Dialog und unerschütterlicher Solidarität“ beruhe.
Reform der UN und des Sicherheitsrats
Guterres betonte, die Abwesenheit eines ständigen afrikanischen Sitzes im UN-Sicherheitsrat sei nicht zu rechtfertigen. Die Reform der internationalen Finanzarchitektur und des Sicherheitsrats sei Teil einer notwendigen Modernisierung multilateraler Institutionen.

Er verwies auf die im vergangenen Jahr verabschiedete Resolution 2719 des Sicherheitsrats, die einen Weg für berechenbare Finanzierungen von afrikanisch geführten Friedensmissionen eröffnet. Die Zusammenarbeit zwischen UN und AU habe in den vergangenen zehn Jahren neue Dimensionen erreicht, unter anderem bei Frieden und Sicherheit, nachhaltiger Entwicklung und Menschenrechten.
Forderungen zu Frieden und Sicherheit
Im Hinblick auf aktuelle Konflikte rief Guterres zu einem sofortigen Waffenstillstand im Sudan auf. In Südsudan solle der politische Dialog wiederbelebt werden. Für die Demokratische Republik Kongo forderte er die Achtung der territorialen Integrität. Auch für Libyen, Somalia sowie die Sahel-Region sprach er sich für afrikanisch geführte politische Lösungen mit internationaler Unterstützung aus.
Mit Blick auf Somalia bedauerte er, dass es im Sicherheitsrat keine Einigung über eine Finanzierung der AU-Unterstützungsmission aus Pflichtbeiträgen gebe.
Finanzierungslücke und Schuldenlast

Neben der Sicherheitsratsreform stellte Guterres wirtschaftspolitische Forderungen in den Mittelpunkt. Entwicklungsländer stünden vor einer jährlichen Finanzierungslücke von vier Billionen US-Dollar zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele. Afrikanische Staaten verlören jährlich mehr durch Schuldendienst und illegale Finanzströme, als sie an öffentlicher Entwicklungshilfe erhielten.
Er forderte eine Verdreifachung der Kreditvergabekapazität multilateraler Entwicklungsbanken sowie eine stärkere Beteiligung von Entwicklungs- und Schwellenländern an internationalen Finanzinstitutionen. Auf einer Pressekonferenz erklärte er, es sei „einfach skrupellos“, dass Afrika mit einem „Wirtschafts- und Finanzsystem, das völlig ungerecht bleibt“ konfrontiert sei.
Klima und Rohstoffe

Zum Klimaschutz sagte Guterres, die wissenschaftlichen Erkenntnisse seien eindeutig, die globale Erwärmung werde die 1,5-Grad-Grenze überschreiten. Afrika habe kaum zur Klimakrise beigetragen, sei aber überdurchschnittlich von Dürren, Überschwemmungen und Hitze betroffen. Er forderte Industriestaaten auf, ihre Mittel für Anpassungsmaßnahmen zu verdreifachen und bis 2035 jährlich 1,3 Billionen US-Dollar für Entwicklungsländer zu mobilisieren.
Zugleich sprach er sich dafür aus, dass afrikanische Staaten stärker von ihren Rohstoffen profitieren müssten. „Keine Ausbeutung mehr. Keine Plünderungen mehr. Die Menschen in Afrika müssen von den Ressourcen Afrikas profitieren“, sagte er. Kritische Mineralien sollten in fairen und nachhaltigen Wertschöpfungsketten verarbeitet werden.
Guterres erklärte abschließend, Afrika bleibe bis zum Ende seiner Amtszeit Priorität Nummer eins für die Vereinten Nationen.