Burkina Faso setzt auf wirtschaftliche Eigenständigkeit – Regierung meldet Milliarden aus Gold und Bergbau

„Burkina Faso wird die Welt überraschen“, erklärt Wirtschaftsminister Nacanabo. Die Regierung meldet 3,8 Milliarden Euro Bergbaueinnahmen, steigende Goldproduktion und einen Entwicklungsplan über 55 Milliarden Euro. Doch die wirtschaftliche Eigenständigkeit bleibt mit ehrgeizigen Zielen verbunden.

Burkina Fasos Regierung will den wirtschaftlichen Umbau des Landes verstärkt aus eigenen Einnahmen finanzieren und hat neue Zahlen zu Bergbau, Landwirtschaft und Energieversorgung vorgelegt. Die Ergebnisse wurden während der nationalen Aktionswochen vom 2. bis 16. Oktober 2026 in Ouagadougou vorgestellt. Nach Regierungsangaben flossen zwischen 2022 und 2025 rund 3,8 Milliarden Euro aus dem Bergbausektor an den Staat. Wirtschaftsminister Aboubakar Nacanabo sieht darin einen Beleg für den Kurs der Regierung unter Präsident Ibrahim Traoré und erklärte, Burkina Faso werde „die Welt überraschen“.

Wirtschaftsplan sieht Investitionen von 55 Milliarden Euro vor

Die Regierung verfolgt eine Wirtschaftsstrategie, die auf der stärkeren Nutzung nationaler Ressourcen, dem Ausbau der heimischen Produktion und einer geringeren Abhängigkeit von ausländischer Finanzierung beruht.

Grundlage ist der im Januar 2026 verabschiedete Entwicklungsplan RELANCE für die Jahre 2026 bis 2030. Das Programm hat ein geplantes Gesamtvolumen von umgerechnet rund 55,2 Milliarden Euro. Fast zwei Drittel davon sollen aus eigenen staatlichen und nationalen Finanzierungsquellen stammen.

Die Regierung strebt ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 7,2 Prozent jährlich an. Gleichzeitig soll die Armutsquote bis 2030 von 43,2 auf 35 Prozent sinken.

Bei einem öffentlichen Bürgerdialog verwies Finanzminister Nacanabo auf Fortschritte beim Ausbau der Sicherheitskräfte sowie beim Bau von Hochschulgebäuden und medizinischen Einrichtungen. Infrastrukturprojekte würden inzwischen teilweise innerhalb eines Jahres abgeschlossen.

Zur Finanzierung staatlicher Aufgaben gehört auch eine Abgabe von einem Prozent auf Löhne und Gehälter. Seit Januar brachte sie dem Staat nach Angaben des Ministers umgerechnet rund 44,2 Millionen Euro ein. Nacanabo verteidigte die Abgabe und erklärte, ihre Fortführung werde zur Verbesserung der Lage beitragen.

Goldproduktion erreicht 94 Tonnen

Besonders der Bergbausektor spielt bei der staatlichen Einnahmenpolitik eine zentrale Rolle. Energieminister Yacouba Zabré Gouba bezifferte die direkten Einnahmen des Staates aus dem Sektor für die Jahre 2022 bis 2025 auf rund 3,8 Milliarden Euro.

Die Regierung hat ihre Kontrolle über die Bodenschätze mit einer Reform des Bergbaugesetzes von 2024 und der Gründung der staatlichen Bergbaubeteiligungsgesellschaft SOPAMIB ausgeweitet.

Nach Angaben des Ministers erreichte die Goldproduktion 2025 insgesamt 94 Tonnen, einschließlich der handwerklichen Förderung. Die von der staatlichen Edelmetallgesellschaft SONASP erfasste Goldmenge sei von 457 Kilogramm im Jahr 2022 auf rund 40 Tonnen im Jahr 2025 gestiegen.

Ouagadougou will zudem mehr Gold im Inland verarbeiten, nationale Reserven aufbauen und die geologische Erkundung ausweiten. Auch die Verarbeitung anderer Rohstoffe soll verstärkt werden. Im Steinbruchsektor sind nach Regierungsangaben derzeit 40 Produktionsstandorte aktiv.

Landwirtschaft soll Lebensmittelbedarf selbst decken

In der Landwirtschaft meldet die Regierung ebenfalls höhere Produktionsmengen. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Nacanabo wurden mehr als sieben Millionen Tonnen Getreide geerntet. Präsident Traoré erklärte Anfang Oktober, dass die Reisproduktion erstmals eine Million Tonnen überschritten habe.

Damit decke die heimische Getreideproduktion rechnerisch mehr als den nationalen Bedarf, so die Regierung. Unabhängig überprüfte Angaben über die tatsächliche Versorgung der Bevölkerung liegen in den veröffentlichten Erklärungen nicht vor.

Traoré will die heimische Lebensmittelproduktion durch zusätzliche Landmaschinen, Bewässerungsanlagen, Saatgut und Düngemittel stärken. Gleichzeitig fordert er eine stärkere Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Land. Dazu zählen Baumwolle, Karité, Sesam, Mangos und tierische Produkte, die bislang teilweise unverarbeitet exportiert werden.

Unter dem Motto „Alle für Made in Burkina“ ruft der Präsident Bevölkerung, Unternehmen und staatliche Einrichtungen dazu auf, heimische Erzeugnisse bevorzugt zu kaufen. Öffentliche Einrichtungen und Schulkantinen sollen ihre Lebensmittel verstärkt von lokalen Produzenten und Genossenschaften beziehen.

Stromkapazität steigt, ländliche Versorgung bleibt begrenzt

Auch im Energiesektor meldet das zuständige Ministerium einen Ausbau. Die installierte Stromerzeugungsleistung stieg demnach von 501 Megawatt im Jahr 2022 auf mehr als 812 Megawatt im Oktober 2026.

Der Elektrifizierungsgrad in ländlichen Gebieten erhöhte sich im selben Zeitraum von etwa sechs auf knapp zwölf Prozent. Damit verfügt weiterhin ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung über keinen Stromanschluss.

Bis 2030 strebt die Regierung eine installierte Leistung von rund 2.500 Megawatt an.

Im Gesundheitsbereich verwies Wirtschaftsminister Nacanabo auf die Fortführung kostenloser medizinischer Leistungen und eine Halbierung der Kosten für Computertomografie-Untersuchungen.

Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen sind Teil der von Präsident Traoré ausgerufenen „Progressiven Volksrevolution“. Sie verbindet staatliche Investitionen und stärkere Kontrolle über nationale Ressourcen mit einer Kampagne für heimische Produktion und Konsum. Traoré will diese Politik auch innerhalb der Allianz der Sahelstaaten (AES) vorantreiben und den Handel zwischen Burkina Faso, Mali und Niger ausbauen.

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