Deutschland und Namibia richten ihre Entwicklungszusammenarbeit neu aus und konzentrieren sich künftig auf Wassersicherheit, Klimaschutz und grüne Industrie. Die Vereinbarung wurde bei einem strategischen Regierungsdialog am 29. und 30. September 2026 in Opuwo getroffen. Beide Länder wollen den Ausbau erneuerbarer Energien stärker mit Investitionen und beruflicher Bildung verbinden. Deutschland hatte Namibia 2025 bereits 43,8 Millionen Euro für Entwicklungsprojekte zugesagt.
Wassersicherheit und grüne Industrialisierung im Fokus
Die bislang sechs Bereiche umfassende Partnerschaft wird auf zwei strategische Schwerpunkte konzentriert. Der erste verbindet eine klimaresistente Wasserversorgung mit dem Schutz der biologischen Vielfalt und der Sicherung wirtschaftlicher Lebensgrundlagen. Der zweite umfasst die Energiewende, die Entwicklung grüner Industrien und die Qualifizierung von Fachkräften.
Beide Regierungen vereinbarten zudem, Möglichkeiten zur besseren Vorbereitung Namibias auf die Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño zu prüfen. Insbesondere längere Trockenperioden und schwankende Niederschläge können die Landwirtschaft und Wasserversorgung des Landes belasten.
Beim Ausbau erneuerbarer Energien sollen zusätzliche Handels- und Investitionsmöglichkeiten zwischen Deutschland und Namibia entstehen. Dazu wollen beide Staaten die technische und berufliche Ausbildung stärker am Arbeitsmarkt ausrichten. Vor allem junge Menschen sollen dadurch bessere Beschäftigungsmöglichkeiten in der entstehenden grünen Wirtschaft erhalten.
Deutschland ist Namibias größter Entwicklungspartner
Deutschland gehört seit der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 zu den wichtigsten internationalen Partnern des Landes. Nach Angaben der deutschen Botschaft in Windhuk ist Namibia gemessen an der Bevölkerung der größte Empfänger deutscher Entwicklungszusammenarbeit in Afrika.
Im November 2025 sagte die Bundesregierung 43,8 Millionen Euro für nachhaltige Stadtentwicklung, berufliche Bildung, erneuerbare Energien und den Schutz natürlicher Ressourcen zu. Die Mittel bestehen aus Zuschüssen und zinsvergünstigten Darlehen.

Das laufende deutsche Entwicklungsportfolio umfasst mehr als 50 Projekte. Sie werden durch die KfW Entwicklungsbank, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) umgesetzt. Beide Regierungen wollen zusätzlich neue Finanzierungsinstrumente prüfen.
Wasserkraftwerk und Naturschutz als bisherige Ergebnisse
Die deutsch-namibische Zusammenarbeit hat bereits mehrere größere Infrastruktur- und Naturschutzprojekte unterstützt. Dazu gehört die Erweiterung und Modernisierung des Wasserkraftwerks Ruacana, das über eine installierte Leistung von 437 Megawatt verfügt.
Im Naturschutz tragen gemeinschaftlich verwaltete Schutzgebiete nach Angaben beider Regierungen zur Sicherung der Lebensgrundlagen von rund 283.000 Menschen bei. Die Programme verbinden den Schutz natürlicher Ressourcen mit Einkommensmöglichkeiten für die örtliche Bevölkerung.
Die Gespräche in Opuwo wurden auf deutscher Seite von Birgit Gerhardus, Leiterin des Referats Südliches Afrika im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), geführt. Die namibische Delegation leitete I-Ben Natangwe Nashandi, Exekutivdirektor der Nationalen Planungskommission.
Die vereinbarten Schwerpunkte orientieren sich an Namibias nationalem Entwicklungsplan, der wirtschaftlichen Strukturwandel, Beschäftigung, gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit und ökologische Nachhaltigkeit miteinander verbindet.

