Afrikas Kampf gegen illegalen Goldabbau: Guinea vertreibt Tausende, Ägypten setzt Militär ein

Afrikas Kampf gegen illegalen Goldabbau hat zunehmend politische und humanitäre Folgen. In Guinea sind Tausende Goldschürfer nach Mali geflohen, während Ägyptens Armee Hunderte Menschen festgenommen hat und weitere Einsätze vorbereitet.

Guinea und Ägypten verschärfen ihren Kampf gegen illegalen Goldabbau, der zunehmend zu einem Sicherheitsproblem wird und schwere politische sowie humanitäre Folgen hat. Die jüngsten Maßnahmen und ihre Auswirkungen wurden zwischen dem 2. und 5. November 2026 bekannt. In Guinea haben Einsätze gegen unregulierte Goldminen Tausende Menschen zur Flucht ins benachbarte Mali veranlasst und einen diplomatischen Konflikt mit Burkina Faso ausgelöst. Ägyptens Militär meldet unterdessen Hunderte Festnahmen und zwei getötete Offiziere bei Operationen gegen illegale Goldschürfer nahe der sudanesischen Grenze.

Die Entwicklungen zeigen unterschiedliche Ansätze im Umgang mit dem unkontrollierten Abbau eines der wichtigsten afrikanischen Rohstoffe. Während Guinea den Schutz von Flüssen und landwirtschaftlichen Flächen in den Vordergrund stellt, bekämpft Ägypten nach eigenen Angaben zunehmend bewaffnete Netzwerke, die Goldförderung mit Schmuggel und anderen illegalen Aktivitäten verbinden.

Guinea verbietet unregulierten Goldabbau in Siguiri

Guineas Regierung hat die unregulierte Goldförderung in der nordöstlichen Region Siguiri vollständig untersagt. Das Verbot wurde am 2. November von fünf Regierungsmitgliedern verkündet, darunter Bergbauminister Bouna Sylla sowie Vertreter der Verteidigungs-, Sicherheits- und Umweltbehörden.

Die Regierung begründet ihr Vorgehen mit schweren Umweltschäden durch die Goldförderung außerhalb der geltenden Vorschriften. Inspektionen hätten gezeigt, dass schwere Maschinen landwirtschaftliche Flächen und Vegetation zerstören. Hinzu kämen die Verschmutzung und Versandung wichtiger Flüsse, insbesondere des Niger und des Tinkisso.

Verboten sind unter anderem der Einsatz von Schwimmbaggern, die Goldgewinnung und Erzaufbereitung in Flussbetten sowie die Verwendung von Quecksilber, Zyanid und Sprengstoffen. Auch in Naturschutzgebieten, geschützten Wäldern, auf landwirtschaftlichen Nutzflächen und in der Nähe von Siedlungen darf kein Gold abgebaut werden.

Zur Durchsetzung hat die Regierung die dauerhafte Stationierung von Sicherheitskräften in Siguiri angeordnet. Militär, Polizei, Gendarmerie und Zoll sollen illegale Abbaustätten kontrollieren und den Transport von Maschinen, Chemikalien und anderer Ausrüstung verhindern.

Zudem werden die Identität und der Aufenthaltsstatus der dort beschäftigten Goldschürfer überprüft. Ausländer ohne gültige Aufenthaltserlaubnis müssen mit ausländerrechtlichen Maßnahmen rechnen. Der Handel mit Gold aus der Region ist künftig ausschließlich über zugelassene Verkaufsstellen gestattet.

Tausende Goldschürfer fliehen nach Mali – mehrere Tote

Die Maßnahmen haben eine Fluchtbewegung aus der guineischen Bergbauregion ausgelöst. Tausende Menschen, überwiegend aus Burkina Faso und Mali, verließen die Goldminen von Siguiri und überquerten die Grenze nach Mali.

Besonders betroffen ist die Grenzstadt Kouremalé. Dort mussten die örtlichen Behörden kurzfristig zahlreiche Menschen aufnehmen, von denen viele ohne ausreichende Versorgung ankamen.

Die staatliche malische Nachrichtenagentur AMAP meldete am 5. November mindestens vier Todesfälle unter den aus Guinea zurückgekehrten Goldschürfern. Etwa 100 weitere Menschen mussten im örtlichen Gesundheitszentrum behandelt werden. Unter den Verletzten befanden sich nach Angaben der Agentur auch Personen mit Schusswunden.

Ein Vertreter der burkinischen Botschaft in Mali sprach von neun Todesopfern. Diese höhere Zahl war zunächst nicht unabhängig bestätigt. Auch die genauen Umstände der Todesfälle sind noch nicht abschließend geklärt.

Der Bürgermeister der malischen Gemeinde Benkadi berichtete von Schüssen und zwangsweisen Vertreibungen während der Einsätze guineischer Spezialeinheiten an den Goldabbaustätten.

Guinea erklärte dagegen, die Operationen würden im Einklang mit nationalem Recht durchgeführt. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen, die Menschenrechte zu achten und die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Burkina Faso kritisiert Vorgehen der guineischen Behörden

Die Vertreibung der Goldschürfer belastet inzwischen die Beziehungen zwischen Guinea und Burkina Faso.

Burkinas Sicherheitsminister Mahamadou Sana kritisierte insbesondere, dass sein Land vor Beginn der Maßnahmen nicht informiert worden sei. Guinea verfüge über diplomatische Kontaktmöglichkeiten zur burkinischen Botschaft in Conakry und zum Honorarkonsulat, habe diese jedoch nicht genutzt.

Sana erhob zudem Vorwürfe wegen der Behandlung burkinischer Staatsangehöriger. Diese seien während der Einsätze unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen ausgesetzt gewesen, erklärte er. Dabei sei es zu Verletzungen und Todesfällen gekommen.

Burkina Faso organisierte daraufhin gemeinsam mit Mali die Betreuung und Rückführung seiner Staatsangehörigen. Eine Regierungsdelegation reiste nach Mali, um die Aufnahme und den Weitertransport der Betroffenen zu koordinieren.

Am 4. November berieten die Sicherheitsminister beider Länder in Bamako über entsprechende Maßnahmen. Sie vereinbarten nach Angaben der malischen Regierung, die Rückkehr der burkinischen Staatsangehörigen geordnet und sicher zu gestalten.

Die Auswirkungen betreffen auch die Zusammenarbeit innerhalb der Allianz der Sahelstaaten, der Burkina Faso, Mali und Niger angehören. Bei den Gesprächen wurde ausdrücklich eine bessere Abstimmung beim Umgang mit grenzüberschreitenden Krisen angesprochen.

Goldabbau ist für Guineas Wirtschaft von erheblicher Bedeutung

Das Vorgehen in Siguiri trifft einen Wirtschaftszweig, der für Guinea große Bedeutung besitzt.

Nach Angaben von Bergbauminister Bouna Sylla produzierte das Land 2024 rund 72 Tonnen Gold. Etwa 70 Prozent davon stammten aus dem handwerklichen und kleingewerblichen Bergbau.

Dieser Bereich bietet zahlreichen Menschen Beschäftigung, entzieht sich aber teilweise der staatlichen Kontrolle. Nicht registrierte Förderstätten erschweren die Überwachung von Arbeitsbedingungen, Umweltauflagen und Goldverkäufen.

Die guineische Regierung will den Sektor deshalb stärker regulieren und die industrielle Verarbeitung ausbauen. Halb-industrielle Förderaktivitäten sollen künftig einheimischen Unternehmen vorbehalten bleiben.

Parallel dazu verfolgt Guinea den Aufbau eigener Verarbeitungskapazitäten. Anfang November eröffnete Präsident Mamadi Doumbouya die Goldraffinerie Nimba Gold Refinery in Gbessia. Die Regierung verbindet den Ausbau der Raffineriekapazitäten mit dem Ziel, einen größeren Teil der Wertschöpfung im eigenen Land zu halten.

Ägyptens Armee bereitet vierte Phase ihrer Goldminen-Operation vor

Auch Ägypten geht mit militärischen Mitteln gegen den illegalen Goldabbau vor. Die Streitkräfte kündigten am 5. November an, ihre seit Juni laufende Operation in der Ostwüste weiter auszuweiten.

Die vierte Phase soll am Samstag, 7. November, beginnen. Sie richtet sich gegen nicht genehmigte Förderstätten und bewaffnete Gruppen, die nach Darstellung des Militärs Teile der goldreichen Wüstengebiete kontrollieren.

Militärsprecher Ahmed Othman Ali erklärte auf einer Pressekonferenz, bei den bisherigen Einsätzen seien 151 ägyptische Staatsangehörige und 540 Ausländer festgenommen worden.

Weitere 6.614 Menschen hätten sich nach vorherigen Warnungen selbst an Kontrollstellen gemeldet. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten außerdem 34 Schusswaffen, mehr als 6.300 Schuss Munition, 317 Fahrzeuge und 916 technische Geräte und Maschinen.

Hinzu kamen Funk- und Satellitenkommunikationsgeräte, Stromgeneratoren und Ausrüstung zur Goldsuche. Mehr als 4.400 provisorische Unterkünfte wurden nach Angaben des Militärs abgebaut.

Die ersten drei Operationsphasen fanden zwischen dem 14. Juni und dem 29. Oktober statt. Betroffen waren unter anderem Gebiete bei Marsa Alam am Roten Meer und die goldreiche Region Jabal Eiqaat im Süden Ägyptens.

Othman erklärte, die eingesetzten Kräfte hätten 52 Standorte bewaffneter Gruppen identifiziert. Diese seien teilweise mit automatischen Waffen, Panzerabwehrwaffen und militärisch genutzten Fahrzeugen ausgestattet gewesen.

Zwei ägyptische Offiziere bei Einsätzen getötet

Die militärischen Operationen forderten auch Opfer innerhalb der ägyptischen Streitkräfte.

Militärsprecher Othman bestätigte den Tod zweier Offiziere, darunter eines ranghohen Grenzschutzoffiziers. Beide seien bei Auseinandersetzungen während der Kampagne gegen den illegalen Goldabbau getötet worden.

Den genauen Zeitpunkt ihres Todes nannte der Sprecher nicht.

Das Militär begründet die Operationen neben der Sicherung staatlicher Rohstoffe mit der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität. Nicht genehmigte Goldminen würden nach Darstellung der Streitkräfte teilweise als Rückzugsorte für bewaffnete Gruppen und als Umschlagplätze für Waffen und Schmuggelwaren genutzt.

Die Behörden verweisen außerdem auf Schäden durch unsachgemäße Goldgewinnung. Chemikalien und Abfälle könnten Böden und Wasserquellen belasten. Zugleich verbrauchten die illegalen Förderstätten erhebliche Mengen an Treibstoff und Wasser, die in den Wüstenregionen nur begrenzt verfügbar seien.

Goldschmuggel belastet Verhältnis zwischen Ägypten und Sudan

Besonders sensibel ist der Kampf gegen illegale Goldförderung im Grenzgebiet zwischen Ägypten und Sudan.

Seit Beginn des sudanesischen Bürgerkriegs im April 2023 hat die Goldförderung in Teilen des Landes an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen. Der Handel mit Gold dient unterschiedlichen Akteuren als Einnahmequelle, während Schmuggelrouten über die ägyptische Grenze eine wichtige Rolle spielen.

Zu den betroffenen Gebieten gehört die mineralreiche Grenzregion um Halayeb und Shalateen, deren staatliche Zugehörigkeit zwischen Ägypten und Sudan umstritten ist.

Zusätzliche Spannungen entstanden im Oktober durch Berichte über einen Luftangriff auf eine Goldmine im Norden Sudans. Die sudanesische Menschenrechtsorganisation Emergency Lawyers erklärte, dabei seien mindestens 72 Goldschürfer getötet worden, und beschuldigte die ägyptische Luftwaffe.

Eine unabhängige Bestätigung dieser Anschuldigungen lag zunächst nicht vor. Das ägyptische Militär äußerte sich zu dem konkret gemeldeten Angriff nicht ausdrücklich.

Bei seiner Pressekonferenz am 5. November betonte Militärsprecher Othman, sämtliche Operationen gegen illegalen Goldabbau fänden auf ägyptischem Staatsgebiet statt. Zudem stehe Kairo mit den sudanesischen Behörden in Kontakt und tausche Informationen zur Sicherung der gemeinsamen Grenze aus.

Nach ägyptischen Angaben sollen auch das Innen-, Justiz- und Außenministerium in die Bekämpfung illegaler Förderstätten eingebunden werden. Das Außenministerium koordiniert dabei unter anderem die Rückführung ausländischer Staatsangehöriger, die im Zusammenhang mit den Operationen festgenommen wurden.

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