Trotz Bitte aus Mogadischu: Uganda zieht sämtliche Truppen aus Somalia ab

Nach fast 20 Jahren beendet Uganda seinen Militäreinsatz in Somalia. Bis Ende 2027 sollen sämtliche Soldaten abgezogen werden – obwohl Somalias Präsident erst vergangene Woche um eine längere Unterstützung im Kampf gegen Al-Shabaab gebeten hatte.

Uganda hat mit dem Abzug seiner Soldaten aus Somalia begonnen und will seinen fast 20-jährigen Militäreinsatz in dem ostafrikanischen Land bis Ende 2027 vollständig beenden. Das gab die ugandische Armee am Montag, dem 2. November 2026, bekannt. Erste Soldaten sind bereits nach Uganda zurückgekehrt, weitere Einheiten sollen in den kommenden Tagen folgen. Die Ankündigung erfolgt nur eine Woche, nachdem Somalias Präsident Hassan Sheikh Mohamud Uganda ausdrücklich um eine längere militärische Unterstützung im Kampf gegen die islamistische Al-Shabaab-Miliz gebeten hatte.

Das ugandische Verteidigungsministerium bestätigte in Kampala, dass der Rückzug zunächst Soldaten betrifft, die aufgrund bilateraler Vereinbarungen mit der somalischen Bundesregierung stationiert sind. Diese Phase soll innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden.

Anschließend sollen schrittweise auch sämtliche ugandischen Kräfte abgezogen werden, die an der Unterstützungs- und Stabilisierungsmission der Afrikanischen Union in Somalia (AUSSOM) beteiligt sind. Bis Ende 2027 will Uganda keine Soldaten mehr im Rahmen seiner bisherigen Einsätze in Somalia stationiert haben.

„Dies wird das Ende von Ugandas 20-jährigem Einsatz zur Unterstützung von Frieden und Stabilisierung in Somalia markieren und den somalischen Streitkräften ermöglichen, die volle Verantwortung für die Sicherheit des Landes zu übernehmen“, erklärte Armeesprecher Chris Magezi.

Zur Zahl der bereits abgezogenen Soldaten und zum genauen Zeitplan für die verbleibenden Einheiten machte das Verteidigungsministerium keine weiteren Angaben.

Somalias Präsident hatte um längeren Einsatz gebeten

Der angekündigte vollständige Rückzug steht im Gegensatz zu einem erst wenige Tage zuvor geäußerten Wunsch der somalischen Regierung.

Bei einem Treffen mit Ugandas Präsident Yoweri Museveni am 26. Oktober in Entebbe hatte der somalische Staatschef Hassan Sheikh Mohamud ausdrücklich darum gebeten, die ugandischen Streitkräfte länger im Land zu belassen.

Mohamud würdigte Ugandas militärischen Beitrag zur Bekämpfung von Al-Shabaab und äußerte die Hoffnung, dass die ugandischen Soldaten ihre Unterstützung bis zur weiteren Stabilisierung des Landes fortsetzen würden. Dies bestätigte das ugandische Präsidialamt im Anschluss an die Gespräche.

Museveni betonte bei dem Treffen, dass Somalia seine politischen und gesellschaftlichen Kräfte im Kampf gegen die islamistische Miliz bündeln müsse. Die anhaltenden Probleme des Landes führte er unter anderem auf ideologische Spaltungen und eine unzureichende Auseinandersetzung mit den Ursachen des Konflikts zurück.

„Vereint die Vielen, um die Wenigen zu besiegen“, forderte Museveni.

Eine Vereinbarung über eine Verlängerung des ugandischen Militäreinsatzes wurde bei dem Treffen nicht bekannt gegeben.

Uganda beendet einen Militäreinsatz, der 2007 begann

Uganda gehört zu den langjährigen militärischen Unterstützern Somalias. Im März 2007 entsandte das Land als erster afrikanischer Staat Soldaten im Rahmen der damaligen Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM).

Die Truppen unterstützten zunächst die somalische Übergangsregierung und beteiligten sich anschließend an zahlreichen Operationen gegen Al-Shabaab. Die mit Al-Qaida verbundene Miliz kämpft seit Jahren gegen die somalische Regierung und kontrolliert beziehungsweise beeinflusst weiterhin Gebiete insbesondere im Süden und Zentrum des Landes.

Ugandische Soldaten waren an der Sicherung der Hauptstadt Mogadischu, wichtiger Verkehrsverbindungen und weiterer strategischer Gebiete beteiligt. Bei den Einsätzen wurden wiederholt Angehörige der ugandischen Streitkräfte getötet.

Die ursprüngliche Mission AMISOM wurde 2022 durch die Übergangsmission ATMIS ersetzt. Seit Januar 2025 operieren die internationalen Truppen unter dem Mandat der Unterstützungs- und Stabilisierungsmission AUSSOM. Diese soll die somalischen Sicherheitskräfte stärken und ihnen schrittweise die Verantwortung für die Sicherheit des Landes übertragen.

Bereits am 29. Oktober hatte Ugandas Armeechef Muhoozi Kainerugaba den Beginn des Rückzugs öffentlich angekündigt.

„Wie versprochen haben wir damit begonnen, die ugandischen Streitkräfte aus Somalia abzuziehen. Nach 20 Jahren voller Blutvergießen und Opfer übergeben wir die Verantwortung für die Sicherheit an unsere somalischen Brüder“, schrieb er auf der Plattform X.

Finanzierungsprobleme belasten die Mission der Afrikanischen Union

Der ugandische Rückzug fällt in eine Phase erheblicher finanzieller Schwierigkeiten der AU-Mission in Somalia.

Die ugandische Tageszeitung Daily Monitor berichtete am 30. Oktober, dass die Vereinigten Staaten der Afrikanischen Union im Juli mitgeteilt hätten, eine Verlängerung des AUSSOM-Mandats im UN-Sicherheitsrat im Dezember nicht unterstützen zu wollen.

Zugleich seien die Mittel des Unterstützungsbüros der Vereinten Nationen in Somalia (UNSOS) um 25 Prozent gekürzt worden. Dies beeinträchtige die Versorgung und Unterstützung der internationalen Truppen bei ihren Einsätzen.

Die Finanzierung der AU-Mission hängt seit Jahren von internationalen Beiträgen ab. Die beteiligten afrikanischen Staaten stellen Soldaten und militärische Fähigkeiten, während internationale Partner einen erheblichen Teil der Kosten für Personal, Ausrüstung und Logistik tragen.

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den finanziellen Schwierigkeiten und der nun angekündigten ugandischen Rückzugsentscheidung wurde vom Verteidigungsministerium in seiner Erklärung nicht ausdrücklich hergestellt.

Somalische Streitkräfte sollen Sicherheitsverantwortung übernehmen

Mit dem geplanten Abzug verliert die somalische Regierung einen ihrer langjährigsten militärischen Partner im Kampf gegen Al-Shabaab.

Die Miliz verübt weiterhin Anschläge auf staatliche Einrichtungen, Sicherheitskräfte und zivile Ziele. Auch in Gebieten, die von somalischen und internationalen Truppen zurückerobert wurden, kommt es zu Angriffen.

Die somalischen Streitkräfte werden seit Jahren von internationalen Partnern ausgebildet und ausgerüstet, um zunehmend eigenständig gegen die Aufständischen vorzugehen.

Ugandas Entscheidung betrifft sowohl seine eigenständigen bilateralen Truppenstationierungen als auch die Beteiligung an AUSSOM. Die angekündigte Frist bis Ende 2027 bezieht sich auf den vollständigen Abzug ugandischer Kräfte, nicht auf das Ende der gesamten Mission der Afrikanischen Union.

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