Nach dem Untergang einer Ölbohrplattform vor der Küste Gabuns ist ein Arbeiter tot geborgen worden, während vier weitere Menschen vermisst werden. Der Unfall ereignete sich am Samstag, dem 24. Oktober 2026, gegen 20.37 Uhr Ortszeit im Offshore-Ölfeld Dussafu südlich von Mayumba. Von den 115 Menschen an Bord der Bohrplattform „Prospector 5“ konnten 110 gerettet werden. Die Regierung hat das Militär mobilisiert, die Republik Kongo um Unterstützung gebeten und eine Untersuchung eingeleitet. Zugleich überwachen Einsatzkräfte mögliche Umweltgefahren durch rund 280.000 Liter Dieselkraftstoff an Bord der gesunkenen Anlage.
Der Tod eines indischen Mitarbeiters wurde am Sonntag von Sylvain Mayabi Binet, Generalsekretär der Nationalen Organisation der Erdölbeschäftigten, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt. Bei den vier weiteren Vermissten handelt es sich demnach um drei gabunische Staatsangehörige und einen kroatischen Mitarbeiter.
Die gabunische Regierung hatte in ihrer Erklärung vom 25. Oktober noch fünf Vermisste gemeldet. Eine offizielle Bestätigung des Todesfalls durch die Behörden lag zunächst nicht vor.
Bohrplattform verliert bei Vorbereitungsarbeiten ihre Stabilität
Die „Prospector 5“ gehört dem Offshore-Bohrunternehmen Borr Drilling und war im Auftrag des norwegischen Energiekonzerns BW Energy vor der Küste Gabuns im Einsatz.
Zum Zeitpunkt des Unfalls bereitete sich die Plattform auf eine neue Bohrkampagne im Ölfeld Dussafu Marin vor.
Nach ersten Erkenntnissen von Borr Drilling verlor die selbsthebende Bohrplattform während der Positionierung und Belastungsprüfung ihrer Stützbeine plötzlich die Stabilität.
Dabei soll ein Stützfuß unerwartet in den Meeresboden eingesunken sein. Durch die ungleichmäßige Belastung geriet die Konstruktion in Schieflage und sank anschließend.
Bei einer solchen Plattform stehen die Bohranlagen auf langen, bis zum Meeresboden reichenden Stützbeinen. Vor Beginn der Bohrarbeiten wird der schwimmende Rumpf über die Wasseroberfläche gehoben und die Tragfähigkeit des Untergrunds geprüft.
Die genaue Ursache des Unfalls ist noch nicht abschließend geklärt.
Borr Drilling aktivierte unmittelbar nach dem Untergang seinen Krisenstab und begann gemeinsam mit BW Energy und den gabunischen Behörden die Rettungsmaßnahmen.
Gabun und Republik Kongo setzen Kriegsschiffe und Hubschrauber ein
Präsident Brice Clotaire Oligui Nguema ordnete eine umfassende Mobilisierung der staatlichen Sicherheitskräfte an. Auch die gabunische Marine beteiligt sich an den Suchoperationen.
Bereits in der Unfallnacht waren zwei Hubschrauber im Einsatz. Am Sonntagmorgen kam um 6 Uhr ein dritter hinzu.
Parallel durchsuchen Einsatzkräfte das Meer und die Küstengebiete. Ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge sollen zudem die gesunkene Plattform und den Meeresboden untersuchen.
Die Regierung richtete einen zentralen Krisenstab unter Leitung des Erdöl- und Gasministeriums ein. Die operative Koordination übernimmt ein maritimer Führungsstab unter Verantwortung der Marine.
Weitere Krisenzentren wurden in Mayumba und Port-Gentil eingerichtet.
Auch die benachbarte Republik Kongo beteiligt sich an den Rettungsmaßnahmen. Präsident Oligui Nguema hatte dazu persönlich mit seinem kongolesischen Amtskollegen Denis Sassou Nguesso gesprochen.
Anschließend mobilisierte die Republik Kongo Einheiten ihrer Marine zur Unterstützung der Suche.
Die 110 geretteten Beschäftigten sollten mit zwei Schiffen nach Port-Gentil gebracht werden. Ihre Ankunft war für Montag, den 26. Oktober, vorgesehen.
Dort stehen medizinische und psychologische Betreuungsteams bereit, die durch zusätzliches Fachpersonal aus Libreville verstärkt werden.
280.000 Liter Diesel auf gesunkener Plattform
Neben der Suche nach den Vermissten konzentrieren sich die Behörden auf die möglichen Umweltfolgen.
Nach Angaben der Regierung befanden sich auf der „Prospector 5“ zum Zeitpunkt des Unfalls rund 280 Kubikmeter Dieselkraftstoff. Das entspricht 280.000 Litern.
Bislang wurde kein Austritt von Kohlenwasserstoffen festgestellt. Dennoch halten die Behörden Überwachungs- und Bekämpfungskapazitäten bereit, um auf mögliche Verschmutzungen reagieren zu können.
Besonders geschützt werden sollen die Küstengebiete rund um Mayumba und der angrenzende Nationalpark. Die Region verfügt über empfindliche marine Ökosysteme.
BW Energy erklärte, an der benachbarten Ölförderanlage MaBoMo seien weder Schäden noch ein unbeabsichtigter Austritt schädlicher Stoffe festgestellt worden.
Die Produktion der MaBoMo-Anlage war bereits im Rahmen der regulären Sicherheitsmaßnahmen während der Bohrvorbereitungen eingestellt worden. Der Konzern stellte klar, dass der Betrieb zum Zeitpunkt des Unfalls bereits ruhte.
Die Angaben über bislang ausgebliebene Schadstoffaustritte beziehen sich auf den bisherigen Beobachtungsstand. Eine abschließende Bewertung der Umweltfolgen des Untergangs liegt noch nicht vor.
Präsident verlangt vollständige Aufklärung
Präsident Oligui Nguema kündigte an, die Ursachen des Unglücks und mögliche Verantwortlichkeiten untersuchen zu lassen.

„Die Gabuner haben das Recht zu erfahren, was geschehen ist“, erklärte er in einer öffentlichen Stellungnahme.
Er habe persönlich mit der Geschäftsführung von BW Energy gesprochen und eine vollständige Zusammenarbeit mit den staatlichen Ermittlern eingefordert.
Die Ergebnisse der Untersuchung sollen veröffentlicht werden.
Neben den technischen Ursachen sollen die zuständigen Behörden auch die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften prüfen. Dazu gehört insbesondere die Frage, weshalb die Plattform während der vorbereitenden Arbeiten ihre Standfestigkeit verlor.
Der Vorstandsvorsitzende von Borr Drilling, Bruno Morand, erklärte, das Unternehmen konzentriere sich zunächst auf die Suche nach den Vermissten und die Betreuung der betroffenen Beschäftigten.
Die Regierung sicherte den Angehörigen regelmäßige Informationen über den Fortgang der Rettungsmaßnahmen zu.
Unfall trifft einen wichtigen Wirtschaftszweig Gabuns
Der Untergang ereignete sich in einem der Offshore-Fördergebiete Gabuns. Die Erdölindustrie gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des zentralafrikanischen Landes und spielt eine bedeutende Rolle bei Exporten und Staatseinnahmen.
Das Dussafu-Projekt wird von BW Energy betrieben. Der Konzern entwickelt und produziert Erdöl und Erdgas unter anderem in Gabun, Brasilien und Namibia.
Die „Prospector 5“ sollte zusätzliche Bohrarbeiten unterstützen. Mit dem Untergang fällt die vorgesehene Bohranlage für diese Kampagne aus.
Wie sich der Unfall auf die weiteren Bohrpläne und die künftige Förderentwicklung im Dussafu-Gebiet auswirkt, haben die beteiligten Unternehmen noch nicht beziffert.
Die MaBoMo-Produktionsanlage selbst wurde nach Unternehmensangaben nicht beschädigt. Ein Termin für die Wiederaufnahme der dortigen Förderung wurde zunächst nicht mitgeteilt.

