USA warnen Äthiopien und Eritrea vor neuem Krieg – Netanyahu telefoniert mit Abiy Ahmed

Washington schaltet sich in die Eskalation zwischen Äthiopien und Eritrea ein. US-Außenminister Marco Rubio fordert Ministerpräsident Abiy Ahmed zur Achtung der Grenzen und zur Deeskalation auf. Die Region könne keinen weiteren Krieg verkraften. Addis Abeba hebt dagegen vor allem die fortgesetzte amerikanische Unterstützung hervor.

US-Außenminister Marco Rubio hat angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea vor einer weiteren militärischen Eskalation am Horn von Afrika gewarnt. In einem Telefongespräch mit dem äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, forderte Rubio die Achtung der staatlichen Souveränität und territorialen Grenzen. Washington verlangt von allen Konfliktparteien, grenzüberschreitende Militäroperationen zu unterlassen und zu Verhandlungen zurückzukehren. Addis Abeba stellte das Gespräch dagegen vor allem als Bestätigung der amerikanischen Unterstützung für Äthiopien dar.

Washington fordert Ende grenzüberschreitender Militäroperationen

Das US-Außenministerium machte nach dem Gespräch deutlich, dass die Vereinigten Staaten eine weitere Ausweitung der Auseinandersetzungen zwischen Äthiopien und Eritrea verhindern wollen.

Rubio unterstütze eine Deeskalation durch sämtliche Konfliktparteien, erklärte das Ministerium. Eine dauerhafte Lösung der innerstaatlichen und grenzüberschreitenden Spannungen könne ausschließlich durch Dialog und diplomatische Verständigung erreicht werden.

Ausdrücklich verwies der amerikanische Außenminister auf das Friedensabkommen zwischen Äthiopien und Eritrea aus dem Jahr 2018. Beide Länder hätten sich damals auf einen politischen Rahmen zur Beilegung ihrer jahrzehntelangen Auseinandersetzungen verständigt.

Rubio betonte, sämtliche Staaten am Horn von Afrika müssten die Souveränität und territoriale Integrität ihrer Nachbarn respektieren und grenzüberschreitende militärische Vorstöße vermeiden.

Die Region könne sich keinen weiteren Konflikt leisten, erklärte das US-Außenministerium.

Äthiopien spricht von fortgesetzter Unterstützung durch die USA

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed setzte nach dem Telefonat andere Schwerpunkte. Er bezeichnete die Unterhaltung mit Rubio als „sehr fruchtbar“ und hob die Zusammenarbeit zwischen Addis Abeba und Washington hervor.

„Unser Gespräch belegt das Engagement beider Länder, ihre langjährigen Beziehungen in eine strategischere und praktischere Partnerschaft zu überführen“, erklärte Abiy in einer Mitteilung über soziale Medien.

Zugleich begrüßte der Regierungschef die Zusicherung einer fortgesetzten amerikanischen Unterstützung für Äthiopien.

Beide Regierungen hätten ihre Bereitschaft bekräftigt, die bilaterale Zusammenarbeit sowie gemeinsame regionale und multilaterale Interessen voranzubringen.

Auf die amerikanische Forderung, grenzüberschreitende Militäroperationen zu vermeiden, ging Abiy in seiner öffentlichen Erklärung nicht ausdrücklich ein. Auch Eritrea wurde in der äthiopischen Darstellung des Telefonats nicht als zentraler Gesprächsgegenstand genannt.

Die Stellungnahme des US-Außenministeriums konzentrierte sich dagegen nahezu vollständig auf die Spannungen zwischen den beiden Nachbarstaaten.

Äthiopien und Eritrea nach diplomatischem Bruch auf Konfrontationskurs

Die diplomatische Intervention Washingtons erfolgt nach einer erheblichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea.

Anfang Oktober hatte Äthiopien die Schließung seiner Botschaft in Asmara angekündigt und zehn eritreische Diplomaten zur Ausreise aufgefordert. Addis Abeba begründete die Maßnahmen mit angeblichen feindseligen Aktivitäten Eritreas und einer Bedrohung der nationalen Sicherheit.

Eritrea wies die Vorwürfe zurück und brach seinerseits die diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien ab.

Der Streit wird durch die erneuten militärischen Auseinandersetzungen in der nordäthiopischen Region Tigray verschärft. Äthiopien beschuldigt Eritrea, bewaffnete oppositionelle Gruppen zu unterstützen und militärisch in äthiopisches Staatsgebiet eingedrungen zu sein.

Eritrea bestreitet die Vorwürfe und wirft der äthiopischen Regierung vor, eine militärische Konfrontation vorzubereiten.

Beide Regierungen haben sich inzwischen mit ihren gegenseitigen Anschuldigungen an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gewandt. Addis Abeba beruft sich auf das Recht zur Selbstverteidigung, während Asmara internationale Maßnahmen zur Verhinderung eines äthiopischen Angriffs fordert.

Streit um Zugang zum Roten Meer belastet die Beziehungen

Hinter der Konfrontation steht auch der seit Jahren ungelöste Streit über Äthiopiens Zugang zum Meer.

Äthiopien verlor mit der Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 seinen direkten Zugang zum Roten Meer. Die Regierung in Addis Abeba betrachtet einen gesicherten maritimen Zugang als strategisches und wirtschaftliches Interesse des Landes.

Abiy Ahmed hat wiederholt betont, dass Äthiopien als bevölkerungsreicher Binnenstaat Zugang zu Seehäfen benötige.

Eritrea sieht insbesondere äthiopische Äußerungen über einen souveränen Zugang zum Roten Meer als Bedrohung seiner territorialen Integrität. Die eritreische Regierung wirft Addis Abeba vor, Ansprüche auf eritreische Häfen und Küstengebiete zu erheben.

Der Streit betrifft damit auch die Kontrolle über die Verkehrs- und Handelswege am Roten Meer, die Afrika, den Nahen Osten und Europa miteinander verbinden.

Friedensabkommen von 2018 erneut im Mittelpunkt

Der Verweis Rubios auf das Friedensabkommen von 2018 erinnert an die frühere Annäherung zwischen beiden Staaten.

Damals beendeten Abiy Ahmed und Eritreas Präsident Isaias Afwerki den jahrzehntelangen Kriegszustand zwischen ihren Ländern. Für seine Friedensinitiative erhielt Abiy 2019 den Friedensnobelpreis.

Während des anschließenden Bürgerkriegs in der äthiopischen Region Tigray von 2020 bis 2022 kämpften eritreische Truppen noch an der Seite der äthiopischen Streitkräfte gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF).

Nach dem Friedensabkommen von Pretoria im November 2022 verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Addis Abeba und Asmara jedoch zunehmend. Eritrea war an dem Abkommen zwischen der äthiopischen Bundesregierung und der TPLF nicht beteiligt.

Die erneute Konfrontation zwischen den früheren Verbündeten fällt mit einer Verschärfung der inneräthiopischen Konflikte zusammen.

Abiy sprach zuvor mit Israels Regierungschef Netanyahu

Zwei Tage vor seinem Gespräch mit Rubio hatte Abiy Ahmed bereits mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu telefoniert.

Am 12. Oktober erörterten beide Regierungschefs nach äthiopischen Angaben die bilateralen Beziehungen und regionale Entwicklungen. Abiy bezeichnete auch dieses Gespräch als konstruktiv und verwies auf gemeinsame Interessen beider Staaten.

Konkrete Vereinbarungen wurden nicht bekannt gegeben.

Damit führte der äthiopische Regierungschef innerhalb weniger Tage Gespräche mit den Spitzenvertretern zweier wichtiger internationaler Partner. Während Israel und Äthiopien nach der öffentlichen Darstellung Addis Abebas ihre Zusammenarbeit bekräftigten, verband Washington seinen diplomatischen Austausch ausdrücklich mit der Forderung nach Zurückhaltung, Achtung der Grenzen und einer Rückkehr zum Friedensrahmen von 2018.

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