Deutschland hat seine Ausgaben für humanitäre Hilfe im Ausland innerhalb eines Jahres um mehr als die Hälfte reduziert. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung vom 2. Oktober 2026 auf eine Große Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor. Demnach sanken die Ausgaben von 2,26 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 1,05 Milliarden Euro im Jahr 2025 – ein Rückgang um rund 54 Prozent. Gleichzeitig gingen die Bundesmittel für das gemeinnützige Geschäft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zurück, während die Bundesregierung 6,4 Milliarden Euro für Maßnahmen zur Bekämpfung von Fluchtursachen auswies.
Humanitäre Hilfe fällt auf niedrigsten Stand seit 2017
Die Ausgaben für humanitäre Hilfe im Ausland beliefen sich 2025 auf 1,049 Milliarden Euro. Damit lagen sie um rund 1,21 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert von 2,258 Milliarden Euro.
Noch deutlicher fällt der Vergleich mit 2022 aus. Damals stellte Deutschland 3,139 Milliarden Euro für humanitäre Auslandshilfe bereit. Innerhalb von drei Jahren gingen die Ausgaben damit um rund zwei Drittel zurück.
Die Entwicklung zeigt einen deutlichen Wandel bei den deutschen Hilfsleistungen. Zwischen 2020 und 2023 lagen die jährlichen Ausgaben durchgehend über zwei Milliarden Euro. Den höchsten Wert innerhalb der nun dokumentierten Zeitreihe erreichten sie 2022. Mit dem Rückgang im Jahr 2025 fiel die humanitäre Hilfe erstmals seit 2017 unter 1,1 Milliarden Euro.
Die Mittel dienen unter anderem dazu, Menschen in Kriegs- und Krisengebieten mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, medizinischer Versorgung und Unterkünften zu unterstützen. Die Bundesregierung finanziert solche Maßnahmen grundsätzlich über humanitäre Partnerorganisationen.
Eine Aufschlüsselung der Ausgaben nach einzelnen Empfängerländern enthält die aktuelle Regierungsantwort nicht. Wie sich die Kürzungen konkret auf Hilfsprogramme in afrikanischen Krisenregionen wie Sudan, Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo oder der Sahelzone verteilt haben, lässt sich daraus deshalb nicht bestimmen.
Weniger Bundesmittel für Entwicklungsprojekte der GIZ
Auch bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit zeigt sich ein Rückgang der Finanzierung durch Bundesministerien.
Die Einnahmen des gemeinnützigen Geschäftsbereichs aus Bundesmitteln lagen 2025 bei 2,807 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 2,907 Milliarden Euro gewesen. Damit gingen die Mittel um rund 100 Millionen Euro zurück.
Die BMZ-Mittel für diesen Geschäftsbereich sanken von 2,506 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 2,425 Milliarden Euro im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang um rund 81 Millionen Euro.
Bereits 2023 hatte das BMZ mit 2,678 Milliarden Euro mehr Mittel bereitgestellt als in den beiden Folgejahren. Seitdem verringerte sich das Finanzierungsvolumen um rund 253 Millionen Euro.
Auch die übrigen Bundesministerien reduzierten ihre Mittel für das gemeinnützige Geschäft der GIZ. Sie gingen von 401 Millionen Euro auf 382 Millionen Euro zurück.
Die GIZ setzt im Auftrag der Bundesregierung zahlreiche Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und anderen Weltregionen um. Dazu gehören Vorhaben zur wirtschaftlichen Entwicklung, Berufsbildung, öffentlichen Verwaltung, Energieversorgung und Anpassung an den Klimawandel.
Internationales Geschäft der GIZ wächst trotz sinkender Bundesmittel
Entgegen der Entwicklung im gemeinnützigen Bereich wuchs der Geschäftsbereich International Services der GIZ weiter.
Die entsprechenden Einnahmen aus Bundesministerien stiegen von 156 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 193,6 Millionen Euro im Jahr 2025. Das entspricht einem Zuwachs um rund 24 Prozent.
Besonders stark nahm die Finanzierung durch andere Bundesministerien als das BMZ zu. Sie stieg von 124,7 Millionen Euro auf 167,7 Millionen Euro. Dagegen verringerte sich der BMZ-Anteil von 31,2 Millionen Euro auf 25,9 Millionen Euro.
Die Zahlen zeigen, dass sich die Finanzierung der GIZ innerhalb der Bundesverwaltung unterschiedlich entwickelt. Während die Mittel für klassische Entwicklungsprojekte zurückgingen, nahm die Finanzierung des internationalen Dienstleistungsgeschäfts weiter zu.
Bundesregierung weist 6,4 Milliarden Euro für Fluchtursachenbekämpfung aus
Parallel zu den Rückgängen bei der humanitären Hilfe und den GIZ-Mitteln bezifferte die Bundesregierung ihre Ausgaben zur Bekämpfung von Fluchtursachen im Jahr 2025 auf rund 6,4 Milliarden Euro.

Diese Summe ist allerdings nicht mit zusätzlichen Ausgaben außerhalb der Entwicklungszusammenarbeit gleichzusetzen. Maßnahmen zur Bekämpfung von Fluchtursachen können auch innerhalb anderer Haushaltstitel finanziert werden.
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass es bis einschließlich 2015 keine ressortübergreifend einheitliche Definition und gesonderte statistische Erfassung der Fluchtursachenbekämpfung gab. Deshalb lasse sich rückwirkend nicht zuverlässig feststellen, welche Mittel zusätzlich zu den Ausgaben der Entwicklungszusammenarbeit bereitgestellt wurden.
Seit 2017 veröffentlicht die Bundesregierung im Finanzplan jährlich Angaben zu diesen Ausgaben. Die für 2025 genannte Summe umfasst die ressortübergreifend erfassten Maßnahmen.
Bundesregierung weist Forderung nach Gesamtrechnung zurück
Die Zahlen sind Teil einer umfassenden Antwort auf eine Große Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zu deutschen Ausgaben für das Ausland, internationale Organisationen und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit seit Gründung der Bundesrepublik.
Die Abgeordneten hatten eine vollständige, inflationsbereinigte Aufstellung der historischen Ausgaben verlangt. Die Bundesregierung lehnte eine solche Gesamtrechnung ab und verwies auf fehlende Daten, unterschiedliche Zuständigkeiten und den unverhältnismäßigen Aufwand einer rückwirkenden Auswertung zahlreicher Verwaltungsakten.
Zugleich widersprach sie der Annahme, internationale Ausgaben seien grundsätzlich als einseitige finanzielle Belastung Deutschlands zu betrachten.
Deutschland sei als führende Exportnation auf stabile internationale Rahmenbedingungen angewiesen. Entwicklungszusammenarbeit und Beiträge an internationale Organisationen dienten deshalb auch wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen der Bundesrepublik.
„Insofern sind Deutschlands internationale Investitionen Kernvoraussetzung für seine wirtschaftliche Prosperität“, erklärte die Bundesregierung.
Für zahlreiche historische Ausgaben liegen der Bundesregierung keine vollständigen Zeitreihen vor. Auch die neue Antwort beschränkt sich bei vielen Positionen auf bereits vorhandene Daten aus einzelnen Haushaltsjahren.
Milliarden für Sicherheitszusammenarbeit mit Partnerstaaten
Neben den Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe legte die Bundesregierung Zahlen zur internationalen militärischen Unterstützung vor.
Zwischen 1998 und 2025 gab der Bund aus mehreren einschlägigen Haushaltstiteln insgesamt rund 2,763 Milliarden Euro für die Ausbildung ausländischer Streitkräfte, militärische Zusammenarbeit, Ausstattungshilfe und weitere Unterstützungsmaßnahmen aus. Die Ukraine ist in dieser Summe nicht enthalten.
Erfasst sind unter anderem Mittel für die Ausbildung ausländischer Soldaten, den Aufbau afghanischer Sicherheitskräfte, die Unterstützung verbündeter Streitkräfte sowie die Ertüchtigung von Partnerstaaten im Bereich Sicherheit, Verteidigung und Stabilisierung.
Die Bundesregierung verwies darauf, dass eine vollständige Erfassung der entsprechenden Ausgaben vor 1998 nur durch umfangreiche Recherchen in älteren Verwaltungsakten möglich wäre.
Die Bundesregierung unterscheidet bei ihrer Haushaltsdarstellung zwischen humanitärer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Maßnahmen zur Bekämpfung von Fluchtursachen und militärischer Unterstützung. Die genannten Beträge gehören zu unterschiedlichen Haushaltssystematiken und lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres zu einer einheitlichen Gesamtsumme deutscher Auslandsausgaben addieren.
