Bundeswehr soll bis 2027 am Roten Meer bleiben – Berlin erweitert Aufklärung bei Aspides

Deutschland will seinen Militäreinsatz am Roten Meer bis Oktober 2027 verlängern. Neu im Fokus der Aufklärung stehen Schattenflotten und kritische Unterseeinfrastruktur – entlang einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen Asien, Afrika und Europa.

Die Bundesregierung will den Bundeswehreinsatz zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer bis zum 31. Oktober 2027 verlängern und die Aufklärung innerhalb der EU-Operation EUNAVFOR ASPIDES auf Schattenflotten und kritische Unterseeinfrastruktur ausweiten. Das Bundeskabinett fasste den Beschluss am Mittwoch, dem 30. September. Die Obergrenze bleibt bei 350 Soldatinnen und Soldaten, auch der Einsatz einer deutschen Fregatte bleibt möglich. Bevor das neue Mandat in Kraft treten kann, muss der Bundestag zustimmen.

Die erste Beratung im Parlament ist für den 7. Oktober vorgesehen. Das gegenwärtige Mandat läuft am 31. Oktober 2026 aus. Deutschland beteiligt sich seit Februar 2024 an EUNAVFOR ASPIDES.

Die Bundesregierung begründet die Fortsetzung mit den Angriffen der Huthi aus dem Jemen auf die internationale Schifffahrt. Seit November 2023 sind insbesondere das südliche Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab betroffen. Die Route verbindet über den Suezkanal Europa mit dem Indischen Ozean und den Märkten Asiens.

Deutschland erweitert maritimes Lagebild

Neben dem Schutz von Schiffen gewinnt die Aufklärung an Gewicht. Die Bundeswehr soll weiterhin Personal und Luftunterstützung zur Erstellung eines maritimen Lagebildes bereitstellen. Seit Ende Oktober 2024 beteiligt sich Deutschland mit einem Flugzeug an der luftgestützten Überwachung des Einsatzgebietes.

Nach dem neuen Kabinettsbeschluss sollen dabei auch Informationen über sogenannte Schattenflotten und verdächtige Aktivitäten an kritischer Unterseeinfrastruktur gesammelt und mit internationalen Partnern ausgetauscht werden. Die Bundesregierung nennt damit zwei zusätzliche Bereiche, die über die unmittelbare Erfassung möglicher Angriffe auf Handelsschiffe hinausgehen.

Die gewonnenen Informationen sollen zeigen, welche Kräfte und Gefahren sich im Einsatzgebiet befinden und welche Abwehrmaßnahmen möglich sind. Deutschland arbeitet dabei insbesondere mit den europäischen Partnern und den USA zusammen.

Eine Fregatte kann ebenfalls wieder für ASPIDES bereitgestellt werden. Die deutsche Marine war zu Beginn der Operation mit der Fregatte „Hessen“ im Roten Meer vertreten. Zuletzt beteiligte sich Deutschland vor allem mit Stabspersonal und luftgestützter Aufklärung.

Bab al-Mandab bleibt Schlüsselroute zwischen Afrika und Asien

Das Einsatzgebiet reicht weit über das Rote Meer hinaus. Es umfasst Bab al-Mandab, den Golf von Aden, das Arabische Meer, den Golf von Oman, die Straße von Hormus und den Persischen Golf. Damit erstreckt sich ASPIDES entlang einer maritimen Verbindung, die an der afrikanischen Küste von Ägypten über Sudan, Eritrea und Djibouti bis zum Horn von Afrika führt.

Vor Beginn der Huthi-Angriffe verliefen nach Angaben der Bundesregierung rund 15 Prozent des weltweiten maritimen Handels über die Route durch das Rote Meer. Sie ist zugleich die kürzeste Seeverbindung zwischen Asien und Europa. Die Bundesregierung verweist außerdem auf ihre Bedeutung für Energielieferungen nach Europa.

Die Lage am Bab al-Mandab hat damit unmittelbare Auswirkungen auf die Häfen und Küstenstaaten am Horn von Afrika. Die nur wenige Dutzend Kilometer breite Meerenge zwischen Jemen auf der arabischen und Djibouti sowie Eritrea auf der afrikanischen Seite bildet den südlichen Zugang zum Roten Meer.

EU-Einsatz bleibt defensiv ausgerichtet

EUNAVFOR ASPIDES wurde 2024 als defensive EU-Militäroperation eingerichtet. Der Auftrag umfasst den Schutz und die Begleitung von Schiffen sowie die Erstellung eines Lagebildes einschließlich luftgestützter Aufklärung. Das Einsatzgebiet erstreckt sich ausschließlich auf See und den darüberliegenden Luftraum.

Die Operation führt keine Angriffe gegen Huthi-Stellungen im Jemen durch. Das Mandat erlaubt die Abwehr rechtswidriger Angriffe auf Schiffe und deren Besatzungen. Als völkerrechtliche Grundlagen führt die Bundesregierung unter anderem das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen und Resolutionen des UN-Sicherheitsrats an.

Parallel operieren die USA mit der Operation PROSPERITY GUARDIAN in der Region. EUNAVFOR ASPIDES koordiniert sich außerdem mit der EU-Mission ATALANTA, die vor allem im westlichen Indischen Ozean und am Horn von Afrika gegen Piraterie und andere Gefahren für die Schifffahrt eingesetzt wird.

Der Bundestag hatte das derzeitige deutsche ASPIDES-Mandat im Oktober 2025 mit 435 Ja-Stimmen bei 69 Gegenstimmen und 77 Enthaltungen verlängert. Dabei wurde die Personalobergrenze von 700 auf 350 Soldatinnen und Soldaten reduziert.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share