Nur 11,5 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland beschäftigen qualifizierte Fachkräfte, die für eine Erwerbstätigkeit aus dem Ausland zugewandert sind. Das zeigt eine im Januar 2026 durchgeführte Sonderbefragung des KfW-Mittelstandspanels. Gleichzeitig verzichten 12,4 Prozent trotz bestehenden Personalbedarfs auf die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte. Besonders häufig bremsen Sprachprobleme sowie bürokratische und rechtliche Hürden die internationale Rekrutierung.
Die Ergebnisse treffen auf einen Arbeitsmarkt, der in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen dürfte. Nach den von KfW Research herangezogenen UN-Projektionen könnte die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren bis 2035 um rund fünf Millionen Menschen oder 9,4 Prozent zurückgehen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen über 65 Jahre.
Die gegenwärtige Konjunkturschwäche verdeckt einen Teil des Problems. Derzeit melden rund 14 Prozent der Industrieunternehmen Einschränkungen ihrer Geschäftstätigkeit durch fehlende Fachkräfte. Der Anteil liegt damit unter früheren Höchstständen, bleibt nach Einschätzung von KfW Research aber ein strukturelles Problem.
Große Mittelständler rekrutieren deutlich häufiger im Ausland
Wie stark Unternehmen auf internationale Fachkräfte zurückgreifen, hängt vor allem von ihrer Größe ab. Bei Mittelständlern mit mindestens 50 Beschäftigten haben 61 Prozent ausländische Fachkräfte im Betrieb. Unter den Unternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten sind es 33 Prozent, bei fünf bis neun Beschäftigten 15 Prozent und bei Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitern lediglich sieben Prozent.
KfW Research führt den Unterschied unter anderem darauf zurück, dass größere Unternehmen mehr Personal benötigen und eher über die organisatorischen und finanziellen Möglichkeiten verfügen, internationale Einstellungen abzuwickeln. Kleinere Betriebe müssen dagegen häufig ohne spezialisierte Personalabteilungen mit den zusätzlichen Verfahren umgehen.

Auch zwischen den Branchen bestehen Unterschiede. Im Verarbeitenden Gewerbe beschäftigen 21 Prozent der Unternehmen ausländische Fachkräfte. Im Handel sind es 14,3 Prozent und im Baugewerbe 13,3 Prozent. Bei den Dienstleistungen liegt der Anteil mit 8,5 Prozent am niedrigsten.
Ost und West liegen überraschend nah beieinander
Deutlich geringer fallen die regionalen Unterschiede aus. In Westdeutschland beschäftigen 11,9 Prozent der Mittelständler ausländische Fachkräfte, in Ostdeutschland sind es 9,6 Prozent. Auch beim Anteil der Unternehmen, die trotz eines vorhandenen Bedarfs auf internationale Rekrutierung verzichten, liegen beide Landesteile mit 12,7 beziehungsweise 10,8 Prozent nahe beieinander.
KfW Research führt die Differenz vor allem auf die unterschiedliche Unternehmens- und Branchenstruktur zurück. Im Westen gibt es einen höheren Anteil größerer Mittelständler im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor.
Insgesamt erklären 45,5 Prozent der befragten Unternehmen, derzeit keinen Bedarf an ausländischen Fachkräften zu haben. Für weitere 30,7 Prozent spielt ihre Beschäftigung grundsätzlich keine Rolle.
Sprachprobleme und Bürokratie bremsen die Rekrutierung
Unter den Mittelständlern, die bereits ausländische Fachkräfte beschäftigen oder wegen bestehender Hindernisse darauf verzichten, nennen 69,1 Prozent Sprachbarrieren als Problem. Bürokratische und rechtliche Hemmnisse folgen mit 47,5 Prozent. Kulturelle Unterschiede im Arbeitsalltag nennen 34,2 Prozent, Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen 22,6 Prozent. 18 Prozent berichten dagegen von keinen nennenswerten Problemen.
Hinter den bürokratischen Hürden stehen etwa Verfahren für Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnisse sowie andere behördliche Prozesse, die für Unternehmen langwierig und schwer kalkulierbar sein können. Verzögerungen bei der Anerkennung beruflicher oder akademischer Abschlüsse erschweren Einstellungen zusätzlich.
KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher sieht darin ein Hindernis, das mit Blick auf die demografische Entwicklung stärker ins Gewicht fallen könnte. Ein Teil der mittelständischen Unternehmen wolle Beschäftigte aus dem Ausland einstellen, werde jedoch durch rechtliche und bürokratische Hürden abgeschreckt. KfW Research nennt vereinfachte Visa- und Verwaltungsverfahren, betriebsnahe Sprachförderung sowie schnellere Anerkennungsverfahren als mögliche Ansatzpunkte. Gerade kleinere Unternehmen ohne spezialisierte Personalabteilungen könnten davon profitieren.
Die Sonderbefragung wurde vom 13. bis 21. Januar 2026 durchgeführt. Insgesamt konnten Antworten von 2.170 mittelständischen Unternehmen berücksichtigt werden. Als ausländische Fachkräfte erfasst die Untersuchung Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die zur Erwerbstätigkeit nach Deutschland zugewandert sind, über eine berufliche oder akademische Qualifikation verfügen und entsprechend beschäftigt werden.
