Doumbouya wirbt bei UN für Guinea – Opposition protestiert in New York

Mehr als 70 Prozent der guineischen Bauxitexporte gehen derzeit nach China. Gleichzeitig verhandelt die Regierung mit weiteren internationalen Unternehmen über Investitionen in Verarbeitung und Energie, um Absatzmärkte und Finanzierung stärker zu diversifizieren. Erst im September vereinbarte Guinea mit dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore eine mehrjährige Vermarktung von jährlich zehn bis zwölf Millionen Tonnen Bauxit.

Guineas Präsident Mamadi Doumbouya hat bei den Vereinten Nationen für ein souveränitätsbetontes Entwicklungsmodell und „Win-win“-Partnerschaften geworben, während Mitglieder der guineischen Diaspora in New York gegen seine Regierung protestierten. Er sprach am Mittwoch, 23. September 2026, vor der UN-Generalversammlung. Doumbouya verwies auf Wahlen, Infrastrukturprojekte, Raffinerien und den Ausbau des Bergbaus als Belege für einen Entwicklungsweg unter stärkerer nationaler Kontrolle. Gleichzeitig blieb Oppositionspolitiker Cellou Dalein Diallo dem UN-Treffen fern, nachdem seine aufgelöste Partei mitgeteilt hatte, sein guineischer Pass sei von den Behörden widerrufen worden. 

Doumbouya fordert Partnerschaften statt vorgegebener Modelle

Doumbouya stellte nationale Souveränität ins Zentrum seiner Rede. Entwicklungsmodelle müssten sich an den historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen eines Landes orientieren und dürften nicht schematisch von außen übertragen werden.

„Wenn Regierungsmodelle auf die historischen, sozialen und kulturellen Realitäten jedes Landes zugeschnitten werden, statt wahllos aufgezwungen zu werden, dann beschleunigt sich die Entwicklung“, sagte der Präsident.

Als Beispiele verwies er auf Staaten in Asien und im Nahen Osten, die internationale Erfahrungen übernommen, zugleich aber eigene Entwicklungsmodelle aufgebaut hätten.

Diese Position bedeute keine Abkehr von internationaler Zusammenarbeit, betonte Doumbouya. „Ganz im Gegenteil. Es ist ein Aufruf zu Win-win-Partnerschaften, die die Souveränität jedes Landes respektieren“, sagte er. Guinea werde ein offener und verlässlicher Partner bleiben.

Simandou soll Guineas Wirtschaft verändern

Als zentralen Beleg für seine Wirtschaftspolitik führte Doumbouya das Eisenerzprojekt Simandou an. Das Vorhaben umfasst Minen, eine mehrere hundert Kilometer lange Eisenbahnverbindung und neue Hafenanlagen und gehört zu den größten Bergbauprojekten Afrikas.

Doumbouya bezeichnete das Mega-Projekt in seiner UN-Rede als abgeschlossen. Aktuelle Angaben eines der Betreiber zeichnen allerdings ein differenzierteres Bild. SimFer, das Gemeinschaftsunternehmen von Guinea, Rio Tinto und einem von Chinalco geführten chinesischen Konsortium, meldete Anfang August, dass das Gesamtprojekt zu knapp drei Vierteln fertiggestellt sei. Die Mine habe einen Baufortschritt von 77 Prozent erreicht, die Hafenanlagen 85 Prozent. Die vollständige Inbetriebnahme des Hafens ist demnach für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Das Eisenbahnnetz ist bereits in Betrieb, und im ersten Halbjahr 2026 wurden 2,2 Millionen Tonnen Eisenerz verschifft. 

Guinea will Simandou nicht als isoliertes Bergbauprojekt behandeln. Unter dem Programm „Simandou 2040“ soll der Rohstoffsektor Investitionen in Verkehr, Energie, Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung finanzieren.

Doumbouya verwies außerdem auf mehr als 1.000 Kilometer neu asphaltierter Straßen, neue Schulen und Krankenhäuser, mehrere geplante Aluminiumoxid-Raffinerien sowie eine neue Goldraffinerie.

Guinea hatte 2026 den Export von unverarbeitetem Gold eingeschränkt und den Aufbau eigener Raffineriekapazitäten vorangetrieben. Die neue Anlage ist auf eine Verarbeitung von zunächst bis zu 530 Tonnen Gold im Jahr ausgelegt. Die Regierung verfolgt damit das Ziel, einen größeren Teil der Wertschöpfung im Land zu halten. 

Guinea will Rohstoffe stärker selbst verarbeiten

Auch beim Bauxit versucht Conakry, über den reinen Rohstoffexport hinauszukommen. Guinea verfügt über die weltweit größten bekannten Bauxitreserven und gehört zu den wichtigsten Lieferanten des Aluminiumerzes.

Die stärkere Kontrolle über Bergbau und Verarbeitung bildet damit den wirtschaftlichen Kern des von Doumbouya beschriebenen Souveränitätsmodells.

„Guinea schreitet voran, indem es seine eigenen Mittel nutzt und auf seine eigenen Entscheidungen setzt – zum Nutzen seiner eigenen Bevölkerung“, sagte er.

Präsident nennt Wahlen friedlich und glaubwürdig

Doumbouya stellte auch die politische Entwicklung seines Landes als Beispiel größerer Eigenständigkeit heraus. Präsidentschafts-, Parlaments- und Kommunalwahlen seien mit eigenen staatlichen Mitteln organisiert worden und ohne größere Zwischenfälle verlaufen.

Nach seiner Darstellung hätten die Abstimmungen gezeigt, dass ein afrikanischer Staat „glaubwürdige, friedliche und transparente Wahlen“ eigenständig organisieren könne.

Die politischen Rahmenbedingungen der jüngsten Parlamentswahl waren allerdings umstritten. Die Parteien mehrerer führender Oppositioneller, darunter Cellou Dalein Diallo und der frühere Präsident Alpha Condé, durften nicht teilnehmen, nachdem die Behörden sie aufgelöst hatten. Die Regierung begründete diesen Schritt mit Verstößen gegen gesetzliche Verpflichtungen, etwa bei der Vorlage von Finanzunterlagen. Bei der Wahl im Mai gewannen Parteien, die Doumbouya unterstützen, mindestens 100 der 147 Parlamentssitze. 

Doumbouya selbst war nach dem Militärputsch von 2021 an die Macht gelangt. Eine 2025 angenommene neue Verfassung ermöglichte ihm entgegen einer früheren Zusage, bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Er gewann die Wahl im Dezember 2025 und wurde im Januar 2026 vereidigt. Oppositionspolitiker bestritten die politischen Bedingungen des Wahlprozesses. 

Cellou Dalein Diallo kommt nicht nach New York

Unmittelbar vor Doumbouyas UN-Auftritt verschärfte sich der Konflikt mit einem seiner bekanntesten Gegner.

Der frühere Premierminister Cellou Dalein Diallo wollte nach Angaben seiner Partei zu Veranstaltungen am Rande der UN-Generalversammlung nach New York reisen. Die aufgelöste UFDG erklärte jedoch, Ethiopian Airlines habe Diallo nach dem Check-in mitgeteilt, dass sein guineischer Pass von den ausstellenden Behörden widerrufen worden sei und er deshalb nicht befördert werden könne.

Eine unabhängige Bestätigung der Passannullierung oder eine öffentliche Begründung der guineischen Behörden lag zunächst nicht vor. Die UFDG wertete den Vorgang als Einschränkung der Rechte ihres Vorsitzenden. 

Diallo lebt im Exil und gehört zu den prominentesten Kritikern Doumbouyas. Seine Partei war gemeinsam mit zahlreichen weiteren politischen Formationen aufgelöst worden.

Proteste gegen Doumbouya in Manhattan

Auch in New York wurde die innenpolitische Auseinandersetzung sichtbar. Mitglieder der guineischen Diaspora demonstrierten am Mittwoch am Dag-Hammarskjöld-Platz nahe dem UN-Hauptquartier gegen Doumbouya.

Reuters dokumentierte die Proteste und berichtete, Teilnehmer hätten dem Präsidenten unter anderem Verantwortung für mutmaßliche Tötungen zugeschrieben. Dabei handelt es sich um Vorwürfe der Demonstranten, nicht um gerichtlich festgestellte Tatsachen. 

Weitere Demonstrationen fanden in der Umgebung des Waldorf Astoria statt, in dem Doumbouya während seines Aufenthalts in New York untergebracht war. Gleichzeitig mobilisierten auch Unterstützer des Präsidenten aus der guineischen Diaspora. 

Vor der Generalversammlung stellte Doumbouya seinen politischen und wirtschaftlichen Kurs dagegen als Beispiel eines afrikanischen Entwicklungswegs dar, der internationale Zusammenarbeit mit größerer nationaler Kontrolle verbinden soll.

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