Russland hat beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi seine Beziehungen zu Äthiopien, Ägypten und Südafrika in mehreren bilateralen Gesprächen vertieft und den nächsten Russland-Afrika-Gipfel in Moskau als weiteren politischen Termin gesetzt. Die Treffen fanden am 11. und 12. September am Rande des 18. BRICS-Gipfels statt. Präsident Wladimir Putin lud Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed und Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi zu dem für den 28. und 29. Oktober geplanten Treffen ein. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa sagte seine persönliche Teilnahme wegen bevorstehender Kommunalwahlen ab, kündigte aber eine südafrikanische Delegation an.
Die Gespräche zeigen zugleich, auf welche Partner Moskau seine Beziehungen auf dem Kontinent konzentriert. Ägypten, Äthiopien und Südafrika gehören inzwischen gemeinsam dem erweiterten BRICS-Verbund an. In der in Neu-Delhi verabschiedeten Erklärung fordert die Gruppe zudem mehr Einfluss afrikanischer Staaten in internationalen Institutionen und unterstützt ausdrücklich die afrikanischen Forderungen nach einer Reform des UN-Sicherheitsrats.
Handel zwischen Russland und Äthiopien hat sich mehr als verdreifacht
Im Gespräch mit Abiy Ahmed hob Putin die wirtschaftliche Entwicklung zwischen Russland und Äthiopien hervor. Der bilaterale Handel habe sich 2025 mehr als verdreifacht und wachse weiter, erklärte der russische Präsident.
Abiy nannte neben dem Handel auch Investitionen, militärische Zusammenarbeit und Ausbildungsprogramme als zentrale Bereiche der Beziehungen. Mehr als 20.000 Äthiopier hätten bislang in Russland studiert, sagte Putin.
Der äthiopische Regierungschef dankte Moskau zugleich für dessen Unterstützung beim BRICS-Beitritt seines Landes. „Ohne Ihre Unterstützung hätte Äthiopien kein Mitglied der BRICS werden können“, sagte Abiy zu Putin.
Äthiopien gehört seit Januar 2024 als Vollmitglied zu dem Staatenverbund. Die New-Delhi-Erklärung unterstützt außerdem den Beitrittsantrag Äthiopiens zur Welthandelsorganisation. Die BRICS-Staaten sprachen sich darin gemeinsam für einen WTO-Beitritt Äthiopiens und Irans aus.
Auch auf anderen internationalen Feldern erhielt Addis Abeba Unterstützung. Die BRICS-Staaten begrüßten Äthiopiens Kandidatur für einen zusätzlichen afrikanischen Sitz im Rat der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO und bekräftigten ihre Unterstützung für die äthiopische Präsidentschaft der UN-Klimakonferenz COP32.
Ägypten verweist auf Handel von mehr als zehn Milliarden Dollar
Bei seinem Treffen mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi stellte Putin die wirtschaftlichen Großprojekte zwischen beiden Ländern heraus. Al-Sisi bezifferte das bilaterale Handelsvolumen auf mehr als zehn Milliarden US-Dollar.
Zu den wichtigsten gemeinsamen Projekten gehört das von der russischen Atomenergiegesellschaft Rosatom gebaute Kernkraftwerk El Dabaa. Der ägyptische Präsident dankte Russland für die Zusammenarbeit bei dem Projekt.
Al-Sisi sprach zudem die Sicherheit internationaler Schifffahrtswege und die Versorgung Ägyptens mit Getreide an. Das Land importiere große Mengen aus Russland und der Ukraine und sei deshalb auf stabile Lieferungen angewiesen.
Putin lud al-Sisi zum Russland-Afrika-Gipfel im Oktober nach Moskau ein. Ägypten spielte bereits beim Aufbau des Formats eine zentrale Rolle. Der erste Russland-Afrika-Gipfel fand 2019 im russischen Sotschi statt.
Ramaphosa sagt persönliche Teilnahme in Moskau ab
Mit Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa sprach Putin über Handel, politische Zusammenarbeit und internationale Konflikte. Beide Seiten bezeichneten die Wirtschaftsbeziehungen als ausbaufähig.

Russland erhöhte nach Putins Angaben für das Studienjahr 2026/27 seine staatliche Quote für südafrikanische Studierende auf 100 Stipendien. Ramaphosa verwies seinerseits auf die Zusammenarbeit beider Länder in internationalen Foren und dankte Moskau für dessen Unterstützung während der südafrikanischen G20-Präsidentschaft.
Am Russland-Afrika-Gipfel Ende Oktober wird Ramaphosa jedoch nicht persönlich teilnehmen. Wenige Tage nach dem Treffen in Moskau stehen in Südafrika Kommunalwahlen an. Er werde sich zu diesem Zeitpunkt mitten im Wahlkampf befinden, erklärte Ramaphosa. Südafrika werde dennoch vertreten sein.
BRICS fordert stärkere Stimme Afrikas im UN-Sicherheitsrat
Parallel zu den bilateralen Gesprächen verabschiedeten die BRICS-Staaten eine weitreichende Forderung nach Veränderungen in den internationalen Institutionen. Entwicklungsländer aus Afrika, Asien und Lateinamerika sollen stärker an globalen Entscheidungen beteiligt werden.
Beim UN-Sicherheitsrat bekräftigte die Gruppe ausdrücklich die Forderungen afrikanischer Staaten, wie sie im Ezulwini-Konsens und in der Sirte-Erklärung festgelegt sind. Darin fordert Afrika unter anderem ständige Sitze im Sicherheitsrat und eine gleichberechtigte Vertretung des Kontinents.
Russland und China erklärten als ständige Mitglieder des Sicherheitsrats zugleich erneut ihre Unterstützung für einen größeren Einfluss Brasiliens und Indiens innerhalb der Vereinten Nationen.
Putin sagte beim Gipfel, eine Erweiterung des Sicherheitsrats um eine stärkere Vertretung aus Afrika, Asien und Lateinamerika könne die Vereinten Nationen effektiver machen. Er beschrieb BRICS als eine treibende Kraft einer multipolaren internationalen Ordnung.
Moskau wirbt für eigene Finanzstrukturen innerhalb der BRICS
Russland verband seine Forderung nach mehr politischem Einfluss der BRICS-Staaten mit Vorschlägen für eine stärkere wirtschaftliche Eigenständigkeit der Gruppe. Putin warb für eine gemeinsame Zahlungs-, Depot- und Abwicklungsinfrastruktur sowie für einen Rückversicherungsmechanismus und eine BRICS-Getreidebörse.
Nach seinen Angaben erreichte der Handel zwischen den BRICS-Staaten bereits 1,2 Billionen US-Dollar. Die Mitgliedstaaten stünden für nahezu ein Viertel der weltweiten Exporte und knapp die Hälfte des globalen Wirtschaftswachstums.
Die New-Delhi-Erklärung unterstützt weitere Gespräche über grenzüberschreitende Zahlungssysteme und eine stärkere Nutzung nationaler Währungen. Zudem wollen die Mitglieder die Neue Entwicklungsbank der BRICS ausbauen und die Finanzierung von Infrastruktur- und Entwicklungsprojekten in Schwellen- und Entwicklungsländern stärken.
Bei kritischen Rohstoffen fordert die Erklärung mehr Verarbeitung und Wertschöpfung in den Förderländern. Die BRICS-Staaten sprechen sich außerdem für stabilere Lieferketten und eine stärkere Beteiligung von Entwicklungsländern an höherwertigen Teilen der globalen Industrieproduktion aus.

