BRICS-Allianz: Ägypten und China rücken enger zusammen – gemeinsamer Kurs zu Gaza und Sudan

Ägypten und China stimmen sich enger über die Krisen im Nahen Osten und in Sudan ab. Beim Besuch von Xi Jinping in Kairo verbinden beide Staaten gemeinsame politische Positionen mit einem weiteren Ausbau ihrer Wirtschafts- und Technologiepartnerschaft.

Ägypten und China vertiefen ihre strategische Partnerschaft und haben sich zugleich auf gemeinsame Positionen zu Gaza, dem Westjordanland und Sudan verständigt. Die Erklärung wurde Anfang September während des Staatsbesuchs von Chinas Präsident Xi Jinping in Ägypten veröffentlicht. Kairo und Peking fordern einen dauerhaften Waffenstillstand im Gazastreifen, ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe und eine Rückkehr der Palästinensischen Autonomiebehörde nach Gaza. Parallel wollen beide Staaten ihre Zusammenarbeit bei Industrie, Technologie, Investitionen und Sicherheit weiter ausbauen.

Der Besuch fällt mit dem 70. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern zusammen. Ägypten nahm 1956 als erstes arabisches und afrikanisches Land diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf.

Gemeinsame Forderung nach dauerhaftem Waffenstillstand in Gaza

In ihrer gemeinsamen Erklärung drängen Ägypten und China darauf, einen dauerhaften Waffenstillstand im Gazastreifen abzusichern. Beschränkungen für humanitäre Lieferungen müssten aufgehoben und Hilfsgüter ohne Behinderungen in das Gebiet gelangen können.

Beide Regierungen sprechen sich zudem dafür aus, dass die Palästinensische Autonomiebehörde die Regierungsverantwortung im Gazastreifen wieder übernimmt. Damit verbinden Kairo und Peking die Forderung nach einer politischen und administrativen Einheit der palästinensischen Gebiete.

Ägypten spielt seit Beginn des Gaza-Krieges eine zentrale Rolle bei Verhandlungen über Waffenruhen und humanitären Zugang. Das Land grenzt am Übergang Rafah unmittelbar an den Gazastreifen.

Auch zur Lage im Westjordanland und in Ost-Jerusalem formulierten beide Staaten eine gemeinsame Position. Sie verurteilten die militärische Eskalation durch israelische Kräfte sowie zunehmende Gewalt israelischer Siedler, Landbeschlagnahmungen und den weiteren Ausbau von Siedlungen. Ägypten und China betonten zugleich die territoriale Integrität der palästinensischen Gebiete.

Kairo und Peking beziehen gemeinsam Stellung zu Sudan

Die außenpolitische Abstimmung reicht über den Nahost-Konflikt hinaus. Mit Blick auf den Krieg in Sudan forderten Ägypten und China die Achtung der staatlichen Souveränität, territorialen Einheit und nationalen Institutionen des Landes.

Beide Staaten lehnen eine Einmischung von außen in die inneren Angelegenheiten Sudans ab. Ägypten verfolgt die Entwicklung im südlichen Nachbarland besonders eng. Der seit 2023 andauernde Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces hat Millionen Menschen vertrieben und die staatlichen Strukturen in weiten Teilen des Landes geschwächt.

Die gemeinsame Position zu regionalen Konflikten fügt sich in den außenpolitischen Kurs beider Länder ein. Präsident Abdel Fattah al-Sisi betonte zum Jahrestag der Beziehungen, Ägypten und China setzten auf friedliche Konfliktlösung, staatliche Souveränität und eine stärkere Rolle des Globalen Südens in internationalen Institutionen.

China baut wirtschaftliche Präsenz in Ägypten aus

Neben der politischen Abstimmung wollen beide Regierungen ihre Wirtschaftsbeziehungen erweitern. China gehört bereits zu den wichtigsten Handels- und Investitionspartnern Ägyptens.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Wirtschaftszone am Suezkanal. Dort sind zahlreiche chinesische Unternehmen angesiedelt. Kairo wirbt um zusätzliche Investitionen in Industrieprojekte, die sowohl den ägyptischen Markt als auch Exportziele in Afrika, Europa und dem Nahen Osten bedienen können.

Als künftige Schwerpunkte nennt Ägypten unter anderem Elektrofahrzeuge, Batterien zur Energiespeicherung, erneuerbare Energien, Elektronik, Komponenten für Meerwasserentsalzungsanlagen und Schiffbau.

Auch bei Telekommunikation, künstlicher Intelligenz und Raumfahrttechnologie soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden. Chinesische Unternehmen waren bereits an Großprojekten wie dem neuen Geschäftsviertel der ägyptischen Verwaltungshauptstadt, Bahnverbindungen, Energieanlagen und Hafenprojekten beteiligt.

70 Jahre diplomatische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Kairo und Peking haben sich über Jahrzehnte schrittweise verdichtet. 2014 vereinbarten beide Länder eine umfassende strategische Partnerschaft.

Ägypten unterstützt die Ein-China-Politik Pekings und trat 2024 den BRICS bei. Zudem gehört das Land der von China mitgegründeten Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank an und ist Dialogpartner der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit.

Peking wiederum unterstützt die Forderung nach einem palästinensischen Staat und baut seine politischen und wirtschaftlichen Beziehungen in Afrika und im Nahen Osten seit Jahren aus.

Während seines Besuchs besichtigte Xi gemeinsam mit al-Sisi auch das Große Ägyptische Museum bei den Pyramiden von Gizeh. Beide Präsidenten nutzten den Termin, um den kulturellen Austausch zwischen den beiden jahrtausendealten Zivilisationen hervorzuheben.

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