Madagaskar kündigt Wahlen für Juli 2027 an

Madagaskar bekommt erstmals einen konkreten Wahltermin: Staatschef Michaël Randrianirina kündigt für Juli 2027 eine erste Abstimmung an. Noch offen ist, ob dabei über die neue Verfassungsordnung entschieden wird – die Präsidentschaftswahl soll bis Jahresende folgen.

Madagaskars Staatschef Michaël Randrianirina hat erstmals einen konkreten Wahltermin für den Übergang zurück zu einer regulären Verfassungsordnung genannt. Bei einem Treffen mit Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa am 17. August in Durban nannte er dafür Juli 2027. Eine Präsidentschaftswahl soll nach der bisherigen Roadmap noch vor Ende desselben Jahres folgen. Welche Abstimmung im Juli genau stattfinden soll, hat die malgachische Präsidentschaft bislang nicht offiziell festgelegt.

Erste konkrete Frist für die „Refondation“

Randrianirina stellte den Zeitplan bei einem Treffen mit Ramaphosa am Rande des Gipfels der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika, SADC, vor. Damit erhält die sogenannte „Refondation de la République“, die politische Neuordnung Madagaskars nach dem Umbruch von 2025, erstmals einen konkreten Wahltermin.

Grundlage ist das „Programm zur Neugründung der Republik“, das Madagaskar am 28. Februar der SADC übermittelt hatte. Die darin vorgesehene politische Neuordnung ist auf 24 Monate angelegt und läuft seit Januar 2026.

Nach dem bisher bekannten Ablauf dürfte die Abstimmung im Juli mit der künftigen Verfassungsordnung zusammenhängen. Die Präsidentschaft hat jedoch ausdrücklich noch nicht mitgeteilt, ob es sich dabei um das geplante Verfassungsreferendum oder eine andere Wahl handeln wird.

Eine Präsidentschaftswahl ist anschließend vor Dezember 2027 vorgesehen.

Nationale Konsultationen sollen neue Ordnung vorbereiten

Vor den Abstimmungen steht ein mehrstufiger politischer Dialog. Mit seiner Organisation wurde der Rat der christlichen Kirchen Madagaskars, FFKM, beauftragt.

Die Konsultationen sollen zunächst auf lokaler Ebene beginnen, anschließend über Gemeinden und Regionen weitergeführt werden und schließlich in einen nationalen Dialog münden. Für die Arbeit des FFKM wurde nach Angaben Randrianirinas das Gelände Voara in Andohatapenaka vorbereitet.

Der Prozess soll nicht nur über eine neue institutionelle Ordnung beraten. Auch die Voraussetzungen für künftige Wahlen und Regeln für einen von den politischen Kräften akzeptierten Wahlprozess sollen Gegenstand der Gespräche werden.

Parallel plant die Staatsführung zusätzliche Konsultationen mit Vertretern der politischen Parteien. Randrianirina verwies in Durban zudem auf Gespräche mit Jugendlichen der Generation Z sowie auf seine Annäherung an Philobert Mila Vonjy, Abgeordneter und führender Vertreter der parlamentarischen Opposition.

Randrianirina will 2027 wählen lassen

Bereits wenige Tage zuvor hatte Randrianirina bei einem Besuch im Tschad erklärt, Madagaskar solle „so schnell wie möglich“ zu Wahlen zurückkehren.

„Es liegt an uns, daraus die Lehren zu ziehen, damit Madagaskar so schnell wie möglich zu Wahlen kommen kann, das heißt im Jahr 2027“, sagte er nach einem Gespräch mit dem tschadischen Präsidenten Mahamat Idriss Déby Itno.

Randrianirina erklärte, er habe sich dabei gezielt über die Erfahrungen des tschadischen Übergangsprozesses informiert. Déby habe ihm sowohl Maßnahmen erläutert, die zum Abschluss der Transition beigetragen hätten, als auch Fehler, durch die sich der Prozess verzögert habe.

Der malgachische Staatschef selbst verwendet den Begriff „Transition“ allerdings zurückhaltend. Er verweist darauf, dass er vom Verfassungsgericht als Staatschef eingesetzt worden sei.

„Transition oder nicht, wir sind hier, um die kommenden Wahlen vorzubereiten“, sagte Randrianirina.

Neue Verfassung soll aus Dialog hervorgehen

Die politische Neuordnung soll nach Randrianirinas Vorstellungen über Wahlen hinausgehen. Eine nationale und souveräne Konsultation soll bestimmen, welche Institutionen Madagaskar künftig erhält und wie eine mögliche Fünfte Republik ausgestaltet wird.

Der Staatschef verbindet den institutionellen Umbau zugleich mit einer Reform der politischen Kultur. „Wir müssen die Mentalität erneuern“, erklärte er. Ohne die Bereitschaft, Korruption und frühere politische Praktiken hinter sich zu lassen, reiche eine Veränderung staatlicher Institutionen allein nicht aus.

Zu den innenpolitischen Prioritäten zählen außerdem Energieversorgung, Trinkwasser, Infrastruktur, Gesundheit und Bildung. Gerade Stromausfälle, Schwierigkeiten beim Zugang zu Wasser, Korruption und wirtschaftliche Probleme hatten bei den Protestbewegungen des Jahres 2025 eine zentrale Rolle gespielt.

SADC begleitet den politischen Prozess

Das Treffen in Durban hatte zugleich diplomatische Bedeutung. Die SADC verfolgt die politische Neuordnung Madagaskars und fordert einen nachvollziehbaren Fahrplan für die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung.

Nach Darstellung der malgachischen Präsidentschaft verwies Ramaphosa bei seinem Treffen mit Randrianirina darauf, dass die Teilnehmer des Gipfels Staatschefs seien, die von der SADC anerkannt würden.

Mit dem angekündigten Termin im Juli beginnt nun die konkrete Zeitplanung. Davor stehen die nationale Konsultation, der politische Dialog und die Festlegung der institutionellen Regeln, auf deren Grundlage die Abstimmungen 2027 durchgeführt werden sollen.

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