Sambias Präsident Hakainde Hichilema führt bei der laufenden Auszählung der Präsidentschaftswahl vor seinem Herausforderer Brian Mundubile. Die Wahl fand am 13. August 2026 statt. Nach dem bislang jüngsten konsolidierten Zwischenstand aus 70 von 226 Wahlkreisen kommt Hichilema auf 626.434 Stimmen, Mundubile auf 505.795. Die Auszählung war zwischenzeitlich wegen Angriffen auf Wahlhelfer und des Diebstahls bereits ausgefüllter Stimmzettel gestoppt worden, läuft inzwischen aber wieder.
Hichilema liegt 120.639 Stimmen vorn
Die Wahlkommission ECZ veröffentlichte am Sonntag ihren dritten konsolidierten Zwischenstand. Demnach liegt Hichilema von der regierenden United Party for National Development mit 120.639 Stimmen vor Mundubile von der National Reconciliation Party for Unity and Prosperity. Erst 70 der insgesamt 226 Wahlkreise sind in diesem Stand berücksichtigt.
Hinter den beiden führenden Kandidaten folgen mit großem Abstand Harry Kalaba von Citizens First mit 6.469 Stimmen, Kelvin Bwalya von Zambia Must Prosper mit 5.565 und Fred M’membe von der Socialist Party mit 3.747 Stimmen. Insgesamt waren 14 Kandidaten zur Präsidentschaftswahl angetreten.
Die regionalen Unterschiede bleiben groß. Hichilema erzielt besonders hohe Mehrheiten in seinen traditionellen Hochburgen im Süden, Westen und Nordwesten des Landes. Mundubile ist dagegen in Teilen der Nord-, Luapula- und Ostprovinz stärker. Deshalb lässt sich aus der Zahl der bereits ausgezählten Wahlkreise allein noch kein landesweites Endergebnis ableiten.
Mundubile erklärte sich vorzeitig zum Sieger
Mundubile hatte bereits vor der Veröffentlichung der offiziellen Zwischenstände erklärt, seine eigene Auswertung der Wahlergebnisse zeige einen Sieg. Belege für einen landesweiten Wahlsieg legte er nicht vor. Die Wahlkommission wies die Kandidaten daraufhin ausdrücklich darauf hin, dass allein die ECZ zur Verkündung des Wahlergebnisses befugt ist und vorzeitige Siegeserklärungen gegen das Wahlrecht verstoßen.

Hichilema sprach seinerseits von „ermutigenden Ergebnissen“, rief seine Anhänger jedoch dazu auf, friedlich und geduldig auf das offizielle Ergebnis zu warten.
Gewalt und gestohlene Stimmzettel stoppen Auszählung
Für zusätzliche Spannungen sorgte die vorübergehende Unterbrechung der Auszählung. Die ECZ hatte die Zählung und Bekanntgabe von Ergebnissen landesweit ausgesetzt, nachdem Wahlhelfer angegriffen und in einzelnen Fällen Wahlurnen mit bereits markierten Stimmzetteln gestohlen worden waren.
Noch am selben Tag hob die Kommission die Suspendierung wieder auf. ECZ-Vorsitzende Mwangala Zaloumis erklärte, die Sicherheitsbedrohung für den Wahlprozess sei eingedämmt worden. Ob und in welchem Umfang die gestohlenen Stimmzettel Auswirkungen auf einzelne Ergebnisse haben, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Die gemeinsame Beobachtermission von Afrikanischer Union und dem Gemeinsamen Markt für das Östliche und Südliche Afrika, COMESA, stellte fest, dass die vorübergehende Aussetzung, Mundubiles vorzeitige Siegeserklärung und die Gewalt das politische Misstrauen und die Spannungen verstärkt hätten. Zugleich bewertete sie das Sicherheitsumfeld am eigentlichen Wahltag insgesamt als friedlich.
EU sieht ungleiche Bedingungen im Wahlkampf
Deutliche Kritik am Umfeld der Wahl kommt von der Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union. Sie bezeichnete den Wahltag selbst als insgesamt ruhig und sprach von einer echten Auswahl zwischen konkurrierenden Kandidaten. Der vorausgegangene Wahlprozess habe jedoch unter Bedingungen stattgefunden, die Grundfreiheiten eingeschränkt hätten.
Die EU-Beobachter kritisierten kurzfristige Änderungen des Wahlrechts, rechtliche Unsicherheiten und ungleiche Bedingungen im Wahlkampf. Vorteile des Amtsinhabers hätten die Grenze zwischen Staat und Regierungspartei teilweise verwischt. Auch unterschiedliche Reaktionen der Sicherheitsbehörden auf politische Vorfälle hätten zu einem ungleichen politischen Wettbewerb beigetragen. Die Berichterstattung staatlicher Medien bewertete die Mission als stark zugunsten der Regierung verzerrt.
EU-Chefbeobachter Michael McNamara forderte nach der Unterbrechung der Auszählung transparente Verfahren und eine klare Kommunikation durch die Wahlkommission. Die ECZ solle detaillierte Wahldaten bis auf die Ebene der einzelnen Wahllokale öffentlich zugänglich machen.
Wahlrecht erst drei Monate vor der Abstimmung geändert
Auch die gemeinsame Mission von Afrikanischer Union und COMESA beanstandete den späten Zeitpunkt wichtiger Wahlrechtsänderungen. Das neue Wahlgesetz wurde erst im Mai und damit drei Monate vor der Abstimmung verabschiedet. Nach Einschätzung der Beobachter blieb dadurch nur begrenzt Zeit, Wahlhelfer, Parteien und die Bevölkerung mit den neuen Regeln vertraut zu machen.
Zu den Änderungen gehört ein neues gemischtes Wahlsystem für das Parlament. Gleichzeitig wurde die Zahl der Wahlkreise um 70 auf insgesamt 226 erhöht. Die Reform soll unter anderem die parlamentarische Vertretung von Frauen, jungen Menschen und Menschen mit Behinderungen verbessern. AU und COMESA kritisierten jedoch, dass wesentliche Teile des neuen Systems erst kurz vor der Wahl umgesetzt wurden.
Für die Wahl waren 8.786.300 Menschen registriert. Neben dem Präsidenten bestimmten die Sambier auch die Zusammensetzung der Nationalversammlung und die kommunalen Vertretungen. Die Präsidentschaft gewinnt ein Kandidat nur mit mehr als der Hälfte der gültigen Stimmen. Erreicht niemand diese Mehrheit, ist eine Stichwahl vorgesehen.

