Sambia entscheidet in einer eng erwarteten Präsidentschaftswahl über eine zweite Amtszeit von Präsident Hakainde Hichilema und den wirtschaftspolitischen Kurs des Landes. Die Wahl findet am Donnerstag, 13. August 2026, statt. Bis zu 8,7 Millionen Wahlberechtigte können zwischen Hichilema und seinem wichtigsten Herausforderer Brian Mundubile sowie zwölf weiteren Präsidentschaftskandidaten entscheiden. Wenige Tage vor der Abstimmung rief das Präsidialamt angesichts politischer Spannungen zu Frieden und Zurückhaltung auf.
Hichilema trifft auf Brian Mundubile
Hichilema tritt für die United Party for National Development (UPND) zur Wiederwahl an. Sein wichtigster Herausforderer ist Brian Mundubile, der von einem Bündnis oppositioneller Kräfte unterstützt wird und insbesondere um frühere Wähler des ehemaligen Präsidenten Edgar Lungu wirbt.
Obwohl insgesamt 14 Kandidaten auf dem Stimmzettel stehen, sehen politische Beobachter den Präsidentschaftswahlkampf vor allem als Duell zwischen Hichilema und Mundubile.
Fast die Hälfte der registrierten Wähler ist zwischen 18 und 35 Jahre alt. Junge Menschen, Frauen und Wähler in ländlichen Gebieten gehören deshalb zu den besonders umkämpften Gruppen.
Wirtschaft erholt sich, Lebenshaltungskosten bleiben hoch
Hichilema kam 2021 an die Macht und übernahm ein Land, das nach Jahren hoher Kreditaufnahme seine Auslandsschulden nicht mehr bedienen konnte. Seine Regierung erreichte anschließend eine Umschuldungsvereinbarung, stellte ein Programm mit dem Internationalen Währungsfonds wieder her und führte Sambia zurück auf einen Wachstumskurs.
Auch die Landeswährung Kwacha entwickelte sich zeitweise stark. Internationale Finanzinstitutionen und Investoren bewerteten Teile der wirtschaftlichen Stabilisierung positiv.
Im Alltag vieler Sambier ist die Verbesserung jedoch nur begrenzt angekommen. Hohe Lebensmittelpreise, Arbeitslosigkeit und Armut prägen den Wahlkampf. Nach Daten der Weltbank leben mehr als 70 Prozent der Bevölkerung von weniger als drei US-Dollar am Tag.
Die Opposition versucht, diese Lücke zwischen makroökonomischer Stabilisierung und den Lebensbedingungen vieler Haushalte gegen Hichilema zu nutzen.
„Weltweit wird anerkannt, dass wir gute Fortschritte machen, aber er muss diese Erfolge nach Hause bringen“, sagte die 26-jährige Medizinstudentin Semi Malama gegenüber AFP.
Kupfer wird zum wirtschaftspolitischen Schlüsselthema
Eine zentrale Rolle spielt Sambias Bergbau. Das Land gehört zu den größten Kupferproduzenten Afrikas und steht damit zunehmend im Zentrum des internationalen Wettbewerbs um kritische Rohstoffe.
Die Regierung will die jährliche Kupferproduktion bis 2031 auf drei Millionen Tonnen steigern. Dafür wären nach Einschätzung von Chatham House erhebliche neue Investitionen und zusätzliche Minen notwendig.
Chinesische Unternehmen gehören bereits zu den wichtigsten Akteuren im sambischen Bergbausektor. Gleichzeitig bemüht sich die Regierung um weitere internationale Investitionen.
Unsicherheit entstand zuletzt durch die Reform des Bergbaurechts und Streit über Genehmigungen. Chatham House verweist auf Sorgen unter Investoren über mögliche Veränderungen bei Förderlizenzen und Forderungen nach stärkerer nationaler Kontrolle über Rohstoffeinnahmen.
Vorwürfe wegen Einschränkungen der Opposition
Neben der Wirtschaft prägt die demokratische Entwicklung den Wahlkampf. Die Opposition wirft Hichilemas Regierung vor, ihre politischen Aktivitäten einzuschränken. Die Regierung weist Vorwürfe eines autoritären Kurses zurück.
Während des Wahlkampfs kam es vereinzelt zu Gewalt zwischen rivalisierenden Anhängern. Die Polizei setzte bei Zusammenstößen Tränengas ein. Mundubile beschuldigte die Behörden zudem, seine Wahlkampfaktivitäten zu behindern.
Am Dienstag rief Clayson Hamasaka, leitender Kommunikationsberater des sambischen Präsidialamtes, alle politischen Lager zu Frieden und Toleranz auf.

Politiker müssten auf Äußerungen verzichten, die Menschen gefährden könnten. Hintergrund waren umstrittene Aussagen im Umfeld der Opposition, über deren Herkunft und Zusammenhang anschließend unterschiedliche Erklärungen abgegeben wurden.
„Die Wahl 2026 wird friedlich verlaufen, weil sich die sambische Bevölkerung für Frieden entschieden hat“, erklärte Hamasaka.
Internationale Beobachter in allen zehn Provinzen
Mehrere internationale Organisationen beobachten die Abstimmung. Die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika, SADC, hat 106 Wahlbeobachter aus zehn Mitgliedstaaten entsandt. Sie werden in allen zehn Provinzen eingesetzt und begleiten den Wahlkampf, die Abstimmung, die Auszählung sowie die unmittelbare Zeit nach der Wahl.
Die gemeinsame Beobachtermission der Afrikanischen Union und des Gemeinsamen Marktes für das Östliche und Südliche Afrika, COMESA, umfasst weitere 93 Beobachter. Geleitet wird sie vom früheren äthiopischen Regierungschef Hailemariam Dessalegn Boshe.
Auch die Europäische Union ist mit einer langfristigen Wahlbeobachtungsmission im Land vertreten.
Die AU-COMESA-Mission will unter anderem prüfen, ob die Wahl mit dem sambischen Wahlrecht, der Afrikanischen Charta für Demokratie, Wahlen und Regierungsführung sowie weiteren regionalen und internationalen Standards übereinstimmt.
Sambias demokratische Tradition steht erneut im Fokus
Seit der Wiedereinführung des Mehrparteiensystems 1991 hat Sambia mehrere Regierungswechsel über Wahlen erlebt. Hichilemas Sieg gegen Edgar Lungu im Jahr 2021 führte zu einem weiteren friedlichen Machtwechsel zwischen politischen Lagern.
Vor der diesjährigen Abstimmung gibt es jedoch Diskussionen über Veränderungen des Wahlsystems, neue Wahlkreisgrenzen und gesetzliche Anforderungen an Kandidaten. Chatham House sieht darin bislang keine grundlegende Untergrabung des Wahlprozesses, verweist aber auf zunehmende Sorgen über Einschränkungen von Meinungsfreiheit und politischem Wettbewerb.
Auch neue Cybergesetze stehen in der Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Sie befürchten erweiterte Überwachungsmöglichkeiten und Einschränkungen für Journalisten und Regierungskritiker.
Präsident braucht mehr als 50 Prozent
Die Wahllokale öffnen am Donnerstag um 6 Uhr Ortszeit und schließen zwölf Stunden später. Neben dem Präsidenten wählen die Sambier auch ein neues Parlament.
Die Zahl der direkt gewählten Abgeordneten steigt von 156 auf 226.
Für einen Sieg im ersten Wahlgang benötigt ein Präsidentschaftskandidat mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen. Erreicht niemand diese Mehrheit, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden führenden Kandidaten.
Die SADC sowie die gemeinsame AU-COMESA-Beobachtermission wollen ihre ersten Bewertungen am 15. August veröffentlichen. Nach dem Zeitplan der sambischen Wahlkommission sollen die Präsidentschaftsergebnisse bis zum 17. August vorliegen.

