Der Generalbundesanwalt hat innerhalb von fünf Jahren 58 Ermittlungsverfahren wegen Spionage, Sabotage und vergleichbarer Staatsschutzdelikte eingeleitet. Mit Stand vom 10. Juli 2026 erstreckt sich die Erhebung auf den Zeitraum seit Juli 2021. In 53 Fällen ging es um geheimdienstliche Agententätigkeit mit Bezug zu einem fremden Staat. Die Bundesregierung beschreibt zugleich eine zunehmende Anwerbung gewöhnlicher Einzelpersonen über soziale Medien und Messenger für russische Sabotage- und Spionageaktivitäten.
Im Zuständigkeitsbereich des Generalbundesanwalts kam es in diesem Zeitraum zu 30 Festnahmen, 19 Anklagen und 13 Verurteilungen. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion zu Spionage, Sabotage und Einschüchterungsversuchen fremder Staaten gegen Deutschland.
Die tatsächliche Zahl der Ermittlungen kann höher liegen. Verdeckte Ermittlungsverfahren sind in den veröffentlichten Daten ausdrücklich nicht enthalten. Die Bundesregierung verweigert dazu auch gegenüber dem Bundestag weitere Angaben, weil eine Offenlegung laufende Ermittlungen gefährden könnte.
Russland rekrutiert Agenten über soziale Medien
Besonders konkret äußert sich die Bundesregierung zum Vorgehen russischer Nachrichten- und Sicherheitsdienste. Diese griffen für Sabotageaktionen häufig auf „niedrigschwellig rekrutierte Low-Level-Agenten“ zurück. Dabei handelt es sich nicht zwingend um ausgebildete Geheimdienstmitarbeiter.
Die angeworbenen Personen übernehmen demnach neben Sabotageaufträgen auch Spionage- und Propagandaaktivitäten für russische Stellen. Als Motive nennt die Bundesregierung vor allem finanzielle Interessen, teilweise aber auch ideologische Beweggründe.
Die Rekrutierung verlagert sich zunehmend ins Internet. Ausländische Nachrichtendienste nutzten insbesondere verschlüsselte Messenger, um mögliche Zielpersonen zu finden, anzuwerben und anschließend zu steuern. „Besonders häufig“ komme dabei Telegram zum Einsatz.
Bei mehreren Fällen von Sachbeschädigung oder Störungen der öffentlichen Ordnung mit Anhaltspunkten für den Einsatz solcher Agenten seien die mutmaßlichen Täter über Messenger angeworben oder darüber angeleitet worden. Die Bundesregierung schreibt digitalen Kommunikationsdiensten deshalb eine „erhebliche Bedeutung“ für die Organisation entsprechender Operationen zu.
Iran nutzt kriminelle Strukturen
Auch der Iran setzt nach Erkenntnissen der Bundesregierung zunehmend auf Personen außerhalb der klassischen Geheimdienststrukturen. Teheran nutze seit einigen Jahren verstärkt „Proxy-Strukturen und kriminelle Einzelpersonen“ für Ausspähungsaktivitäten sowie zur Vorbereitung und Durchführung staatsterroristischer Anschläge.
Welche konkreten Operationen russische, iranische oder andere ausländische Dienste in Deutschland durchgeführt oder vorbereitet haben, legt die Bundesregierung allerdings nicht offen. Mehrere Fragen zu betroffenen Unternehmen, möglichen Sabotagezielen und Herkunftsstaaten beantwortet sie mit Verweis auf den Schutz der Arbeitsweisen und Fähigkeiten deutscher Nachrichtendienste.
Rüstungsindustrie besonders im Visier
Besonders gefährdet sieht die Bundesregierung die deutsche Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft. Sie stehe „besonders im Fokus“ ausländischer Nachrichtendienste. Das Bundesamt für Verfassungsschutz steht deshalb regelmäßig mit Unternehmen der Branche in Kontakt und führt sowohl anlassbezogene als auch allgemeine Präventionsmaßnahmen durch.

Der Verfassungsschutz hat seit 2021 mehrfach Sicherheitshinweise für Unternehmen herausgegeben. Dazu gehörten Warnungen zum Ukraine-Krieg, zum Schutz vor Sabotage und zur Spionage gegen den Verteidigungssektor. 2025 gründete das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zudem einen Expertenkreis zur Informationssicherheit in der Rüstungsindustrie.
Die Bundesregierung nennt außerdem mindestens zwei bekannte ausländische Einflusskampagnen, die mit gefälschten oder manipulierten Medieninhalten arbeiten: die „Doppelgänger“- und die „Matyroschka“-Kampagne. Fremde Staaten versuchten darüber hinaus, verdeckt Einfluss auf politische Entscheidungsträger zu nehmen, Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben und öffentliche Debatten zu beeinflussen. Wie groß die tatsächliche Wirkung solcher Aktivitäten ist, lasse sich jedoch nicht belastbar beziffern.

