Deutschland baut Partnerschaft mit Ghana aus – zwei Bundesminister reisen nach Accra

Deutschland richtet seine Partnerschaft mit Ghana breiter aus. Zwei Bundesminister reisen noch 2026 nach Accra, während Ghana im November mehr als 600 Teilnehmer zum German-African Business Summit erwartet.

Deutschland und Ghana wollen ihre Zusammenarbeit bei Sicherheit, Wirtschaft, Berufsbildung und Klimaschutz deutlich vertiefen. Noch in diesem Jahr werden der Bundesverteidigungsminister und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan zu Gesprächen nach Ghana reisen. Berlin betrachtet das westafrikanische Land zunehmend als sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Schlüsselpartner in der Region. Im November wird Accra zudem den German-African Business Summit mit mehr als 600 Wirtschaftsvertretern und Entscheidungsträgern aus Deutschland und Afrika ausrichten.

Der deutsche Botschafter in Ghana, Frederik Landshöft, kündigte die Ministerbesuche bei einer Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit in Accra an. Deutschland wolle die Zusammenarbeit mit Ghana stärker über die klassische Entwicklungszusammenarbeit hinausführen.

„Deutschland hat Ghana viel zu bieten. Aber Ghana hat Deutschland ebenso viel zu bieten. Unsere Aufgabe ist es, diese Stärken zusammenzubringen“, sagte Landshöft.

Ghana als Stabilitätsanker in Westafrika

Ein Schwerpunkt der engeren Partnerschaft liegt auf der Sicherheitszusammenarbeit. Landshöft bezeichnete Ghana als „Anker für Frieden und Stabilität in Westafrika“.

Deutschland arbeitet bereits mit Ghana bei militärischer und polizeilicher Ausbildung, Entwicklungsprogrammen und Stabilisierungsmaßnahmen zusammen. Besonders im Norden des Landes sollen Sicherheits- und Entwicklungsansätze stärker miteinander verbunden werden.

Die Region grenzt an Burkina Faso, wo dschihadistische Gruppen seit Jahren große Gebiete kontrollieren und regelmäßig Angriffe verüben. Die Sicherheitslage in der Sahelzone wirkt zunehmend auf die Küstenstaaten Westafrikas aus.

Berlin setzt deshalb auf einen Ansatz, bei dem Sicherheitskooperation mit Beschäftigung, wirtschaftlichen Perspektiven und widerstandsfähigen lokalen Strukturen verbunden wird.

Die angekündigten Besuche des Verteidigungsressorts und des Bundesentwicklungsministeriums sollen diese Zusammenarbeit weiter vertiefen.

Wirtschaft und Investitionen rücken stärker in den Vordergrund

Neben Sicherheitsfragen soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit stärker ausgebaut werden.

Deutsche Unternehmen suchen nach neuen Absatzmärkten, verlässlichen Partnern, qualifizierten Arbeitskräften und stabilen Lieferketten. Ghana wiederum verfolgt das Ziel, mehr industrielle Produktion im Land aufzubauen und einen größeren Anteil der Wertschöpfung selbst zu behalten.

Als Beispiel nannte Landshöft das Textilprojekt Northshore Apparel in Savelugu. Dort seien inzwischen mehr als 2.000 Arbeitsplätze entstanden. Das Projekt verbindet ghanaische Produktion mit Qualifizierung, Investitionen und Zugang zu internationalen Märkten.

Der Botschafter verwies zugleich auf seine eigene berufliche Verbindung zu Ghana. Vor mehr als zwei Jahrzehnten sei er erstmals mit einem Containerschiff nach Tema gekommen, das unter anderem Kakaobohnen transportiert habe. Diese Erfahrung habe seinen Blick auf die Frage geprägt, wie Ghana einen größeren Teil der Wertschöpfung seiner Exporte im eigenen Land halten könne.

German-African Business Summit kommt nach Accra

Ein zentraler Termin der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wird der German-African Business Summit im November.

Mehr als 600 Unternehmer, Führungskräfte und politische Entscheidungsträger aus Deutschland und afrikanischen Staaten sollen dafür nach Accra kommen.

Ghana will sich dabei als Investitionsstandort und als Zugang zum größeren afrikanischen Markt präsentieren. Das Land verfügt mit Accra und Tema über wichtige Wirtschafts- und Logistikzentren und beherbergt zugleich das Sekretariat der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone.

Der Gipfel soll deutschen und afrikanischen Unternehmen direkte Geschäftskontakte ermöglichen und neue Investitionsprojekte vorbereiten.

Mehr als 20 deutsche Partner in der Berufsbildung

Auch die berufliche Bildung nimmt in den deutsch-ghanaischen Beziehungen einen größeren Stellenwert ein.

Nach Angaben Landshöfts arbeiten derzeit mehr als 20 deutsche öffentliche und private Institutionen mit ghanaischen Partnern bei der beruflichen Qualifizierung zusammen.

Dabei treffen unterschiedliche demografische Entwicklungen aufeinander. Ghana verfügt über eine junge Bevölkerung und benötigt zusätzliche Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Deutschland steht gleichzeitig vor einem wachsenden Fachkräftebedarf infolge seiner alternden Bevölkerung.

Die Zusammenarbeit soll deshalb stärker Qualifizierung, Beschäftigung und wirtschaftliche Mobilität miteinander verbinden.

Klimaschutz wird mit Migration und Sicherheit verknüpft

Deutschland will die Zusammenarbeit mit Ghana auch bei Klimaanpassung und Widerstandsfähigkeit ausbauen.

Landshöft stellte dabei einen direkten Zusammenhang zwischen Klimawandel, wirtschaftlichen Lebensgrundlagen, Migration und Sicherheit her. Gerade in strukturschwächeren Regionen können Ernteausfälle, Arbeitslosigkeit und fehlende wirtschaftliche Perspektiven bestehende gesellschaftliche Spannungen verstärken.

Die deutsche Kooperation soll deshalb stärker auf Maßnahmen setzen, die gleichzeitig Einkommen sichern, lokale Strukturen stabilisieren und die Anpassung an klimatische Veränderungen unterstützen.

Deutschland will Kulturgüter zurückgeben

Neben aktuellen Wirtschafts- und Sicherheitsfragen sprach Landshöft auch die deutsche Kolonialgeschichte an.

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe erfordere einen offenen Umgang mit der Vergangenheit. Deutschland untersucht derzeit die Herkunft von vier Kulturgütern aus Kpando. Dazu gehören zwei Kriegstrommeln und zwei Kriegshörner.

Der Botschafter bekräftigte Deutschlands Bereitschaft, Kulturgüter zurückzugeben, die während der Kolonialzeit nach Deutschland gelangt sind.

Die Frage der Rückgabe afrikanischer Kulturgüter hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung in der deutschen Afrika-Politik gewonnen.

70 Jahre diplomatische Beziehungen im kommenden Jahr

2027 jährt sich die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Ghana und Deutschland zum 70. Mal. Das Jubiläum fällt mit dem 70. Jahrestag der ghanaischen Unabhängigkeit zusammen.

Landshöft bezeichnete die lange Zusammenarbeit als Grundlage für eine breitere Partnerschaft zwischen beiden Ländern.

Deutschland und Ghana verbinden inzwischen nicht nur klassische Entwicklungsprogramme, sondern auch Wirtschaftsbeziehungen, Sicherheitskooperation, Berufsbildung, Klimapolitik, Wissenschaft und kultureller Austausch.

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