Europas Geheimdienste im Ranking: MI6 weit vor dem deutschen BND

Europas Geheimdienste im Vergleich: Der britische MI6 dominiert mit 251 Punkten. Frankreich folgt deutlich dahinter – und der deutsche BND landet nur auf Platz fünf.

Der britische Auslandsgeheimdienst MI6 führt ein Ranking europäischer Nachrichtendienste mit deutlichem Abstand vor Frankreich und den Niederlanden an. Die Rangliste wurde Anfang August veröffentlicht. Der MI6 erreicht 251 Punkte, die französische DGSE folgt mit 169 Punkten. Der deutsche Bundesnachrichtendienst kommt mit 62 Punkten lediglich auf Platz fünf.

Das französische Nachrichtenmagazin L’Express hatte für die Untersuchung 60 Fachleute aus Nachrichtendiensten in 25 Ländern nach ihrer Einschätzung anderer westlich orientierter Dienste gefragt. Über einen Zeitraum von drei Monaten entstand daraus eine Rangliste, die vor allem Reputation, operative Fähigkeiten und die Einschätzung innerhalb der Nachrichtendienstwelt widerspiegelt.

MI6 mit großem Abstand auf Platz eins

Mit 251 Punkten liegt der britische Secret Intelligence Service, besser bekannt als MI6, 82 Punkte vor der französischen Direction générale de la sécurité extérieure, kurz DGSE.

Besonders hoch bewerteten die befragten Fachleute die Fähigkeit der Briten, hochrangige menschliche Quellen zu gewinnen und Zugang zu politischen und staatlichen Eliten anderer Länder zu erhalten. Genannt wurden dabei insbesondere Russland, China, Iran und die Türkei.

Der frühere CIA-Mitarbeiter Robert Gorelick bezeichnete die britischen Dienste gegenüber L’Express als die mit Abstand stärksten Europas. Auch beim Krieg in der Ukraine wird dem MI6 eine zentrale Rolle zugeschrieben. Großbritannien gehörte zu den Staaten, die Kiew früh vor einer bevorstehenden russischen Invasion warnten.

Frankreichs DGSE mit starker Stellung in Afrika

Auf Rang zwei folgt die französische DGSE mit 169 Punkten. Sie gehört nach Einschätzung der Befragten zu den wenigen europäischen Diensten, die über nahezu weltweite operative Fähigkeiten verfügen.

Eine besondere Rolle spielt dabei Afrika. Die DGSE verfügt aufgrund der langjährigen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Präsenz Frankreichs auf dem Kontinent über weitreichende Strukturen und Kontakte. L’Express führt unter anderem den Wagner-Aufstand in Russland im Juni 2023 an. Frankreich hatte die CIA zuvor über Vorbereitungen des Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin informiert. Die entsprechenden Erkenntnisse sollen aus Afrika gekommen sein.

Auch bei Terrorismusbekämpfung und verdeckten Operationen wird der französische Dienst von anderen Nachrichtendiensten hoch bewertet. Die DGSE liegt dennoch deutlich hinter dem britischen MI6.

Niederlande überraschen auf Rang drei

Bemerkenswert ist die Platzierung des niederländischen Allgemeinen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes AIVD. Mit 97 Punkten erreicht der vergleichsweise kleine Dienst den dritten Platz.

Der ehemalige portugiesische Geheimdienstchef Jorge Silva Carvalho bezeichnete den AIVD gegenüber L’Express als besonders effizient und vertrauenswürdig. Damit liegt der niederländische Dienst vor Nachrichtendiensten deutlich größerer europäischer Staaten.

Auf Rang vier folgen die beiden ukrainischen Dienste SBU und HUR mit jeweils 77 Punkten. Ihre seit Beginn der russischen Großinvasion 2022 stark ausgeweiteten Operationen haben ihnen innerhalb der internationalen Nachrichtendienstgemeinschaft hohe Anerkennung eingebracht. Hervorgehoben werden insbesondere ihre Fähigkeit zu unkonventionellen Operationen, Sabotage und risikoreichen Einsätzen gegen russische Ziele.

BND erreicht nur Platz fünf

Der Bundesnachrichtendienst landet mit 62 Punkten auf dem fünften Platz. Damit erreicht Deutschlands Auslandsgeheimdienst weniger als ein Viertel der Punktzahl des MI6 und deutlich weniger als die französische DGSE.

Die befragten Experten bescheinigen dem BND vor allem starke analytische Fähigkeiten. Kritischer fällt dagegen die Einschätzung seiner operativen Arbeit im Ausland aus. Ein früherer Schweizer Nachrichtendienstchef verglich Mitarbeiter des deutschen Dienstes mit Forschern eines Thinktanks. Auch die vergleichsweise zurückhaltende deutsche Praxis bei geheimdienstlichen Operationen außerhalb Deutschlands wird als Grund für den Abstand zu Großbritannien und Frankreich genannt.

Die Rangliste misst dabei keine objektiv überprüfbare Gesamtleistung. Nachrichtendienste veröffentlichen nur einen kleinen Teil ihrer Operationen, zudem unterscheiden sich ihre gesetzlichen Aufgaben und Zuständigkeiten erheblich. Das Ergebnis bildet deshalb vor allem die Reputation der Dienste unter internationalen Fachleuten und ehemaligen Nachrichtendienstmitarbeitern ab.

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