Algeriens Präsident Tebboune nennt Emirate “Mikrostaat” – Destabilisierung Tunesiens nicht geduldet

Algerien hätte die Beziehungen zu den Emiraten nach Darstellung von Präsident Tebboune längst abbrechen können. Algier verzichte darauf, um die Spaltung der arabischen Welt nicht weiter zu vertiefen.

Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune hat den Vereinigten Arabischen Emiraten erneut Einmischung und destabilisierende Aktivitäten in mehreren arabischen und afrikanischen Staaten vorgeworfen. Die Äußerungen fielen in einem am Montagabend ausgestrahlten Interview mit Vertretern algerischer Medien. Einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen schloss Tebboune nicht grundsätzlich aus. Algerien habe bislang darauf verzichtet, um die bestehenden Spannungen innerhalb der arabischen Welt nicht weiter zu verschärfen.

„Es gibt bereits viele Spaltungen in der arabischen Welt, und wir wollen die Lage nicht noch verschlimmern“, sagte der Präsident. Andernfalls hätte Algerien die Beziehungen zu dem von ihm als „Mikrostaat“ bezeichneten Land bereits vor langer Zeit beendet.

Tebboune nannte die Emirate in seinen Aussagen nicht durchgehend beim Namen. Seine Vorwürfe richteten sich jedoch erkennbar gegen Abu Dhabi, das er bereits bei früheren öffentlichen Auftritten scharf kritisiert hatte.

Algerien spricht von Beweisen

Der algerische Präsident warf den Emiraten vor, Konflikte in der Region zu fördern. „Wo sie ihren Fuß hinsetzen, fließt Blut“, sagte Tebboune. Algerien verfüge über Beweise und erhebe die Anschuldigungen nicht ohne Grundlage.

Konkrete Belege legte er in dem Interview nicht vor. Auch erläuterte er nicht, welche Aktivitäten der emiratischen Führung Algerien unmittelbar bedrohen sollen.

Tebboune erklärte, sein Land wolle lediglich verhindern, dass die Spannungen auf Algerien übergreifen. „Wir wollen nicht, dass bei uns Blut fließt“, sagte er. Die Angelegenheit könne aus seiner Sicht von den Vereinten Nationen oder einer anderen internationalen Seite behandelt werden.

Bereits im März 2024 hatte Tebboune Abu Dhabi beschuldigt, mit finanzieller Unterstützung in Konflikten in Mali, Libyen und im Sudan präsent zu sein. Seitdem hat er die Emirate wiederholt öffentlich kritisiert.

Rücksicht auf die arabischen Beziehungen

Trotz der schweren Vorwürfe hält Algier bislang an den diplomatischen Beziehungen zu Abu Dhabi fest. Tebboune begründete dies mit dem Ziel, weitere Brüche zwischen arabischen Staaten zu vermeiden.

Gleichzeitig stellte er heraus, dass sich die Kritik nicht gegen die Golfstaaten insgesamt richte. Algerien unterhalte nach seinen Worten gute Beziehungen zu Saudi-Arabien und anderen Ländern der Region.

Auch das Verhältnis zu Ägypten hob er hervor. Algerien und Ägypten hätten seit Langem gemeinsame Positionen vertreten und seien politisch „im selben Schützengraben“, sagte Tebboune.

Damit grenzte der Präsident den Konflikt mit Abu Dhabi von Algeriens übrigen Beziehungen zur arabischen Welt ab. Die Zugehörigkeit seines Landes zu diesem Staatensystem sei eindeutig.

Warnung vor einer Destabilisierung Tunesiens

Besonders scharf äußerte sich Tebboune zu möglichen Versuchen, Tunesien von Algerien zu isolieren. Entwicklungen im Nachbarland beträfen unmittelbar auch Algerien.

„Man will Tunesien wegen Algerien destabilisieren“, sagte der Präsident. Ziel sei es, das Land von Algier zu trennen und dadurch leichter unter Druck setzen zu können. Algerien werde dies nicht zulassen.

Tebboune warnte zudem vor einer Verlagerung terroristischer Aktivitäten in die Nähe Tunesiens. Wer Terrorismus an die tunesische Grenze bringe oder das Land bedrohe, müsse mit einer Reaktion Algeriens rechnen. „Dieses Spiel hat Grenzen“, sagte er.

Welche Staaten oder Gruppen hinter den von ihm beschriebenen Aktivitäten stehen sollen, führte Tebboune nicht näher aus. Seine Aussagen verbanden die Spannungen mit den Emiraten jedoch mit einer umfassenderen Sorge vor Einflussnahme in Algeriens unmittelbarer Nachbarschaft.

Algerien sieht sich als Vermittler

Der Präsident beschrieb Algerien zugleich als friedlichen Staat, der niemandem schaden wolle. Sein Land stehe den Vereinten Nationen als glaubwürdiger Vermittler zur Verfügung.

Andere Akteure betrachteten Algerien nach Tebboune zufolge als Hindernis für ihre geopolitischen Pläne. Algier verteidige jedoch lediglich seine eigenen Interessen, die Vorrang hätten.

„Eine neue Welt entsteht, und jeder hat darin seinen Platz“, sagte Tebboune. Die politischen Verhältnisse des 21. Jahrhunderts ließen sich nicht mehr mit den Machtordnungen und Grenzziehungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts vergleichen.

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