Der ECOWAS-Unterhändler Lansana Kouyaté hat in Ouagadougou mit Burkina Fasos Staatschef Ibrahim Traoré über die künftigen Beziehungen zwischen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Allianz der Sahel-Staaten gesprochen. Das Treffen fand am 25. Mai 2026 statt. Kouyaté warb nach der Audienz für eine „beispielhafte Zusammenarbeit“ zwischen beiden Räumen. Im Mittelpunkt standen Sicherheit, Stabilität und die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung nach dem Bruch von Burkina Faso, Mali und Niger mit der ECOWAS.
Vermittler spricht von komplexen Fragen
Kouyaté bezeichnete die Gespräche mit Traoré als konstruktiv. Der frühere Exekutivsekretär der ECOWAS tritt als Vermittler der Regionalorganisation gegenüber der Konföderation der Sahel-Staaten auf. Er hatte zuvor bereits Gespräche mit Côte d’Ivoires Präsident Alassane Ouattara, Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye und Ghanas Präsident John Dramani Mahama geführt.
„Wir haben über ziemlich komplexe Themen gesprochen, die die Sicherheit und Stabilität unserer Länder betreffen“, sagte Kouyaté nach der Begegnung in Ouagadougou. Die Gründung der Allianz der Sahel-Staaten habe zum Bruch mit der ECOWAS geführt. Dieser Schritt sei inzwischen vollzogen.
Kouyaté stellte deshalb nicht die Rückkehr der Sahel-Staaten in den Vordergrund, sondern den Umgang der beiden Blöcke miteinander. „Es ist bereits beschlossen, darauf kommen wir nicht zurück. Aber wie erhalten wir eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Einheiten aufrecht?“, sagte er.
Geografie zwingt beide Seiten zum Kontakt
Burkina Faso, Mali und Niger hatten die Allianz der Sahel-Staaten nach ihren Spannungen mit der ECOWAS aufgebaut und ihren Austritt aus der westafrikanischen Regionalorganisation vollzogen. Seit Januar 2025 bilden sie einen eigenen Block im Zentrum Westafrikas.
Kouyaté verwies auf die enge Verflechtung der Staaten in der Region. Grenzen, Handelswege, Familienbeziehungen und Sicherheitsfragen verbinden die Mitgliedstaaten der ECOWAS weiter mit den Ländern der Sahel-Allianz. „Die Geografie verbindet diese beiden Einheiten: die AES und die ECOWAS“, sagte er.
Dabei hob der Vermittler besonders die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung hervor. Die Menschen müssten weiterhin von einem Raum in den anderen reisen können. Diese Frage berührt Handel, Arbeit, Familienkontakte und die Versorgung grenznaher Regionen.
Traoré gibt Anweisungen für weitere Gespräche
Über konkrete Beschlüsse wurde nach dem Treffen zunächst nichts veröffentlicht. Kouyaté sagte jedoch, Traoré habe „klare Anweisungen“ gegeben. Deren Inhalt nannte er nicht. Der Vermittler erklärte lediglich, diese Vorgaben könnten den weiteren Gesprächen nutzen.

Die Formulierung zeigt, dass beide Seiten trotz des institutionellen Bruchs Gesprächskanäle offenhalten. Für die ECOWAS geht es darum, die Folgen des Austritts der drei Sahel-Staaten zu begrenzen. Für Burkina Faso, Mali und Niger steht die Anerkennung ihrer neuen regionalen Ordnung im Vordergrund.
Die Spannungen zwischen ECOWAS und AES hatten sich seit den politischen Umbrüchen in Mali, Burkina Faso und Niger verschärft. Die ECOWAS reagierte auf Machtwechsel und Übergangsregierungen mit Sanktionen und diplomatischem Druck. Die Sahel-Staaten warfen der Organisation vor, sich von äußeren Interessen leiten zu lassen.
Sicherheitslage bleibt gemeinsame Belastung
Die Sicherheitslage in der Sahelzone bleibt der zentrale Hintergrund der Gespräche. Burkina Faso, Mali und Niger kämpfen seit Jahren mit bewaffneten Gruppen, dschihadistischer Gewalt und Angriffen auf Zivilisten, Sicherheitskräfte und staatliche Einrichtungen.
Auch Nachbarstaaten außerhalb der AES verfolgen die Entwicklung mit Sorge. Instabilität im Sahel hat Folgen für Grenzsicherheit, Handel, Migration und regionale Zusammenarbeit. Die ECOWAS kann den Bruch mit den drei Staaten deshalb nicht allein als institutionelle Frage behandeln.
Kouyatés Mission setzt an diesem Punkt an. Sie soll einen Rahmen schaffen, in dem ECOWAS und AES trotz politischer Trennung über praktische Zusammenarbeit sprechen können. Nach dem Treffen in Ouagadougou bleibt der Fokus auf Sicherheit, Stabilität und den Alltag der Bevölkerung gerichtet.

