Vatikan und USA beraten über Kriege in Afrika und Nahost

Papst Leo XIV. und US-Außenminister Marco Rubio haben im Vatikan über Kriege und humanitäre Krisen gesprochen. Afrika spielte dabei eine zentrale Rolle: Rubio verwies auf Sudan, wachsende christliche Gemeinschaften und die humanitäre Präsenz der Kirche.

Papst Leo XIV. und US-Außenminister Marco Rubio haben im Vatikan über Kriege, politische Spannungen und humanitäre Krisen gesprochen. Das Treffen fand am 7. Mai 2026 im Apostolischen Palast statt. Nach Angaben des Heiligen Stuhls bekräftigten beide Seiten ihre bilateralen Beziehungen und sprachen über die Notwendigkeit, weiter für Frieden zu arbeiten. Rubio nannte anschließend Afrika, den Sudan, Libanon und Kuba als Themen, bei denen die katholische Kirche und die USA über eigene Zugänge und humanitäre Strukturen verfügen.

Rubio verweist auf Afrikas wachsende Bedeutung

Rubio sagte nach dem Treffen in Rom, die katholische Kirche sei eine wichtige globale Institution mit Präsenz in vielen Teilen der Welt. Er verwies dabei ausdrücklich auf Afrika. Der Papst sei gerade von einer Afrikareise zurückgekehrt, sagte Rubio. Afrika sei „ein sehr wichtiger Kontinent mit wachsenden christlichen Bevölkerungen“, von denen sich viele durch die Ausbreitung radikalislamistischen Terrorismus bedroht fühlten.

Der US-Außenminister sagte, Washington interessiere sich für diese Lage. Die Kirche verfüge in vielen Ländern über eigene Informationen, Kontakte und humanitäre Strukturen. In der Vergangenheit sei sie nicht nur mit Regierungen, sondern auch mit Gesellschaften ein wichtiger Gesprächspartner gewesen.

Rubio verband diese Rolle auch mit humanitärer Hilfe. In verschiedenen Teilen der Welt habe die Kirche eine praktische Bedeutung bei Hilfsmaßnahmen und sei in einigen Fällen auch Vermittlerin oder Ermöglicherin amerikanischer humanitärer Unterstützung gewesen.

Sudan als humanitäre Krise

Auf eine Frage zum Krieg im Sudan sagte Rubio, die USA hätten Afrika allgemein besprochen. Sudan bezeichnete er als „unglaubliche Tragödie“. Die Vereinigten Staaten seien über den sogenannten Quad-Prozess stark engagiert.

Rubio beschrieb den Krieg im Sudan als Konflikt, in dem mehrere Staaten direkt oder indirekt Einfluss nähmen. Einige Länder unterstützten kämpfende Akteure, andere ließen ihr Territorium für Waffenlieferungen nutzen. Zuletzt habe es eine positive Erklärung zu Grundsätzen gegeben, sagte Rubio. Diese müsse nun mit konkretem Handeln verbunden werden.

Washington konzentriere sich derzeit darauf, eine humanitäre Feuerpause zu erreichen. Diese solle Hilfe für Menschen ermöglichen, die unter dem Krieg leiden. Rubio sprach von sicheren Orten für die Verteilung humanitärer Hilfe und bezeichnete Sudan als eine der schlimmsten humanitären Krisen weltweit.

Zugleich machte er deutlich, dass eine humanitäre Feuerpause aus Sicht der USA nicht das Endziel sei. Neben humanitären Korridoren und Hilfsorten müsse der Krieg beendet werden. Dazu müssten die Staaten und Akteure, die kämpfende Gruppen unterstützten, Druck auf diese ausüben, damit ein Friedensabkommen zustande komme.

Vatikan spricht von Ländern in Krieg und Not

Der Heilige Stuhl teilte nach der Audienz mit, es habe einen Austausch über regionale und internationale Situationen gegeben. Besonderes Augenmerk habe Ländern gegolten, die von Krieg, politischen Spannungen und schwierigen humanitären Situationen geprägt seien.

Nach Angaben von Vatican News gehörten dazu auch afrikanische und nahöstliche Länder. Genannt wurden unter anderem Libanon und Iran. Auch Kuba wurde angesprochen, wo die Spannungen mit den USA zuletzt zugenommen hatten.

Rubio traf nach seiner Audienz bei Papst Leo XIV. auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Erzbischof Paul Gallagher, den Außenbeauftragten des Heiligen Stuhls. Dabei wurden nach Vatikanangaben die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den Vereinigten Staaten bekräftigt.

Nahost-Frieden und christliche Gemeinden

Rubio verwies besonders auf Libanon. Die katholische Kirche habe dort ein Interesse an den christlichen Gemeinschaften, sagte er. Die USA seien zugleich in Bemühungen eingebunden, Frieden zwischen Israel und Libanon zu erreichen.

Nach Angaben des US-Außenministeriums ging es bei den Gesprächen um die Lage im Nahen Osten sowie um weitere Themen von gemeinsamem Interesse. Das Treffen habe die starken Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Heiligen Stuhl sowie das gemeinsame Engagement für Frieden und Menschenwürde unterstrichen.

Der Heilige Stuhl sprach von „herzlichen Gesprächen“. Beide Seiten hoben das gemeinsame Interesse an stabilen bilateralen Beziehungen hervor.

Treffen nach Spannungen um Iran

Die Begegnung fand nach verbalen Spannungen zwischen Washington und dem Vatikan statt. US-Präsident Donald Trump hatte Papst Leo XIV. in den vergangenen Wochen wegen dessen Aussagen zum Iran-Krieg angegriffen. Rubio sagte vor und nach dem Treffen, die Audienz sei nicht wegen dieser Auseinandersetzung angesetzt worden.

Auf die Frage, ob er den Papst aufgefordert habe, seine Kritik am Iran-Krieg einzustellen, sagte Rubio, er werde nicht öffentlich über seine Gespräche mit dem Papst sprechen. Zugleich betonte er, die USA hätten eine starke Beziehung zum Vatikan und arbeiteten weltweit mit ihm in vielen Fragen zusammen.

Rubio nannte das Treffen produktiv. Es habe die Möglichkeit gegeben, über Weltregionen zu sprechen, in denen sowohl die Vereinigten Staaten als auch die katholische Kirche präsent seien, und bestehende Zusammenarbeit fortzusetzen oder auszubauen.

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